Erschreckender UN-Vatikan Bericht nun auch auf Deutsch erhältlich

Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt erhielt UN-Autorisierung zur Übersetzung. Massive Kritik wegen Verletzung von Kinderrechten

Wien/New York (OTS) - Der UN-Bericht vom vergangenen Jänner ist nun erstmals auf deutsch verfügbar, und wurde von den Vereinten Nationen freigegeben. Der Bericht kritisiert mit großer Schärfe den Umgang des Vatikans mit Kinderrechten, insbesondere mit sexuellem Missbrauch durch Priester. Die UNO mahnt Papst Franziskus, eine Kommission zur Prüfung der Vorwürfe sexueller Gewalt zu schaffen. Anlass des Berichts war die Frage, ob der Vatikan die von ihm ratifizierte UN-Kinderrechtskonvention auch einhalte. Unterzeichnerstaaten verpflichten sich dazu, alle nötigen Maßnahmen zum Schutz von Kindern zu ergreifen und die Belange der Kinder über alles andere zu stellen. Der UN-Ausschuss forderte im Jänner deswegen eine unabhängige Untersuchung aller Fälle von Missbrauch durch Priester. Der Vatikan muss klare Regeln für die verpflichtende Meldung von Vorfällen an die Polizei einführen. Dieser Bericht, der in einigen Punkten vom Vatikan als "nicht aktuell" und als "Einmischung in wichtige Kirchenlehren" (!) abgelehnt wurde, ist nun auf Initiative der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt auf deutsch verfügbar.

Das 18 Seiten lange Dokument kritisiert den Umgang des Vatikans mit Kinderrechten in zahlreichen Punkten:

- Unehelich geborene Kinder sollen nicht mehr als "illegitim" diskriminiert werden.

- Der Vatikan soll seine Autorität verstärkt dafür einsetzen, um Gewalt gegen Kinder zu verhindern, insbesondere aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

- Gleichberechtigung beider Geschlechter muss voran getrieben werden, alle in katholischen Schulbüchern verwendeten geschlechtsbezogenen Stereotypen entfernt werden.

- Kinder, die von katholischen Priestern gezeugt wurden, sollen erfasst und die Identität dieser Priester festgestellt werden. Der Vatikan soll alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um das Recht der Kinder, ihren Vater zu kennen und von diesem angemessen versorgt zu werden, zu gewährleisten.

- Opfer von Folter oder körperlicher Gewalt durch Kirchenmitglieder sollen angemessen entschädigt werden.

- Der Vatikan soll effiziente Präventionsmaßnahmen gegen sexuellen Missbrauch durch Kirchenmitglieder einführen: Kinderschänder von ihren Posten entfernen, Zugriff auf Archive zwecks Strafverfolgung gewährleisten, Meldepflichten bei Beobachtung von Straftaten einführen, Präventivprogramme entwickeln.

- Der Vatikan soll seine Einstellung zur Verhütung überdenken, insbesondere aufgrund der Gefahren von HIV und ungewollten Schwangerschaften

"Die Vorwürfe der UN-Kommission an den Vatikan sind vernichtend", sagt Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt. "Es empört uns, dass der Schutz der Kinderrechte vom Vatikan bis heute dermaßen vernachlässigt wird. Es sollte selbstverständlich sein, dass Kinderschänder an die Polizei übergeben werden. Die Kirche verheimlicht ihre Missbrauchsarchive und stellt sich über das Recht -mit Duldung der internationalen Staatengemeinschaft. Mit unserer Übersetzung wollen wird die Tragweite dieses UN-Berichtes der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich machen."

Der Bericht: http://www.ots.at/redirect/Betroffen

www.betroffen.at

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