Hilfswerk fordert Aktionsplan für mehr Medienkompetenz in Österreich

Präsident Othmar Karas: "Alle beteiligten Ministerien müssen zusammenarbeiten!"

Wien (OTS) - "Die Medienkompetenz ist eine Schlüsselkompetenz der Gegenwart und erst recht der Zukunft", sagte Hilfswerk-Präsident Othmar Karas bei der Pressekonferenz des Hilfswerks, heute, Montag, in Wien. "Umso wichtiger ist es, dieses wichtige Thema ressortübergreifend ernst zu nehmen und bis zum Jahresende einen Aktionsplan zur Verbesserung vorzulegen!", fordert Karas.

Einige Studien belegen, dass die Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen in Österreich zwar sehr hoch ist, es aber doch einige alarmierende Hinweise gibt, dass die Medienkompetenz eher schwach ausgeprägt ist, zum Beispiel die Fähigkeit, richtig im Internet zu recherchieren und sich Wissen anzueignen.

"Bei den Eltern und Lehrern herrscht sehr große Verunsicherung", so Karas weiter. "Sie wissen zwar, dass die Medien einen großen Einfluss auf die Erziehung haben und wünschen sich mehr Kontrolle. Dennoch begleiten nur 13% ihre Kinder im Netz!", so Karas weiter.

Martina Genser-Medlitsch, klinische Psychologin und Psychologin des Hilfswerks, hat aber auch eine entlastende Botschaft parat:
"Eltern müssen sich nicht in einen Wettlauf um IT- und Medienkenntnisse mit ihren Kindern begeben - der ist nicht zu gewinnen", sagt Genser-Medlitsch. "Gute Erziehung folgt immer denselben Prinzipien. Erziehungsregeln sind unabhängig von Technologie und müssen nicht neu erfunden werden", so Genser-Medlitsch, die auch ein paar Tipps zur Medienerziehung gibt:
"Hausverstand einsetzen, "Bauchgefühl" ernst nehmen, realistische Regeln für die Mediennutzung vereinbaren, konsequent sein. Regeln, die "im echten Leben" gelten, gelten auch im Netz, zB Fairness, Diskretion, Respekt. Verbindung halten, Austausch pflegen, Interesse zeigen, auf Veränderungen ansprechen, Kinder nicht "abschirmen", sondern "fit machen", keine kontraproduktiven Verbote aussprechen, selbst Vorbild sein, also auch den eigenen Medienkonsum beobachten und hinterfragen!", so Genser-Medlitsch weiter.

Das Hilfswerk hat dazu auch einen "Medienkompass" herausgebracht, der gratis unter 0800 800 820 bestellt werden kann.

Das Hilfswerk geht aber nicht nur selbst mit gutem Vorbild voran -es wurden heuer bereits 900 Mitarbeiter/innen in Fortbildungsveranstaltungen für anleitendes und betreuendes Personal in "Medienkompetenz" geschult - sondern fordert auch von der Politik mehr Engagement und Unterstützung ein. Konkret wurden 8 Forderungen vorgestellt:

1) Verstärkte Berücksichtigung der Medienkompetenz in der Aus-/Fortbildung von Pädagoginnen/Pädagogen. Medienkompetenz lässt sich nicht in ein "Fach" oder an bestimmte Personen delegieren, sie muss umfassend "gelebt" werden!

2) Anerkennung von technischen Geräten als "pädagogisches Material",
Ausschöpfen und Nutzen des Potentials von Medien, die richtig eingesetzt sehr kindgerecht sind (Ansprache mehrerer Sinne, aktivierend, motivierend), sie fördern Skills und Medienkompetenz (bspw. Auge-Hand-Koordination).

3) Entlastung und Unterstützung der Schulen durch Förderungen von flankierenden Maßnahmen. Dazu zählen psychosoziale Angebote, Schulsozialarbeit (auch an Bundesschulen!), Schulpsychologie/Schulberatung (durch "neutrale" Träger außerhalb des Systems)

4) Förderung von Angeboten und Stellen im Bereich Clearing, Coaching, Beratung, Mediation, wenn die Schulgemeinschaft an ihre Grenzen stößt (bspw. bei Cyber-Mobbing)

5) Unterstützung von Programmen zur Förderung der Medienkompetenz in der offenen Jugendarbeit, zur Vermeidung von Sucht, Umgang mit Konflikten, Einschätzung von Risiken

6) Mehr niederschwellig angesiedelte Beratungsangebote für Eltern und Erziehende, direkt an Schulen und Betreuungseinrichtungen gekoppelt

7) Unterstützung von Familien mit Problemlagen durch "individuelle, mobile" Erziehungsberatung. Ein gezielter Ansatz direkt im System vor Ort ist fallweise effizienter und effektiver als Angebote in Einrichtungen

8) Positive Incentives für Unternehmen, die innovative und pädagogisch wertvolle Angebote entwickeln, die besondere Fairness im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zeigen (Selbstverpflichtung Inhalte, Werbung)

"Beim Thema Medienkompetenz besteht akuter Handlungsbedarf. Österreich darf dieses wichtige Thema nicht verschlafen! Alle beteiligten Ministerien müssen zusammenarbeiten und noch in diesem Jahr einen Aktionsplan erstellen", so Othmar Karas abschließend.

Die heutige Pressekonferenz war auch der Start zur Hilfswerk Jahresinitiative "Kinder fördern. Eltern helfen." Partner sind s Versicherung, s Bausparkasse, Erste Bank und Sparkassen, sowie Neuroth. Partner des Hilfswerk Fachschwerpunktes "Neue Zeiten. Neue Fragen. Die Hilfswerk Initiative rund um Kinder, Eltern und Medien." sind Wiener Städtische und Jako-o.

Alle Unterlagen zur Pressekonferenz stehen unter www.hilfswerk.at zum Download bereit

Rückfragen & Kontakt:

Hilfswerk Österreich, Bundesgeschäftsstelle
Mag. Harald Blümel
Tel.: 01 / 40442 - 12, Mobil: 0676 / 8787 60203
harald.bluemel@hilfswerk.at
www.hilfswerk.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HLW0001