TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Mittwoch, 9. April 2014, von Wolfgang Sablatnig: "Nur ein Schritt zum blauen Wandel"

Innsbruck (OTS) - Heinz-Christian Strache musste Mölzer von der EU-Wahl abziehen, um Schaden vom Wahlkampf seiner Partei abzuwenden. Dass der Rückzieher mehr als nur Taktik war, ist aber noch lange nicht bewiesen.

Andreas Mölzer beleidigt unsere Intelligenz. Er habe doch "nichts Unredliches getan", beteuert er - abgesehen von der "politisch nicht korrekten Formulierung nonkonformistischer Meinungen", aber daran findet er ja nichts. Im Gegenteil. Genau das war die Taktik des Rechtsintellektuellen, an der Grenze des Erträglichen dahinzuschrammen, zu provozieren, aufzuregen und dann das Unschuldslamm zu mimen, das ja nur vom Recht der freien Meinung Gebrauch macht. Und wäre nicht bald EU-Wahl, wäre Mölzer damit wieder durchgekommen. Und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, der sich jetzt distanziert, hätte wohl mit ihm in die Klage über die "geheuchelte Empörung des Establishments der Republik" eingestimmt.
Andreas Mölzer weiß genau, wie er seine Worte setzen muss - ihm das abzusprechen, hieße, seine Intelligenz zu beleidigen. Er weiß daher genau, warum seine politische Karriere zu Ende ist. Das "Negerkonglomerat" mag am Stammtisch noch seinen Platz haben, traurig genug. Bei einer öffentlichen Veranstaltung ist es aber ein gezieltes Signal. "Schaut her, ich trau mich das noch", wollte er sagen. Und der Vergleich mit dem Dritten Reich: Schon Jörg Haider hat sich einst mit der "Beschäftigungspolitik" kurzfristig selbst ins Out gestellt. Denn auch wenn die Sprachpolizei manchmal über das Ziel schießt, sind die Grenzen des Erlaubten aus gutem Grund enger gezogen geworden. Sprache hat eben immer mit Wert- und Abschätzung zu tun.
Mölzers Bedauern über den Vertrauensverlust der FPÖ hingegen ist ernst gemeint. Der nationale Flügel war es, der den Aufstand gegen Haiders Regierungsbeteiligung angeführt und so Straches Aufstieg erst möglich gemacht hat. Vor zehn Jahren war dieser Aufstand sogar noch personalisiert in der Person Mölzer, der bei der damaligen EU-Wahl mit einer Vorzugsstimmenkampagne den offiziellen Parteikandidaten ausgebootet hat.
Und jetzt plötzlich soll mit Mölzer ein Exponent dieses Flügels zum Unberührbaren werden? Strache musste diesen Schritt setzen, will er auch in der politischen Mitte Wähler ansprechen.
Dass der FPÖ-Chef aber erst reagiert hat, als bekannt wurde, dass in Mölzers Zeitung gegen David Alaba und damit gegen einen beliebten Promi gehetzt wurde - damit beleidigt auch Strache unsere Intelligenz. Eine echte Distanzierung vom rechten Rand braucht mehr als einen geschassten Mölzer.

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