100 Jahre Erster Weltkrieg: "Menschen & Mächte" dokumentiert den "Weg in den Untergang"

Am 24. April um 21.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - "Mein Urgroßvater ist gewarnt worden, aber er hätte nie gekniffen!" Anita Hohenberg, Urgroßenkelin Franz Ferdinands, sieht das Attentat von Sarajevo als Teil ihrer Familiengeschichte, für Europa ist es der Auslöser der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen des umfangreichen ORF-Programmschwerpunkts "Gedenkjahr 2014 -100 Jahre Erster Weltkrieg" (alle Infos unter presse.ORF.at) stehen am 23. und 24. April zwei Highlights auf dem Programm von ORF 2: Die "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Der Weg in den Untergang" von Robert Gokl und Leo Bauer (Reenactment-Regie) erzählt in Zusammenarbeit mit internationalen Historikern, mit bisher unbekanntem Archivmaterial und in aufwendigen Reenactments am Donnerstag, dem 24. April, um 21.05 Uhr in ORF 2, wie es zum Attentat von Sarajevo kam. Aber auch wie Österreich-Ungarn die Ermordung von Thronfolger Franz Ferdinand dazu missbrauchte, einen Krieg gegen Serbien vom Zaun zu brechen, der schließlich zum globalen Krieg wurde. "Der Weg in den Untergang" entstand als Koproduktion von ORF, Metafilm und BMBF, gefördert von Fernsehfonds Austria, Land Niederösterreich und Filmfonds Wien.

Heute, am Mittwoch, dem 23. April, zeigt ORF 2 um 20.15 Uhr den ORF/ZDF-Film "Das Attentat Sarajevo 1914" von Erfolgsregisseur Andreas Prochaska, u. a. mit Florian Teichtmeister, Heino Ferch, Melika Foroutan, Juergen Maurer, Erwin Steinhauer und Friedrich von Thun.

"Es waren naive Jugendliche, unglaublich jung! Zwei waren noch Schüler!" meint David James Smith, Autor des Buches "One Morning in Sarajevo". Es war eine Verkettung von Zufällen und Missgeschicken, die schließlich dazu führte, dass einer dieser Jugendlichen, Gavrilo Princip, an einer Straßenecke in Sarajevo auf den Thronfolger Franz Ferdinand traf und ihn mit einer Kugel erschoss. Die zweite Kugel hätte Oskar Potiorek treffen sollen, den zivilen und militärischen Oberbefehlshaber von Bosnien-Herzegowina - und nicht Sophie, die Frau Franz Ferdinands. Attentate auf gekrönte Häupter hatte es immer wieder gegeben, aber noch nie wurde ein Staat dafür verantwortlich gemacht: in diesem Fall Serbien. "Und daher ist Sarajevo etwas Einzigartiges, weltgeschichtlich kaum Vergleichbares", sagt Historiker Manfried Rauchensteiner.

Vom Tag des Attentats in Sarajevo sind nur wenige Fotografien und einige Sekunden Film erhalten, nichts davon vom Attentat selbst. Für die Dokumentation "Der Weg in den Untergang" wurde dieser Wendepunkt der Geschichte vor einer computergenerierten Sarajevo-Kulisse unter der Regie von Leo Bauer inszeniert - mit Martin Muliar als Franz Ferdinand, Gisela Salcher als Sophie, Peter Moucka als Oskar Potiorek und Vedran Kos als Gavrilo Princip. Hinter der Kamera: Helmut Wimmer.

Franz Ferdinands Besuch in Sarajevo sollte zeigen, wie wichtig dem Haus Habsburg seine jüngste Provinz war. Bosnien-Herzegowina war 1908 von Österreich-Ungarn annektiert worden, im 60. Regierungsjahr von Kaiser Franz Joseph. Ein "Pyrrhus-Sieg" für den Vielvölkerstaat, sowohl innen- als auch außenpolitisch: Die Nationalitäten-Spannungen in der Monarchie verschärften sich, ebenso wie der Kampf um Macht und Einfluss am Balkan. Serbien verbündete sich mit Russland und baute seine Beziehungen zu Frankreich aus. Franz Joseph quittierte die politische Wende mit Wirtschafts- und Agrarboykott - ein schwerer taktischer Fehler, Frankreich sprang mit Lieferungen und dem Bau von Konservenfabriken ein.

Oskar Potiorek befürwortete bereits seit Jahren einen Krieg gegen Serbien. Das Attentat lieferte ihm und der "Kriegspartei" in Wien weitere Argumente für eine serbische Offensive. Ein schnell errungener Sieg würde dem Haus Habsburg Ansehen bringen, der k. u. k. Armee Ruhm und Oskar Potiorek die Beförderung zum Generalstabschef und damit die Nachfolge von Conrad von Hötzendorf.

Im Kampf der Großmächte um die Vormachtstellung in Europa hatte Österreich-Ungarn allerdings schon lange die schlechteren Karten. Ohne Kolonien und industriell rückständig verklärte es die ruhmreiche Geschichte seines Herrscherhauses und versuchte, zumindest auf dem Balkan eine regionale Führungsrolle zu spielen.

Von Anfang an war klar, dass eine Kriegserklärung Österreich-Ungarns zu einem globalen Krieg führen konnte. Manfried Rauchensteiner: "Von Franz Joseph ist erzählt worden, er wäre bis zum Schluss friedensliebend gewesen. Das ist alles in das Reich der Legende zu verweisen. Und er hat gewusst, dass Russland möglicherweise voll hinter Serbien stehen würde." Im Juli 1914 fand ein diplomatischer Wettlauf zwischen Kriegsgegnern und Kriegsbefürwortern statt. Die Kriegstreiber entschieden ihn für sich - mit einer letztlich fatalen Mischung aus Fehleinschätzungen, politischem Leichtsinn, konstruierten Fakten, Täuschung und Betrug.

Ebenso realitätsfern agierte der militärische Oberbefehlshaber in Bosnien, Oskar Potiorek. Er überschätzte sich selbst und seine Truppen völlig. Ein militärischer "Spaziergang" hätte es werden sollen, ein rascher Sieg, die Bestätigung der eigenen Überlegenheit:
"Serbien muss sterbien!" Drei blutige Offensiven endeten zu Weihnachten 1914 im blamablen militärischen Fiasko für Potiorek und die Monarchie. Potioreks Fehler führten zu schweren Verlusten der k. u. k. Truppen. Gleichzeitig kam es zu schweren Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten.

Heute ist der Beginn des Ersten Weltkriegs an der Serbien-Front beinahe vergessen - überlagert von der Erinnerung an die West-Front, die Dolomiten-Front und die Galizien-Front. 1918, vier Jahre später, hatte die serbische Befreiungsbewegung ihr Ziel erreicht, ein großes, geeintes Jugoslawien; die Habsburg-Monarchie war zerfallen, Österreich vom Großreich zum Kleinstaat reduziert, die politische Landschaft Europas völlig verändert. Und die Urkatastrophe zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte 17 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Die Dokumentation ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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