Gekündigt, weil sie Auszahlung von Überstunden verlangten: AK erreichte 15.000 Euro Nachzahlung für drei Fassadenarbeiter

Linz (OTS) - Weil sie die Auszahlung der zahlreich geleisteten Überstunden verlangten, wurden drei Fassadenarbeiter aus Linz von einer Welser Baufirma kurzerhand gekündigt. Damit nicht genug: Bei der Gebietskrankenkasse gab die Firma eine rückdatierte "einvernehmliche Auflösung" an. Mit Hilfe der Arbeiterkammer Oberösterreich bekamen die drei Männer jetzt je 5000 Euro nachgezahlt.

Die drei Arbeitnehmer hatten bereits drei Monate lang bei der Firma gearbeitet, als sie endlich die Auszahlung der geleisteten Überstunden einforderten. Daraufhin wurde ihnen mitgeteilt, dass sie nicht mehr zu arbeiten brauchten. Das Firmenauto und das Werkzeug müssten sie sofort zurückgeben. Eine klare fristwidrige Arbeitgeberkündigung ohne Einhaltung der Kündigungsfrist also. Dennoch wurden sie mit dem Vermerk "einvernehmliche Auflösung" abgemeldet. Die Auflösung war zudem rückdatiert.

Das wollten die drei nicht auf sich sitzen lassen, also wandten sie sich an die Arbeiterkammer. Da keine lückenlosen Arbeitszeitaufzeichnungen vorhanden waren, musste ein Sachverständiger die Baustellen besichtigen und anhand der angegebenen Tätigkeiten die dafür notwendige Arbeitszeit errechnen. Anhand dieses Sachverständigengutachtens wurden den drei Arbeitern vor Gericht 76 Prozent der geltend gemachten Überstunden zuerkannt. Auch betreffend die einwöchige Kündigungsentschädigung, die sich aus der rückdatierten und fristwidrigen Auflösungserklärung ergab, wurde zu ihren Gunsten entschieden.

Der Arbeitgeber legte Berufung ein, blitzte jedoch beim Oberlandesgericht ab: Dieses bestätigte die Entscheidung des Erstgerichts vollinhaltlich. Nach eineinhalb Jahren bekommen die Arbeiter endlich, was ihnen zusteht.

Laut AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist die Vorgehensweise der Baufirma kein Einzelfall: "Aus der Beratungspraxis wissen wir, dass Firmen immer wieder falsche Auflösungsgründe angeben und ihre Beschäftigten rechtswidrig rückwirkend abmelden."

Kalliauer rät allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, selbst genaue Aufzeichnungen über ihre Tätigkeiten und über ihre Arbeitszeit zu führen: "So sind sie nicht auf Sachverständigengutachten angewiesen, die den Prozess verteuern und verzögern." Im Fall der drei Arbeiter hat der Sachverständige zwar gut drei Viertel der angegebenen Überstunden bestätigt. Mit lückenlosen Aufzeichnungen wären die Männer aber sicherlich schneller und ganz ohne Verluste zu ihrem Recht gekommen.

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