40 Jahre Fristenlösung: Was wurde aus den "flankierenden Maßnahmen"?

Einstimmige Beschlüsse von 1974 zu Verhütungsmittel für alle, Verhütungskampagnen und Ganztagsschulen noch immer nicht umgesetzt

Wien (OTS) - Die Regierungsvorlage der SPÖ zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs 1974 enthielt auch einen Katalog an Begleitmaßnahmen, um die Situation schwangerer Frauen zu verbessern. Diese wurden im Parlament durch einen Vorschlag aller Parteien einstimmig ergänzt. Diese Begleitmaßnahmen sind bis heute aber nur teilweise umgesetzt.

Die beschlossenen Maßnahmen:

1. "Zugang zu empfängnisverhütenden Mitteln für alle Bevölkerungsschichten gewährleisten" - wurde nicht umgesetzt: "Immer noch ist die Pille für viele, v.a. junge Mädchen zu teuer, ebenso die Spirale", erklärt DDr. Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums. -Hier besteht aber Hoffnung, dass eine künftige Generation an PoltikerInnnen diese Forderung umsetzt. So hat z.B. ein breites Jugendbündnis unlängst die Einführung von Verhütungsmittel auf Krankenschein gefordert:
www.gynmed.at/de/presse/weltverhuetungstag-2013

2. "Sachliche Information über Empfängnisverhütung auch in den Massenmedien" - zögerlich umgesetzt: "Bis heute ist zu wenig bekannt, dass Kondome und Methoden der Selbstbeobachtung keinesfalls zu den sicheren Verhütungsmitteln zählen", sagt Fiala.

3. "Ausbau von Kindergärten und Einführung der Ganztagsschule":
nicht umgesetzt. Auch 40 Jahre nach diesem Beschluss sperren viele Kindergärten -v.a. in den ländlichen Gegenden - zu Mittag. Eine flächendeckende Einführung der Ganztagsschule gibt es auch noch nicht.

4. "Errichtung von Familienberatungsstellen in ganz Österreich" -Deren ursprünglicher Beratungsauftrag ist in Zeiten des Internet längst überholt und die über 390 Beratungsstellen kosten viel Geld, welches in der konkreten Prävention fehlt.

5. "Ärztliche Beratung der Frau zur Verhinderung weiterer Schwangerschaftsabbrüche" (Quelle:
http://abtreibung.at/wp-content/uploads/2009/04/imfname_319746.pdf )

Flächendeckende Familienberatungsstellen: teuer und überholt

Eine der Maßnahmen war die Gründung von Familienberatungsstellen in ganz Österreich, welche über ein Budget von 48 Mio EUR jährlich verfügen. In der Zeit vor dem Internet waren es wichtige Einrichtungen zur Information und Beratung ungewollt schwangerer Frauen, heute jedoch sind sie überholt und viele dieser Institutionen dienen anderen Interessen. Das drückt sich auch in der Statistik aus, wonach nur mehr 7% aller Anfragen das Thema Schwangerschaft betreffen - es ist somit das am seltensten angefragte Thema - obwohl immer noch 50% aller Einrichtungen diese Beratung ganz vorne auf ihre Agenden setzen.

Wurde aus Schwangerenhilfe Sektenberatung?

Als Ersatz haben sich die Familienberatungsstellen auf andere Bereiche verlegt, z.B. Sektenberatung, welche 57 Stellen anbieten -mehr als ein Viertel aller Einrichtungen. Auffällig ist auch der große Anteil an kirchlich geführten Beratungsstellen, welche entsprechend ihrer Weltanschauung wenig wirksame Verhütungsmethoden propagieren und damit leider auch zu der großen Anzahl an Schwangerschaftsabbrüchen beitragen.

Maßnahmen auf Bedürfnissen der Menschen ausrichten

Verhütungsexperte Fiala rät, die Familienberatungsstellen deutlich zu reduzieren und auf ein zeitgemäßes, evidenzbasiertes Beratungsservice für konkrete Zielgruppen umzustellen: "Die Geldmittel sollten vielmehr für die Abgabe kostenloser Verhütungsmittel, insbesondere der sehr wirksamen Langzeitmethoden, verwendet werden und um effizientere Informationskampagnen zu starten, so wie dies im übrigen Westeuropa seit langem ein selbstverständlicher Standard ist. Mit derartigen Maßnahmen würde es uns gelingen einen großen Teil der Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern."

Fischblasenkondom & Co - Über das Verhütungsmuseum (MUVS)

Das Museum wurde im Jahr 2007 vom Gynäkologen Christian Fiala gegründet und von der nunmehr verstorbenen ehemaligen österr. Frauenministerin Johanna Dohnal eröffnet. Auf 120m2 wird Pionierarbeit bei der wissenschaftlichen und didaktischen Aufbereitung heikler Themen rund um Sexualität und Schwangerschaftsabbruch geleistet. Vom Fischblasenkondom bis zum Küchentisch der Engelmacherinnen ist viel Anschauungsmaterial vorhanden. Dieser Ort der Enttabuisierung intimster Fragen wird von Schulklassen regelrecht gestürmt, bis zu vier Klassen täglich kommen zu Führungen. 2010 bekam das MUVS den "Kenneth Hudson Preis" des "European Museum Forum" der für "bahnbrechende Arbeiten, beispielhafte Darstellung der Inhalte, innovative Denkansätze und das Aufgreifen kontroversieller Themen" verliehen wird. Seit 2013 steht eine umfassende digitalisierte Fachbibliothek kostenlos online zur Verfügung.

Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, Mariahilfer Gürtel 37 / 1. Stock, 1150 Wien, +43/699/178 178 04, info@muvs.org http://de.muvs.org/bibliothek/

Presse-Fotos: http://de.muvs.org/museum/presse

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