Wirtschaftsverband NÖ-Ernst/Pöchhacker/Schaden: KleinunternehmerInnen schaffen viele neue Jobs, brauchen aber mehr soziale Sicherheit

SWV NÖ: Jährlich tausende neue Arbeitsplätze in Niederösterreich dank der kleinen und mittleren Betriebe

St. Pölten (OTS) - Für eine stärkere soziale Absicherung von KleinunternehmerInnen bei Krankheit und Arbeitslosigkeit setzt sich der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Niederösterreich (SWV NÖ) ein. Diese UnternehmerInnen schaffen in Niederösterreich Jahr für Jahr tausende neue Arbeitsplätze, tragen selbst aber ein besonders hohes Arbeitslosigkeits- und Armutsrisiko, informierte der SWV NÖ heute bei einer Pressekonferenz in St. Pölten. Daher will der Wirtschaftsverband NÖ den Zugang zur Arbeitslosenversicherung für UnternehmerInnen erleichtern und den Selbstbehalt für Selbstständige beim Arztbesuch abschaffen. Auch ein Entgeltfortzahlungsfonds ist notwendig.

"Die kleinen und mittleren Betriebe sind der Jobmotor Niederösterreichs, gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten", erklärte der Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Niederösterreich, KommR Günter Ernst. "Die mehr als 90.000 UnternehmerInnen, die diese Betriebe führen, schaffen für sich und für ArbeitnehmerInnen in allen Regionen des Bundeslandes viele neue Jobs."
"Umso problematischer ist es, dass jene zahlreichen UnternehmerInnen, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld durch eine frühere unselbstständige Tätigkeit haben, im Fall einer Arbeitslosigkeit oft keine Absicherung vorfinden. Zwar gibt es für sie seit einigen Jahren die Möglichkeit einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung. Allerdings ist diese mit einem Mindestbeitrag von rund 79 Euro monatlich für viele KleinunternehmerInnen nicht leistbar, sodass sie nur von sehr wenigen Selbstständigen genutzt wird. Außerdem macht die achtjährige Bindungsfrist einen späteren Einstieg oder Änderungen bei den Beitragszahlungen unmöglich. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für UnternehmerInnen muss daher günstiger und flexibler werden. Weiters ist es sinnvoll, dass für ehemalige Selbstständige eine Arbeitsstiftung eingerichtet wird, um ihnen die Suche nach einem neuen Job zu erleichtern und ihr unternehmerisches Wissen zu nutzen." Wie notwendig diese Maßnahmen sind, zeigt sich daran, dass viele KlientInnen der Schuldnerberatung UnternehmerInnen sind und Selbstständigkeit ein häufiger Grund für Armut ist, so Günter Ernst.

"Weit mehr als 300.000 unselbstständig Beschäftigte arbeiten in den kleinen und mittleren Betrieben Niederösterreichs, das sind mehr als 70 Prozent aller Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft", berichtete der Vizepräsident und Spartenvorsitzende des SWV NÖ in Gewerbe und Handwerk, KommR Anton Pöchhacker. "Es ist diesen Unternehmen zu verdanken, dass jährlich tausende neue Jobs in unserem Bundesland geschaffen werden und auch zuletzt wieder ein Beschäftigungsplus erreicht werden konnte. So schufen diese Unternehmen im Vergleichszeitraum Juli 2012 bis Juli 2013 in unserem Bundesland rund 5.700 neue Jobs für unselbstständig Beschäftigte. Dazu kommen noch jene neuen Arbeitsplätze, die die UnternehmerInnen für sich selbst geschaffen haben. Sie gründeten 2013 in NÖ 7.778 Unternehmen." Die Klein- und Mittelbetriebe des Bundeslandes setzen sich mittlerweile aus rund 55.000 Einpersonenunternehmen und ca. 37.000 Arbeitgeberbetrieben zusammen.
Für letztere fordert Anton Pöchhacker eine Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds: "Dieser Fonds, in den alle Arbeitgeber solidarisch einzahlen, soll die Lohnfortzahlung für erkrankte MitarbeiterInnen übernehmen. Sie stellt nämlich gerade für kleine Unternehmen eine erhebliche Belastung dar, weil die Betriebe nun mit den Zahlungen für MitarbeiterInnen im Krankenstand zumeist auf sich alleine gestellt sind. Ein Entgeltfortzahlungsfonds würde viele kleine und mittlere Unternehmen stärken."

"Unsere KleinunternehmerInnen haben eine Schlüsselfunktion bei der Schaffung neuer Jobs und verdienen sich faire Bedingungen", stellte Wirtschaftsverband NÖ-Präsidiumsmitglied KommR Thomas Schaden fest. "An einer Abschaffung des Selbstbehalts für UnternehmerInnen beim Arztbesuch führt daher kein Weg vorbei."

"Die Selbstständigen müssen diesen Selbstbehalt derzeit leisten, obwohl sie die gleichen Beiträge in die Krankenversicherung einzahlen wie ASVG-Versicherte, denen keine Kostenbeteiligung beim Arztbesuch abverlangt wird. Eine Abschaffung des Selbstbehalts ist daher ein Gebot der Fairness. Er führt dazu, dass Krankheit bestraft wird. Dem nicht genug, stellt der Selbstbehalt eine finanzielle Belastung dar, wegen der notwendige Arztbesuche oft aufgeschoben werden."
Eine Änderung will der Wirtschaftsverband NÖ auch beim vor kurzem geschaffenen Krankengeld für Selbstständige. Dieses wird derzeit erst ab dem 43. Krankenstandstag ausbezahlt.
"EinpersonenunternehmerInnen und Gewerbetreibende mit ein bis zwei MitarbeiterInnen haben keinerlei Einkommen, wenn sie wegen einer Erkrankung nicht arbeiten können. Diese UnternehmerInnen sollten daher schon ab dem ersten Tag des Krankenstands das Krankengeld beziehen können", verlangte Thomas Schaden. "Für viele von ihnen ist es einfach nicht möglich, sechs Wochen lang ohne Einkünfte auszukommen. Mit einem früheren Bezug des Krankengelds könnte oft verhindert werden, dass durch eine Erkrankung des Firmeninhabers der Weiterbestand des Betriebs und der Arbeitsplätze gefährdet wird."

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