Arbeitsmarktfalle: Zu alt zum Arbeiten, zu jung für die Pension

Für ein höheres Pensionsantrittsalter sollen ArbeitnehmerInnen länger arbeiten. Ältere haben aber geringere Jobchancen - Sozialintegrative Unternehmen bieten vielfältige Hilfe

Wien (OTS) - Im März gab es in Österreich 82.946 Arbeitslose in der Altersgruppe ab 50 Jahre, das ist ein Fünftel mehr als im Vorjahr (Quelle: AMS). In Wien waren es 24.696, das ist sogar ein Anstieg um mehr als 23 Prozent. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt besondere Unterstützung brauchen - Menschen wie Erwin Zergatsch, der vier Jahre vor seiner Pensionierung aufgrund von Stellenabbau gekündigt wurde. Die zahlreichen Bewerbungen und Vorstellungsgespräche des gelernten Elektroinstallateurs, der auf 40 Jahre Berufserfahrung verweisen konnte, ergaben, dass er für seine Branche schlicht und einfach zu alt ist.

Neue Chancen durch Sozialintegrative Unternehmen

"Dies ist der Punkt, an dem Sozialintegrative Unternehmen eine überaus wichtige gesellschaftliche Rolle übernehmen", erklärt Christoph Parak, Geschäftsführer des Wiener Dachverbands für sozial-ökonomische Einrichtungen (DSE-Wien). "Sozialintegrative Unternehmen bieten Langzeitarbeitslosen bzw. arbeitsmarktfernen Personen zeitlich befristete, geförderte Arbeitsplätze und individuell angepasste Beratung und Betreuung. Dadurch helfen sie beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Besonders für ältere Arbeitslose gibt es spezielle Programme." Erwin Zergatsch beispielsweise konnte mit Hilfe des AMS-geförderten Projekts Job-TransFair PLUS eine Arbeitsstelle bei einem Bewachungsdienst finden, in der er sehr geschätzt wird und seit mittlerweile vier Jahren tätig ist. Demnächst tritt er seinen wohlverdienten Ruhestand an - eine Erfolgsgeschichte, die die Wichtigkeit und den Stellenwert Sozialintegrativer Unternehmen dokumentiert.

Angebote für ältere ArbeitnehmerInnen

Neben der gemeinnützigen Integrationsleasingfirma Job-TransFair gibt es in Wien noch weitere Sozialintegrative Unternehmen, die, gefördert vom AMS Wien, spezielle Angebote für ältere Arbeitslose haben. Visitas, der Besuchsdienst des Roten Kreuzes für betagte Menschen, beschäftigt in erster Linie ältere Frauen, die sich - meist mit einer fixen Jobzusage - zur Heim- oder Pflegehelferin ausbilden lassen. Älteren und eventuell gesundheitlich eingeschränkten Arbeitsuchenden ermöglicht es Michl's Cafè, ihre jahrelangen Berufskenntnisse in der Gastronomie unter Beweis zu stellen. Die Beratungsstelle EUSPUG wiederum kennt die Vorzüge von Menschen mit langer Berufserfahrung, aber auch die Vorurteile gegenüber diesen älteren ArbeitnehmerInnen und coacht Führungskräfte und AkademikerInnen ab 50 bei der Jobsuche oder Unternehmensgründung.

Zusätzliche Fördermittel für ältere Arbeitslose

Vor kurzem genehmigte der Nationalrat auf Empfehlung des Sozialausschusses zusätzliche Fördermittel für die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt. Bis zum Jahr 2016 können so 350 Mio. Euro aus der Arbeitslosenversicherung in spezielle Förderprogramme und Eingliederungsbeihilfen für Ältere umgeleitet werden. Gedacht ist dabei etwa an Kombilohnmodelle, Eingliederungsbeihilfen und die verstärkte Unterstützung sozialökonomischer Betriebe. DSE-Geschäftsführer Christoph Parak begrüßt diesen Schritt, hat aber anlässlich des Tages der Arbeitslosen noch ein besonderes Anliegen an die Arbeitsmarktpolitik:
"Wir brauchen dringend mehr geförderte Dauer-Arbeitsplätze in Wien. Wichtig ist auch ein größerer Spielraum für längere Beschäftigung in Sozialintegrativen Unternehmen. Die kürzliche Abschaffung der befristeten Invaliditätspension wird diese Notwendigkeit noch deutlicher machen."

Ausgrenzungsgrund Geburtsdatum

Die Bedeutung dieser Maßnahmen wird umso deutlicher, da es immer noch viele Unternehmen gibt, die ArbeitnehmerInnen über 50 kaum eine Chance auf eine Arbeitsstelle geben. Eine AK-Studie belegt, dass rund ein Drittel aller Betriebe ab 20 Beschäftigten nicht eine(n) einzige(n) ArbeitnehmerIn über 55 längerfristig in der Belegschaft hat! Selbst bei bester Qualifikation und Gesundheit sind die Aussichten für ältere Arbeitslose also sehr trübe.

DSE-Wien: Ansprechpartner für aktive Arbeitsmarktpolitik

Der Wiener Dachverband für sozial-ökonomische Einrichtungen vertritt über 50 Betriebe und Beratungseinrichtungen, hinter denen 32 Trägerorganisationen stehen. Alle DSE-Mitglieder sind gemeinnützig und haben sich der Beratung, Qualifizierung, Betreuung und Beschäftigung langzeitarbeitsloser bzw. arbeitsmarktferner Menschen verschrieben. In Wien werden von diesen Organisationen jährlich über 20.000 Menschen beschäftigt bzw. beraten oder in Arbeitsverhältnisse vermittelt.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Eva Schober
Öffentlichkeitsarbeit
Wiener Dachverband für sozial-ökonomische Einrichtungen (DSE-Wien)
Taborstraße 24/18, 1020 Wien
Tel. 01-720 38 80-15; 0664-811 92 02
Mail: e.schober@dse-wien.at

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