Grüne/ Hebein: "Menschenwürdiger Umgang mit BettlerInnen notwendig"

Wien (OTS) - Anlässlich der wieder aufflammenden Diskussion um das Bettelverbot in Salzburg stellt Birgit Hebein, Sozialsprecherin der Grünen Wien, fest: "In Wien ist stilles Betteln erlaubt. Untersagt ist es, wenn es aggressiv, aufdringlich, organisiert und gewerbsmäßig getan wird. Auch das Betteln mit Kindern ist nicht erlaubt. Doch verschließen wir nicht die Augen vor der sozialen Realität: Betteln wird oft als aufdringlich empfunden und auch von der Polizei bereits bestraft. Es melden sich "genervte" BürgerInnen, die in Ruhe einen Kaffee trinken wollen und kaum ist ein Bettler weg, kommen andere. Gleichzeitig gibt es oft unvorstellbare Armut von Menschen, die das Geld für Lebenserhaltungskosten der Familie, für vom Staat nicht bezahlte Medikamente oder für die Ausbildung der Kinder erbetteln müssen. Das ist die soziale Realität der Bettlerinnen und Bettler".

Hebein fordert eine Grundversorgung in betreuten Unterkünften und Straßensozialarbeit für betroffene Menschen. "Die Politik muss aufwachen und sich den Auswirkungen von Armut stellen. Bettelnde Menschen zu kriminalisieren und sie aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben, weil der Anblick von Armut 'lästig' ist, werden wir nicht akzeptieren. Gleichzeitig sind Probleme lokal allein nicht zu lösen, europaweite Projekte zur Armutsbekämpfung sind dafür notwendig", so Hebein.

Eine "Bettelmafia" konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Hebein: "Bettler werden oft pauschal als Roma wahrgenommen, unabhängig davon, ob sie sich selbst als solche verstehen. Die Unterstellung, dass es sich um eine einzige Gruppe handelt, vermittelt den Eindruck, dass es einen großen Clan mit einem Boss gibt, der alles kontrolliert. So entsteht das falsche Bild der 'Bettelmafia'".

Hinter den bettelnden Menschen verstecken sich individuelle Schicksale. Durch die zunehmende Armut in den süd- und osteuropäischen Ländern sind v.a Menschen aus der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien auf das Geld von der Straße angewiesen. In den letzten Jahren sind auch bei uns mehr bettelnde Menschen sichtbar geworden. Es gibt jedoch keine seriösen Zahlen, wieviele Bettlerinnen und Bettler es gibt.

Die Gründe für das Betteln sind vielschichtig: "Vermehrt müssen Roma Ungarn ihr Dorf nach Angriffen rechtsextremer Paramilitärs verlassen. Für die Notlage dieser Menschen gibt es leider kaum Bewusstsein", so Hebein abschließend.

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