Brunner: Borealis verstrickt sich immer mehr in Widersprüche

Für Grüne bleibt Umweltskandal ungeklärt

Wien (OTS) - "Für die Grünen ist der Donau-Umweltskandal nach den gestrigen Aussagen der Firma Borealis bei weitem nicht geklärt. Ganz im Gegenteil: Durch all die Widersprüche werden die Aussagen des Chemiekonzerns immer unglaubwürdiger", sagt Christiane Brunner, Umweltsprecherin der Grünen.

Widerspruch I - Einzelereignis oder regelmäßige Verluste? Ausgehend von einer Studie der Uni Wien, die in den Jahren 2010 und 2012 mehr Plastikteile als Fischlarven in der Donau feststellte, bestätigte die Borealis Polyolefine GmbH Probleme bei ihrem Betriebsstandort in Schwechat. In einem Statement der Firma vom 29. März 2014 heißt es dazu: "Die Ergebnisse dieser Studie haben gezeigt, dass u.a. auch Kunststoff-Rohstoffe vom Borealis Produktionsstandort Schwechat in der Donau gefunden wurden". Weiters wird darüber berichtet, dass "Schwachstellen identifiziert" wurden, "insbesondere ein Konstruktionsfehler der Abscheideanlage". Die Schwachstellen wurden daraufhin beseitigt, so das Statement. In einer weiteren Aussage, zwei Tage später, am 31.3.2014, war dann nicht mehr von Schwachstellen und Konstruktionsfehlern in der Kanalisation die Rede, sondern von einem "Jahrhundertregen", der Kunstoffpellets in die Schwechat gespült haben soll.

"Borealis hat regelmäßig Plastik verloren, das über die Schwechat in die Donau gespült wurde. Wir wissen auch von den Autoren der Studie, dass die von ihnen gefundenen Plastikmengen nicht nur auf ein Einzelereignis zurückgehen. Bei ihrer Hochrechnung, wonach jeden Tag 4,2 Tonnen Plastik über die Donau ins Schwarze Meer gespült werden, ist dieses Ereignis gar nicht einberechnet. Diese Rechnung wurde für normalen Wasserstand aufgestellt", erläutert Brunner.

In der Tageszeitung "Die Presse" wird Borealis-Vorstand Alfred Stern zitiert, wonach der Betrieb vor den Sanierungsarbeiten "gewisse Mengen" an Plastikrohstoffen verloren habe, die aber "unbedenklich" bzw. "lebensmittelecht" seien. "Herr Stern, diese Plastikrohstoffe sind nicht unbedenklich! Fische verwechseln diese Plastikteile und verhungern mit vollem Magen. Darüber hinaus ist es untragbar, wenn der Vorstand eines Chemiekonzerns die Einleitung von Plastik in einen Fluss auf diese Weise abtut. Ihr Plastik hat in der Donau und im Schwarzen Meer nichts verloren", kritisiert Brunner.

Widerspruch II - Verluste gehen gegen Null
Wie viel Plastik der Konzern vor den Sanierungsarbeiten jeden Tag in die Schwechat leitete, steht höchstwahrscheinlich in der Geheimstudie, die der Konzern bis heute unter Verschluss hält. "Ich begrüße die Ankündigung, den Bericht nun doch zu veröffentlichen. Ich appelliere allerdings, den gesamten Bericht, inklusive Fotomaterial, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und nicht nur ein paar ausgesuchte Passagen an das Umweltministerium zu schicken", fordert Brunner.
Aufklärung erwartet sich Brunner auch über die aktuelle Situation:
"Laut Medienberichten betrugen die täglichen Verluste nach dem Einbau einer neuen Abscheideanlage zwischen 0,12 und 0,66 Kilogramm. Das sind immer noch bis zu 240 Kilo pro Jahr", erläutert Brunner.

Widerspruch III - Verlust unter der Meldeschwelle?
Für Verwirrung sorgen auch widersprüchliche Aussagen von Seiten der Borealis in Bezug auf ihren Umgang mit dem Hochwasser am 6. Juli 2010. "Einmal wird uns gesagt, dass der Vorfall sofort den Behörden gemeldet wurde, dann heißt es, dass der Fall von einem Mitarbeiter des Nationalparks Donau-Auen gemeldet wurde und jetzt sagt uns die Borealis, dass der Fall gar nicht meldepflichtig gewesen sei, weil die verlorenen Mengen zu gering waren. Wenn Borealis vor ein paar Tagen nicht einmal sagen konnte, wie viel sie vor fast vier Jahren verloren haben, warum haben sie dann damals so genau gewusst, dass es so wenig ist, dass sie den Vorfall nicht melden müssen?", fragt Brunner.

Widerspruch IV - Giftige Chemikalien
Laut Nationalem Schadstoffregister PRTR meldete die Borealis im Jahr 2010 eine "versehentliche" "Direkteinleitung" von 1,200 kg/Jahr Di-(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP). Medienberichte zufolge hantiere das Unternehmen aber nicht mit dieser giftigen Chemikalie. "Wenn Borealis selbst die versehentliche Einleitung dieses Schadstoffes meldet, warum sagen sie dann, dass sie damit gar nicht hantieren?", fragt Brunner.

Ein Fall für die Staatsanwaltschaft
"Aus meiner Sicht gibt es hier viele Widersprüche und noch immer einen dringenden Tatverdacht auf zumindest fahrlässige Umweltbeeinträchtigung. Meine Sachverhaltsdarstellung wird mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft St.Pölten eingetroffen sein und ich bin schon sehr auf die Ermittlungsergebnisse gespannt", sagt Brunner.

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