"Kulturmontag": Start von "Hotel Europa" und Besuch bei Ai Weiwei in Peking

Zudem Doku-Spurensuche nach der Identität Südtirols im Gedenkjahr "100 Jahre Erster Weltkrieg"

Wien (OTS) - Der Start der siebenteiligen Gesprächsreihe "Hotel Europa" anlässlich der bevorstehenden EU-Wahl, eine einfühlsame Doku-Spurensuche nach der Identität Südtirols im Gedenkjahr "100 Jahre Erster Weltkrieg" und ein Besuch bei Chinas Kunst-Superstar Ai Weiwei anlässlich der großen Ausstellung in Wien. Dies und noch mehr interessante Themen wie z. B. den teils schonungslosen Umgang mit denkmalgeschützten Häusern in den ehemaligen Winzerdörfern wie Grinzing, Nussdorf oder Neustift am Rande Wiens präsentiert Martin Traxl im "Kulturmontag" am 31. März um 22.30 Uhr in ORF 2.

Schutzlos-Zonen: Einstürzende Altbauten - Wiens historische Winzerdörfer werden zubetoniert

Wien darf stolz sein: auf sein kulturelles Erbe, auf seine Architektur aus allen Epochen und auf seinen dörflichen Charakter, der sich in den Grätzeln und Außenbezirken erhalten hat. Die ehemaligen Winzerdörfer wie Grinzing, Nussdorf oder Neustift sind Erholungsgebiet und touristischer Anziehungspunkt - und zusehends abbruchreif. In geschlossenen Ensembles klaffen immer mehr Baulücken, auf dass sie mit Appartementhäusern neu aufgefüllt werden. Auch in sogenannten Schutzzonen droht immer öfter die Abrissbirne. Der Terminus "technische Abbruchreife" ist das Menetekel für alle, die an romantischen Vorstellungen von historisch gewachsenen Strukturen festhalten. Stellt die Baupolizei fest, dass ein Objekt aus baulichen oder gesundheitlichen Gründen nicht erhalten werden kann, rollt der Bagger an. Die Eigentümer haben oft größtes Interesse, dass alte Substanz zu "Bruchbuden" oder "Schandflecken" verkommt. Zu lukrativ sind derzeit Immobiliengeschäfte in den noblen Grünbezirken Wiens. Jüngst wurde wieder in Nussdorf ein altes Winzerhaus abgerissen. Weinhauerorte wie Grinzing mutieren zu potemkinschen Dörfern: Die Fassaden bleiben bestehen, dahinter wird die Kubatur "maximal ausgenützt" und hineingeklotzt. Der "Kulturmontag" über abbruchreife, wiewohl denkmalgeschützte Häuser und schutzlose Schutzzonen. Live zu Gast im Studio ist die Präsidentin des Bundesdenkmalamts, Barbara Neubauer.

Polit-Show: Ai Weiwei stellt in Berlin aus - Doch Chinas Kunst-Superstar darf nicht anreisen

Aufmerksamkeit ist ihm sicher: Die internationale, wenn die bisher größte Ausstellung, die er für Deutschland konzipiert hat, im Berliner Martin-Gropius-Bau eröffnet wird - schließlich ist Ai Weiwei der bekannteste Chinese der Welt. Und er hat die Aufmerksamkeit unzähliger Überwachungskameras, die um sein Atelier herum positioniert sind. Ai Weiwei ist mit Sicherheit der am meisten gefürchtete Regimegegner der chinesischen Machthaber. "Evidence" heißt die Mammutschau, doch nicht alles ist evident, was Ai Weiwei damit über sein Land zum Ausdruck bringen will. Rätselhaft sind Tausende Porzellankrabben, die er drapieren lässt. Eindeutig hingegen die Botschaft eines Raums im Raum: Im Format 1:1 hat Ai die Gefängniszelle rekonstruieren lassen, in der er drei Monate zubringen musste. Die Regierung hatte ihn vor drei Jahren entführt, lange blieb sein Aufenthalt ungewiss. Bei seiner Freilassung wurde Ai Weiwei der Pass abgenommen - so kann er auch nicht zu seiner eigenen Ausstellung anreisen. Der Künstler kommentiert dies mit Humor: "Dass ich an der Ausstellung nicht teilnehmen kann, ist ein Kunstwerk für sich. Es spiegelt die menschliche Verfassung wider." Der "Kulturmontag" hat Ai Weiwei in Peking besucht.

Gedanken-Gebäude: "Hotel Europa" - Neue Gesprächsreihe im Vorfeld der EU-Wahl

Europa ist ein gigantisches Friedensprojekt - oder bloß ein Durchhaus für Lobbyisten? Europa schafft kulturelle Identität und Sicherheit -oder bloß eine Menge neuer bürokratischer Verordnungen? Europa ist mit so vielen Bedeutungen aufgeladen - aber auch mit Klischees behaftet -, dass es unablässig nötig ist, intensiv darüber nachzudenken. Bester Zeitpunkt dafür: im Vorfeld der Europawahl 2014 am 25. Mai. "Hotel Europa" ist eine siebenteilige Gesprächsreihe, die der "Kulturmontag" am 31. März startet. Künstler/innen und Intellektuelle geben Auskunft über ihr persönliches Europa-Bild, den Einfluss der EU in ihren Heimatländern und die Hoffnung, die sie im Hinblick auf Europa haben. Den Auftakt bestreitet Bestsellerautor Petros Markaris, der sich in seinen Romanen unablässig mit der Krise Griechenlands auseinandersetzt. Weiters u. a. im "Hotel Europa" zu Gast: Tahar Ben Jelloun, eine der wichtigsten Stimmen in der französischsprachigen Literatur; der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu und der österreichische Theatermacher Martin Kusej, seit 2011 Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels München.

Bis zur Wahl zum Europaparlament am 25. Mai bietet der ORF umfassende wie vielfältige Berichterstattung in allen ORF-Medien. Details dazu unter http://presse.ORF.at.

Kulturdoku: "Griaß di und Ciao. Südtirol auf Identitätssuche"

Einer der dramatischten Schauplätze des Ersten Weltkriegs waren die Südtiroler Dolomiten. In diesem Inferno aus Eis und Schnee ließen mehr als 150.000 Menschen ihr Leben. Im mörderischen Kampf Mann gegen Mann verflog die anfängliche Kriegseuphorie sehr rasch. Die Wunden von damals sind bis heute nicht verheilt. ORF-Journalistin Monica Ladurner, selbst familiär in Südtirol verwurzelt, hat sich auf einfühlsame Spurensuche begeben.

Die Kämpfe von damals wirken immer noch nach. Ein deutschsprachiges Land, das seit mehr als 500 Jahren zu Österreich gehört hatte, fiel als "Kriegsbeute" nach dem Ersten Weltkrieg an Italien. Die italienische Seite ihrerseits ging lange Zeit nicht sehr wohlwollend mit ihrer Beute um. Plötzlich und für die meisten nicht nachvollziehbar wurde viel Altgewohntes durch Neues ersetzt:
Italienisch wurde als Amtssprache eingeführt, alle Orte bekamen neue italienische Namen, deutsche Namen wurden selbst von Grabsteinen entfernt. Die deutsche Muttersprache wurde so zum vorrangigen Ausdrucksmittel der kulturellen Identität und zum Symbol des Widerstands.

Auch nach 1945 kam die von vielen ersehnte Rückkehr nach Österreich nicht zustande. Das Land blieb Spielball zwischen Österreich und Italien bis in die 1960er Jahre. Die versprochene Autonomie erwies sich lange Zeit als fernes, nur schwer erreichbares Ziel. Radikale politische Kräfte nutzten das so entstandene kulturelle Vakuum. Anfang der 1960er Jahre überzog eine Welle von Sprengstoffanschlägen das Land - die sogenannten "Südtirol-Aktivisten", auch als "Bumser" bekannt, brachten damit die Südtiroler Identitätssuche an die Weltöffentlichkeit.

Erst nachdem sich Österreich 1961 an die UNO gewandt hatte, führten langwierige Verhandlungen zwischen Rom, Wien und Bozen zum "Paket" und 1972 zum Zweiten Autonomiestatut. Die neue Südtirol-Autonomie sichert die Gleichberechtigung sowie den Schutz aller drei Sprachgruppen - deutsch, italienisch und ladinisch - im Land.

Monica Ladurner hat mit Künstlern, Historikern und Politikern der drei Sprachrichtungen gesprochen und filmte an Originalschauplätzen des Ersten Weltkriegs wie den Dolomiten und dem Brennerpass.

Der "Kulturmontag" ist als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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