FCG - Gemeindebedienstete: Stammen Statistik-Kompetenzen des Herrn Urschitz vom Mars?

Wien (OTS) - Im Leitartikel der heutigen Ausgabe der Tageszeitung "Die Presse" präsentierte Herr Josef Urschitz wieder einmal "nackte Zahlen der Statistiker" zu den Frühpensionierungen, Krankenstandstagen und Schwerarbeitern der Wiener Gemeindebediensteten im Vergleich zu ASVG-Versicherten und Bundesbeamt/innen.

Herr Urschitz rechnet vor, dass mehr als die Hälfte der pragmatisierten Wiener Gemeindebediensteten aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen, während es bei ASVG-Versicherten nur jeder Fünfte nicht bis zur regulären Pension schafft. Unerwähnt lässt er aber ganz wesentliche Unterschiede wie z. B. den hohen Frauenanteil der Pragmatisierten, die in Schwerarbeitsberufen wie der Krankenpflege arbeiten und die keine Möglichkeit haben, ein im Vergleich zu Männern früheres Antrittsalter in Anspruch zu nehmen. Wenn sich also Frauen in der Privatwirtschaft beispielsweise mit 57 Jahren auf Basis einer gesetzlichen Grundlage in die Langzeitversicherungspension verabschieden dürfen, können pragmatisierte Frauen in der Gemeinde Wien mit dem selben Alter nur krankheitshalber in den Ruhestand übertreten - was in diesem Alter und nach jahrzehntelanger schwerer Arbeit am Krankenbett leider recht häufig vorkommt.

Ähnlich sieht es mit seiner Gegenüberstellung der Krankenstandszahlen aus. Hier übergeht Herr Urschitz Unterschiede wie z. B. den deutlich größeren Anteil an Beschäftigten, die ihren Job an allen sieben Tagen der Woche ausüben müssen. Spitäler, Pflegewohnhäuser, Feuerwehr etc. braucht man eben nicht nur an fünf Tagen der Woche. Alleine schon dieser Unterschied bewirkt gravierende Verzerrungen der Statistik, wenn man ihn nicht seriös herausrechnet. Nachvollziehbar sollte auch sein, dass etwa Pflegepersonen, Ärzt/innen oder Feuerwehrmänner anders "gesund" sein müssen, als Verkäufer/innen oder Handwerker. Eine leichtere Erkältung mag für einen Mechaniker verschmerzbar sein, wenn sie allerdings mit einer Erkältung ein Atemschutzgerät tragen müssen, um jemanden aus einer brennenden Wohnung zu retten, dann wird der Unterschied sehr deutlich spürbar - und dies nicht nur für den Feuerwehrmann.

Die "nackten Zahlen" mit denen Herr Urschitz agiert, haben in etwa die Qualität einer statistischen Aussage, wonach in Krankenhäusern bei gleicher Anzahl von belegten Betten mehr Menschen sterben, als in Hotels. Dieses Faktum ist wohl unvermeidbar, kann selbstverständlich aus dem Kontext heraus erklärt werden und wird inhaltlich niemanden verwundern. Herr Urschitz würde aber wahrscheinlich die "nackten Zahlen" gegenüber stellen und Skandal schreien.

Herr Urschitz stellt dann in seinem Leitartikel noch die Überlegung an, wie wohl ein Besucher vom Mars diese "nackten Zahlen" interpretieren würde. Die beiden dem Besucher zugedachten Diagnosen "Pragmatisierung macht krank." und "Bei der Gemeinde Wien, der Bahn und der Post müssen unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen." bezeichnet Herr Urschitz selbst als zynisch und ungerecht. Am Ende seines Beitrages relativiert er diese Relativierung aber gleich wieder, indem er wegen des vielleicht doch vorliegenden Missbrauchs Arbeitsinspektorat oder gleich den Staatsanwalt schicken will.

In diesem Zusammenhang reifte dann aber bei mir die Überlegung, ob nicht Herr Urschitz selbst vom Mars kommt. Wie könnte man sich sonst erklären, dass der schottische Schriftsteller Andrew Lang, der vor mehr als 100 Jahren gestorben ist, Herrn Urschitz gekannt haben muss. Lang schrieb offensichtlich schon damals über Herrn Urschitz: "Er gebraucht Statistiken so wie ein Betrunkener einen Laternenpfahl: vor allem zur Stütze seines Standpunktes und weniger zum Beleuchten eines Sachverhaltes."

Rückfragen & Kontakt:

Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
Vorsitzender
Fraktion Christlicher Gewerkschafter/innen
in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe - Wien
1090 Wien, Maria Theresien Strasse 11
Homepage: www.fcg-gdg-kmsfb.at
Tel.: (01) 31316 - 83682, Handy: 0676 70 68 511

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0005