2. Generation Migrantinnen = 2. Platz in Sachen Bildung?

Chancengleichheit als Herausforderung für die Erwachsenenbildung

Wien (OTS) - In Österreich existiert relativ wenig Wissen über Frauen der zweiten Generation. Die Ergebnisse der PISA-Studien und auch Zahlen zu Ausbildungsabbrüchen und Arbeitslosigkeit haben aber verstärkt die in Österreich geborenen Kinder von Migrantinnen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. abz*austria hat gemeinsam mit dem Bildungszentrum Saalfelden, basierend auf der Studie "Standpunkt Bildung, Bildungswünsche und -bedarfe von Frauen der zweiten Generation", Handlungsmöglichkeiten für den Bildungsbereich formuliert und im Zuge der heutigen Pressekonferenz vorgestellt und in einem breiteren Rahmen diskutiert.

Petra Gregorits, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft, erläutert, "dass von insgesamt 120.000 Unternehmen in Wien, jedes dritte Unternehmen von einer Person mit Migrationshintergrund geführt wird. 60 Prozent der Unternehmen exportieren, viele Menschen mit Migrationshintergrund nehmen auch deshalb eine wichtige gate keeper Funktion ein." Generell "ist Integration in der Wirtschaft besser gelungen als in der Gesellschaft". "Es fehlt aber noch der 360 Grad Blick, also die Wahrnehmung außerhalb der Mehrheitsperspektive", erläutert Gregorits weiter. Auf Grund von demographischen Entwicklungen, generell steigender Lebenserwartung und besser qualifizierten Frauen müssen sich Unternehmen aber ohnehin strategisch überlegen, wie es zu einem Mehrwert und Nutzen von Diversität kommen kann.

Manuela Vollmann zieht Bilanz aus dem Projekt "Standpunkt Bildung, Bildungswünsche und -bedarfe von Frauen der zweiten Generation" und hält fest, "dass auch die sogenannten Frauen der 2. Generation sich wünschen, dass es mehr Wissen über ihre Lebensrealitäten und Wünsche gibt und dass sie sich durch die Angebote der Erwachsenenbildung angesprochen fühlen". "Eigens für sie entwickelte, spezielle Bildungsangebote werden von den Frauen nicht als notwendig erachtet, umso wichtiger ist es aber sie schon in der Phase der Projekt- bzw. Angebotsentwicklung einzubeziehen".

Das generelle Unbehagen, dass sich seit einiger Zeit bemerkbar macht, wenn es um die Verwendung der Begriffe "Integration" oder auch "Migration" geht, erklärt Kenan Güngör, der Leiter von "think difference", Büro für Gesellschaft, Organisation und Entwicklung damit, "dass die Begriffe oft schon ausgereizt und vor allem auch negativ besetzt sind." "Es ist nun auch die Zeit gekommen, den Diskurs über Begrifflichkeiten zu führen, denn wir alle werden mehrheimischer", erläutert Güngör weiter und spricht sich für die Verwendung des Begriffs "Transnationaler Background" aus.

Emina Nazifovic ist eine sog. Frau der zweiten Generation und hat selbst keine negativen Assoziationen zum Begriff "Migrationshintergrund". Die erfolgreiche Medizinstudentin erklärt sich das u.a auch dadurch, dass sie "sich mit ihrem Heimatland noch sehr verbunden fühlt und auch in der Schule noch eine Stunde in der Woche Jugoslawisch lernen durfte". "Gleichzeitig wurde auch mein Ehrgeiz geweckt, durch die Tatsache dass ich mit den österreichischen Kindern in der Schule mithalten wollte und auch immer das Gefühl hatte, dass ich es schaffen kann", so Nazifovic weiter.

Manuela Vollmann schließt mit weiteren Empfehlungen für Erwachsenenbildung ab: "Es braucht mehr als punktuelle Beratung, es geht darum Frauen über einen längeren Zeitpunkt auszubilden und zu begleiten." "Vor allem für ländliche Regionen müssen Lern- und Bildungsmöglichkeiten durch den Ausbau niederschwelliger Blended-Learning und E-Learning-Modelle zugänglicher gemacht werden", so Vollmann weiter. Auch zur proaktiven Suche und Aufnahme von MitarbeiterInnen der zweiten Generation in allen Bereichen der Erwachsenenbildungsorganisation wird geraten. "Wenn wir es dann auch noch schaffen das Fremdsprachenangebot zu erweitern und zum Beispiel auch Business-Türkisch Kurse anzubieten, dann sind wichtige Schritte für eine Diversity gerechte Zukunft gesetzt", gibt sich Vollmann zuversichtlich.

Das Projekt learn forever Standpunkt.Bildung wird finanziert aus Mitteln des ESF und des BMBF und unter der Gesamtkoordination von abz*austria mit den Netzwerkpartnerinnen agenda, Bildungszentrum Saalfelden und Peripherie durchgeführt.

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