AK: Wien wächst und muss jetzt dafür die Weichen stellen

Zwei Millionen WienerInnen bis 2035. AK-Debatte um Chancen und Herausforderungen beim Wohnbau, am Arbeitsmarkt, für Verkehrsplanung und Schulen

Wien (OTS) - "Wien soll alle in die Zukunft mitnehmen, egal ob hier geboren oder anderswo, unabhängig ob die Eltern viel oder wenig haben", sagt AK Bereichsleiterin Melitta Aschauer-Nagl. Denn Wien wächst seit Jahren. Bis zum Jahr 2035 wird die Stadt über zwei Millionen EinwohnerInnen haben. Hierfür muss die Stadt jetzt die Weichen stellen, beim Wohnbau, am Arbeitsmarkt, in der Verkehrsplanung und in den Schulen. "Bisher wurde viel über die Überalterung der Stadt diskutiert. Jetzt sehen wir: Die Stadt wächst sich jung", sagt der AK Abteilungsleiter für Kommunalpolitik Thomas Ritt: Die Neu-WienerInnen kommen vor allem aus den EU-Nachbarländern und aus den Bundesländern. Es werden viele junge und viele gut qualifizierte Menschen nach Wien kommen. Die Zahl der Kinder unter 14 wird bis 2035 um 24 Prozent steigen, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um 8 Prozent. "Darin liegt eine Chance für alle, wenn die Stadt auf diesen Boom vorbereitet ist", so Ritt. "Die Debatte, wie die Stadt das am besten macht und finanziert, muss jetzt intensiv geführt werden", so Ritt. "Dann kann der Wien-Boom eine Chance für alle Wienerinnen und Wiener sein. Für die, die schon in Wien leben und für die, die kommen werden."

Wohnen
Wenn pro Jahr im Schnitt 15.000 neue WienerInnen dazu kommen und gleichzeitig der Trend zum Single-Haushalt weiter geht, braucht es mehr bezahlbaren Wohnraum in Wien. Die AK schätzt den Bedarf auf 10.000 neue Wohnungen pro Jahr, davon 8.000 geförderte. Derzeit werden etwa 6.400 geförderte Wohnungen gebaut. Die AK fordert mehr geförderten Wohnbau. Die derzeit in Wien diskutierte neue Bauordnung sieht die Widmungskategorie "förderbarer Wohnbau" vor. "Die muss verschärft werden. Es muss sichergestellt werden, dass förderbarer Wohnbau auch wirklich am Ende zu bezahlbaren Wohnungen führt. Das sehen wir im aktuellen Vorschlag noch nicht", so Ritt. Weiters setzt sich die AK nach wie vor für Verbesserungen im Mietrecht und schärfere Mietobergrenzen ein.

Verkehr
Nicht nur Wien wächst, auch der sogenannte Speckgürtel um die Stadt zieht immer mehr Menschen an. Darauf muss sich die Verkehrsplanung einrichten: Wien braucht einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Aber nur der Ausbau von Bus, Bim und U-Bahn wird nicht reichen. "Eine bessere Integration aller Verkehrsmittel und der Ausbau der S-Bahn innerhalb der Stadt und der Ausbau des S-Bahn-Verkehrs in die Region wären ein relativ kostengünstiger Weg, der viel zu wenig in Betracht gezogen wird", so Ritt.

Schulen
Die Zahl der SchülerInnen in den Pflichtschulen wird bis zum Schuljahr 2030/31 auf 247.000 steigen. Im Schuljahr 2012/2013 waren es noch 225.000. Für diese Kinder muss es nicht nur ausreichend Schulplätze geben: "Etwa jedes zweite Kind wird Deutsch nicht als Muttersprache haben. Für sie braucht es ausreichend Förderung in Deutsch, aber auch in der Muttersprache", sagt die Leiterin der AK Bildungspolitik, Gabriele Schmid. "Insgesamt muss für die Förderung sozial benachteiligter Kinder mehr getan werden, etwa mit einer besonderen Förderung für Schulen, die viele sozial benachteiligte Kinder betreuen."

Arbeit
Die Zahl der Arbeitssuchenden in Wien steigt seit Jahren, es gibt immer weniger Industrie-Arbeitsplätze, demgegenüber steigt die Zahl der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Wenn mehr Menschen nach Wien kommen, muss mehr Beschäftigung geschaffen und ermöglicht werden.

Die AK sieht hier vor allem Beschäftigungsmöglichkeiten in der Kinderbetreuung, der Bildung und der Pflege. Ein Großteil der Neu-WienerInnen bringt gute Qualifikationen mit. Die schon verbesserten Anstrengungen zur Erleichterung der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und Fertigkeiten müssen weiter ausgebaut werden.

Investitionen schaffen Jobs: Wenn etwa 1 Milliarde in öffentliche Investitionen wie Wohnbau oder Verkehrsinfrastruktur gesteckt wird, schafft das 6.000 bis 10.000 Jobs.
Außerdem braucht es in den nächsten Jahren stärkere Anstrengungen zur Arbeitsmarktintegration von gering Qualifizierten.

Finanzierung
Wie alle wachsenden Städte in Europa wird Wien investieren müssen, um diese Herausforderungen gut zu bewältigen. Doch in den vergangenen 10 Jahren haben die Städte und Gemeinden in Österreich ihre Ausgaben für Investitionen laufend heruntergefahren. "Bei der Finanzierung von wachsenden Städten müssen wir andere Wege gehen", sagt AK Wirtschaftsexperte Tobias Schweitzer. Er schlägt eine Lockerung der Sparzwänge für wachsende Städte und Gemeinden vor: Sie sollen ihre Investitionen nicht mehr zur Gänze in die vom Stabilitätspakt festgelegte Verschuldungsgrenze einrechnen müssen.
Außerdem müsse man die Einnahmen von Städten und Gemeinden verbessern. "Ein Weg könnten höhere Grundsteuereinnahmen über eine Anpassung der Grundsteuer an die Wertsteigerungen der Grundstücke sein", so Schweitzer. Das wäre eine Aufgabe des Bundes. Dabei müsste aber rechtlich klargestellt werden, dass Grundsteuern nicht über die Betriebskosten auf die MieterInnen überwälzt werden können.

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