TIROLER TAGESZEITUNG, LEITARTIKEL 24.04.2014 von Manfred Mitterwachauer

"Ein Überraschungs-Paket"

Innsbruck (OTS) - Mit der Übernahme der Patscherkofelbahnen halst sich die Stadt Innsbruck einen potenziellen Defizitbringer auf. Die Gefahr eines wirtschaftlichen Bauchflecks ist umso größer, als Bürgermeisterin Oppitz-Plörer den Vollbetrieb aufrechterhalten will.

Für wen ist die Übernahme der Patscherkofelbahnen ein gutes Geschäft? Für Peter und Markus Schröcksnadel auf alle Fälle. Mag deren Herzblut auch noch so sehr am Innsbrucker Hausberg hängen - wofür auch die getätigten Millioneninvestitionen in den vergangenen Jahren durchaus Zeugnis ablegen -, so zählt auch für die beiden Unternehmer am Ende eines jeden Tages nicht die lifttechnische Liebhaberei, sondern ein florierendes, gewinnlieferndes Unternehmen in Besitz zu wähnen. Und das war der Patscherkofel nie und wird es aller Voraussicht auch nie werden. Die 10,7 Millionen Euro, welche die Schröcksnadels nun von der Stadt aufs Konto überwiesen bekommen, wären in dieser Höhe am freien Markt wohl nie geflossen. Das weiß der wortgewaltige ÖSV-Boss. Zumindest nicht in der nun vorliegenden Paket-Version. Kaum ein Privatier, der bei Sinnen ist, hätte unter den heutigen Vorgaben einer in Schieflage befindlichen Bergbahnen-Situation im Großraum Innsbruck die gesamten Kofel-Anlagen in einem Aufwasch übernommen, eine Garantie für die Erneuerung der Pendelbahn abgegeben und zugleich die Fortführung des Skibetriebs in vollem Umfang zugesagt. Die Stadt hat dies alles vorerst getan. Insofern sind die 10,7 Millionen Euro leicht verdientes Geld. Geld, das die Schröcksnadels gut gebrauchen können. Um etwa die in Südtirol erworbenen, defizitären Schnalstaler Gletscherbahnen mit dem Athesia-Konzern auf Vordermann zu bringen.
Aber ist dieses Geschäft auch für die Stadt Innsbruck ein gutes? Die von den Stadtverantwortlichen gepriesene Schweizer Bergbahnenstudie sagt klar, dass die von BM Christine Oppitz-Plörer forcierte Variante der Aufrechterhaltung des Kofel-Vollbetriebs samt Umsetzung der Verbindung Muttereralmbahn/Axamer Lizum die teuerste und defizitärste sei. Eine Großraum-Variante, die für die kommenden Jahre 87 Millionen Euro an Investitionsbedarf und einen jährlichen Verlust von über vier Millionen Euro pro Jahr nach sich ziehen wird! Wer soll das alles stemmen? Natürlich wird die Stadt beim Kofel auf defizitsenkende Maßnahmen setzen und den Hausberg daher nicht skirenn-, aber familienfreundlich gestalten. Die langfristige Zukunft des Patscherkofels dürfte indes aber weiter im Unklaren bleiben, möglicherweise bis über die nächste Innsbruck-Wahl 2018 hinaus. Mal schauen, wie lange es geht, wird das Motto lauten. Man will ja die Wähler nicht zu früh mit dem vertreiben, was das Kofel-Paket auch an negativen Überraschungen mit sich bringen könnte.

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