Milchwirtschaft: Stabile Entwicklung und große Nachfrage

Gute Bilanz der österreichischen Milchwirtschaft 2013 - die Branche konnte vor allem mit hoher Exportquote und Top-Qualität punkten

Wien (OTS/PWK249) - Die österreichische Milchwirtschaft ist ein spannender Markt: Die Auf- und Abwärtsbewegungen der vergangenen Jahre waren auch 2013 spürbar. "Nach zunächst Preisrückgängen in den ersten Monaten folgte ab dem zweiten Halbjahr 2013 eine deutliche Entwicklung der Milchpreise nach oben. Generell können wir europaweit und in Österreich für das gesamte Jahr von einer stabilen Entwicklung sprechen. Markant war die enorm hohe internationale Nachfrage und hier vor allem in China und Russland", fasste Helmut Petschar, Kärntnermilch-Geschäftsführer und Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), die aktuellen Trends bei der Jahrespressekonferenz der Milchwirtschaft zusammen.

Gute Performance
Zu der guten internationalen Nachfrage kam eine begrenzte Verfügbarkeit von Milchmengen in wichtigen Exportländern. Das führte zu einer deutlichen Dynamik auf den Weltmärkten, die in Europa und Österreich für stabile Verhältnisse am Markt sorgte. Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter sind im Jahr 2013 mit ca. 2,33 Mrd. Euro Umsatz gestiegen (+ 5,9 %). Dies resultierte aus höheren Verwertungsbeträgen bei Milchprodukten (+ 7,6 %) bei einer um 1 Prozent geringeren Milchmenge (2,93 Mio. t). Als Wermutstropfen bezeichnete Petschar hingegen das Ergebnis beim Gewinn: Das bereinigte EGT bezogen auf den Umsatz der österreichischen Molkereien lag im Vorjahr durchschnittlich bei 0,8 Prozent. "Das ist mit einem Plus von 0,3 Prozent nur eine sehr bescheidene Entwicklung".

Kleinstrukturiertes Milchland
Österreich ist ein sehr kleinstrukturiertes Milchland: Im Durchschnitt kommen 15,9 Milchkühe auf einen Bauernhof, 2012 waren es 15,2 Milchkühe (- 3 %). Insgesamt lieferten zuletzt 33.300 Milchbauern ihre Milch, das sind rund 1.000 weniger als im Jahr 2012. Die durchschnittliche Milchanlieferung lag um 2 Prozent höher und betrug 88,1 Tonnen (2012: 86,4 t). Bei der täglichen Milchanlieferung wurde nach anfänglichen Mengenrückgängen über die gesamte Periode (April 2013 bis März 2014) ein Plus von 0,6 Prozent erzielt. "Die größte Mengensteigerung gab es in den ersten Monaten des Jahres 2014. Hier lag die Steigerung im Schnitt bei 5,1 Prozent, in manchen Bundesländern mit rund 9 Prozent sogar deutlich darüber", so der VÖM-Präsident.

Die Erzeugerpreise sind 2013 um 10,8 Prozent gestiegen - von 37,96 Cent auf 42,06 Cent. Gegen Ende 2013 erreichten die Milchpreise in Österreich einen Höchstwert seit dem EU-Beitritt vor 20 Jahren und liegen hierzulande leicht über dem EU-Durchschnitt.

Hohe Qualitätsanforderungen
Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der österreichischen Molkereien an die Bauern konnte von 32.780 auf 37.054 Euro um 13 Prozent erhöht werden, wobei diese Steigerung sowohl von den höheren Preisen als auch von der höheren Anlieferung je Betrieb resultiert. Petschar: "Diese Entwicklung ist für die bäuerliche Einkommensabsicherung höchst notwendig. Immerhin müssen auch höhere Qualitätsanforderungen wie Gentechnikfreiheit, höhere Umwelt- und Tierschutzstandards, Produktion in Berggebieten sowie gestiegene Kosten im Futtermittelbereich gedeckt werden."

Preiswerte Produkte
Der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich liegt für Milch bei 80 Liter, für Käse bei 21 Kilogramm und für Butter bei 5 Kilogramm. 2013 war auf dem österreichischen Markt eine differenzierte Entwicklung beim Milchabsatz feststellbar: Während die weiße Palette (Trinkmilch) mit 1,2 Prozent und die bunte Palette (Joghurts und Desserts) mit 4,3 Prozent rückläufige Mengen zu verzeichnen hatten, konnte im Bereich Käse ein Plus von 3 Prozent erreicht werden. Insgesamt entwickelten sich die wertmäßigen Umsätze der Milchprodukte mit plus 3,5 Prozent positiv (Quelle: RollAMA).

"Trotz einiger Preisanpassungen im abgelaufenen Jahr sind die österreichischen Milchprodukte immer noch sehr günstig, äußerst preiswert und ernährungsphysiologisch sehr wertvoll. Wichtige Milchprodukte liegen nach wie vor nominell unter den Preisen vor 20 Jahren", betont Petschar. Punkten können sie vor allem mit Top-Qualität. Dazu zählen die flächendeckende Gentechnikfreiheit in der Milchproduktion, die Herkunftskennzeichnung bei Verwendung des AMA-Gütezeichens, regionale Produkte und eine Produktion unter hohen Umwelt- und Tierschutzauflagen. Zudem stammen über 70 Prozent der heimischen Produkte aus Berggebieten - das ist der höchste Wert in Europa. Und Österreich hat mit 15 Prozent auch den höchsten Biomilchanteil der EU.

Käse als Exportschlager
Groß ist die Beliebtheit und Wertschätzung der heimischen Produkte aber ebenso im Ausland. 48,3 Prozent der Milchprodukte werden exportiert - am beliebtesten ist Käse - und 28,4 Prozent importiert. Im Außenhandel konnte Österreich im Jahr 2013 einen neuen Rekord verbuchen: Milchprodukte im Wert von 1,126 Mrd. Euro (+ 8,1 %) sowie Importe im Ausmaß von 663 Mio. Euro (+ 7,6 %) ergaben ein positives Außenhandelssaldo von 463 Mio. Euro (+ 8,7 %). Mit diesen Werten wurden historische Höchststände erreicht.

Wichtigste Abnehmer für österreichische Milchprodukte im Ausland sind nach wie vor Deutschland (45,6 %) und Italien (23 %), aber auch die Erweiterungsländer der EU - vor allem Slowenien und Ungarn mit 7,7 Prozent der Gesamtexporte. Außerdem gehen derzeit rund 10 Prozent der österreichischen Exporte in Drittländer. Die wichtigsten Exportländer sind die Schweiz, Libyen, Russland und China. Insgesamt wird in 110 Länder der Erde exportiert.

Bis 15 Prozent mehr Milch
Und wie geht es weiter? Trotz zwischenzeitlicher Preiskorrekturen vor allem im Fettbereich gehen die meisten Prognosen für das heurige Jahr von einer grundsätzlich stabilen Entwicklung aus. Interessanteste Abnehmerländer am Weltmarkt sind vor allem China und Russland, beide mit ungebremstem Bedarf.

2014/15 wird das letzte Jahr der EU-Milchquoten sein. "Wenn diese mit Ende März 2015 ausläuft, erwarten wir in Europa, aber auch in Österreich eine steigende Milchproduktion - für Österreich im Ausmaß zwischen 10 bis 15 Prozent im Laufe der nächsten 10 Jahre", erklärt VÖM-Präsident Petschar.

Die österreichische Milchwirtschaft sieht sich gemäß ihrer Zukunftsstrategie dabei als Qualitätsproduzent. Petschar abschließend: "Österreich hat hervorragende Voraussetzungen für die Produktion höchster Qualität. Sie hat gerade in den letzten Jahren im Bereich Bio-Produkte, im Bereich regionale Produkte, Heumilch oder Wiesenmilch hervorragende neue Qualitätsprodukte hervorgebracht. Diese gilt es entsprechend weiter zu entwickeln und vor allem auch im Ausland stärker zu platzieren. Wir erwarten uns für diese Qualitätsstrategie auch Unterstützung seitens der Agrarpolitik, von der AMA-Marketing GmbH und durch den Lebensmitteleinzelhandel." (KR)

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Mag. DI Johann Költringer
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