PAPST FRANZISKUS, wir bitten Dich, erhöre uns!

Langenzersdorf (OTS) - Wir hatten Eurer Heiligkeit nachfolgenden Brief am 17. Juni und 14. Oktober 2013 übermittelt (die Rückscheinbestätigen mit dem Vatikan-Stempel des Kardinalstaatssekretariats liegen bei), als auch am 16. Februar 2014 per E-Mail an die Vatikan-Posteingangsstelle versendet. Bedauerlicherweise haben wir darauf keine Antwort erhalten.

Sua Santità Francesco
Sommo Pontefice
V-00120 Città del Vaticano

Langenzersdorf, am 17. Juni 2013

Eure Heiligkeit!

Wir möchten uns mit diesen Zeilen an Eure Heiligkeit wenden, da wir keine andere Möglichkeit mehr sehen, unsere Probleme mit dem Stift Klosterneuburg zu lösen!

Wir vertreten die Interessen der Bestandnehmerinnen und Bestandnehmer des Stifts Klosterneuburg (in Langenzersdorf ca. 1.100 Wohnhäuser auf Pachtgründen - entspricht ca. einem Drittel der Bevölkerung), welche vor vielen Jahren im guten Glauben an das Wort der Kirche einen Pachtvertrag mit dem Stift Klosterneuburg unterschrieben haben. Dies allerdings unter der Bedingung, dass sie später - nach langer Pachtzeit bzw. bei Pensionsantritt - das Grundstück, auf dem sie ihr Wohnhaus gebaut haben, zu günstigen Konditionen, auch unter Berücksichtigung der bis dahin bezahlten Pachtzinse, kaufen können. Die damaligen Gesprächspartner haben diese Zusagen mündlich getätigt. Heute bestreiten die Vertreter des Stifts, diese Zusagen jemals gemacht zu haben (bzw. dass deren Vorgänger diese gemacht hätten), obwohl es noch viele lebende Zeugen gibt, die dies bestätigen können! Diese Vorgehensweise wurde so bis ca. 1995 gehandhabt, wie das Grundbuch es auch beweist (es wurden allein in Langenzersdorf ca. 500 Grundstücke an Pächter verkauft). Mit dem Antritt des gegenwärtigen Abtes, Bernhard Backovsky (der auch Mitglied im Aufsichtsrat der Vienna Insurance Group ist - einem Versicherungskonzern mit ca. 24.000 Mitarbeitern), kam es zu einem radikalen Kurswechsel. Mit Kapitelbeschluss wurde entschieden, dass keine Grundstücke mehr verkauft werden dürfen. Zusätzlich wurde in den letzten Jahren verfügt, dass Neupächter einen vielfach höheren Pachtzins zu bezahlen hätten, wenn ein Pächter sein Haus verkaufen wollte. Dass dies nur möglich ist, wenn man sein Haus weit unter seinem Wert verkauft, haben bereits viele Pächter am eigenen Leib verspürt. Nur wenige können es sich gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten leisten, einen hohen Pachtzins zu bezahlen und ein Haus zum Marktwert zu kaufen! So hat das Stift nachweislich zum Beispiel innerhalb von sechs Jahren (2007/2013) den Pachtzins von jährlich EUR 272,00 auf EUR 3.000,00 bei Übertragung auf den Enkel der verstorbenen Pächterin vorgeschrieben! Die Argumente der Stiftsherren lauten, dass auch die Marktpreise gestiegen wären und man diesem Umstand Rechnung tragen müsse! Das Stift hätte auch seinem pastoralen, sozialen und kulturellen Auftrag nachzukommen!

Die Historie unserer Pachtgründe:

Um 1114 schenkte der österreichische Markgraf Leopold III. dem Stift Klosterneuburg große Landflächen entlang der Donau westlich und östlich von Wien. Es handelte sich damals um nutz- und wertloses Augebiet. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte das Stift diese Grundstücke den kriegsgeschädigten und verarmten Wienern zur Verfügung, um darauf Gartenhäuschen zu errichten und Obst und Gemüse anzubauen. Dazu mussten diese Menschen zuerst den Auwald roden, und die zahlreichen Wassergräben und Sümpfe zuschütten. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg - das Stift Klosterneuburg war während des Krieges durch die neuen Machthaber enteignet worden - konnten viele Pächter nach Rückstellung der Gründe an das Stift diese billig kaufen. Immer wieder kam es durch die Hochwasser führende Donau zu starken Überschwemmungen der Gebiete. Erst als die Donau Anfang der 90er-Jahre zum zweiten Mal aus Mitteln der öffentlichen Hand (Steuergelder) reguliert wurde, war die Hochwassergefahr für die Langenzersdorfer weitgehend gebannt. Die Gemeinde Langenzersdorf widmete von Anfang an große Ackerflächen, die dem Stift gehören, zu Bauland um und versorgte diese Gebiete mit Anschlüssen für Strom, Gas, Wasser, Kanal , Gehsteigen und Strassen. Diese Kosten mussten die Pächter anteilig an die Gemeinde bezahlen, sobald sie vom Stift ein Grundstück pachteten. Das Stift hatte nie irgendwelche Investitionen für diese Gründe zu tätigen. Selbst die Grundsteuer wurde und wird auf die Pächter abgewälzt. Es bestand seitens des Stifts ein Bauzwang zur Errichtung eines Wohnhauses innerhalb von zwei Jahren ab Übernahme.

Da es nicht möglich ist, mit den Vertretern des Stifts Klosterneuburg eine Lösung zu finden, damit jene Pächter (es sind aktuell noch ca. 40 - 50 Pächter) das Grundstück kaufen können, bitten wir Eure Heiligkeit um Hilfe! Wir wissen, dass Eure Heiligkeit die einzige Hoffnung sind, auf den Abt des Stiftes Klosterneuburg in dieser Angelegenheit Einfluss zu nehmen.

Wir vertrauen auf Eure Worte bei der Amtseinführung, wonach Ihr -wie Franz von Assisi - eine arme Kirche ohne Grundbesitz haben wollt! Auch, dass Karrieristen in der Kirche keinen Platz haben und Diebe und Banditen das Christentum bedrohen würden und Religion kein Geschäft sei, wie in der Presse zu lesen war!

Das erinnert uns an Matthäus 21,12 (Tempelreinigung): "Jesus ging in den Tempel und trieb alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und sagte: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle."

Eure Heiligkeit, wir danken Euch für Eure Hilfe und sehen Eurer geschätzten Meinung zu den geschilderten Vorkommnissen entgegen!

Hochachtungsvoll

Pächterverein Langenzersdorf Elisabeth Weidenthaler Gert Teply Obfrau Obfrau-Stellvertreter

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Elisabeth Weidenthaler
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