Leadership als erfolgsversprechendes Konzept

Wien (OTS) - Mit welchen Herausforderungen Gemeinden in den kommenden Jahren konfrontiert sein werden, wurde im Rahmen des vierten Kommunalwirtschaftsforums am 20. und 21. März 2014 im Casino in Baden bei Wien diskutiert. Das Thema heuer lautete Public Leadership -aktiv, nachhaltig, jetzt! Die Initiatoren des KWF sind Deloitte Österreich, Porr, Raiffeisen-Leasing, Siemens und Vasko+Partner. Ziel des KWF ist es, aktuelle kommunale Themen auf den Tisch zu bringen und Entscheidungsträger wie auch Betroffene von Städten und Gemeinden zusammenzuführen. Deutlich wurde beim diesjährigen KWF der Bedarf an Kommunikation, am Austausch und Netzwerken - zugleich die Gründungsideen des KWF.

Alexander Schmidecker, Raiffeisen Leasing, betonte bei der Eröffnung den dringenden Handlungsbedarf, der angesichts der prekären Situationen vieler Gemeinden besteht. Bestätigung fanden die Initiatoren in ihrer Themenauswahl auch gleich durch Helmut Miernicki, Geschäftsführer ecoplus, in seiner Eröffnungsrede: "Um in einer globalisierten Wirtschaft erfolgreich zu sein, braucht ein regionaler Wirtschaftsstandort moderne Antworten, ein serviceorientiertes Umfeld und ein geschlossenes Auftreten. Im weltweiten Wettbewerb mit den Regionen ist es daher zielführend, einen Wirtschaftsstandort im Schulterschluss mit den Gemeinden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu entwickeln."
Das Marktforschungsunternehmen Pitters(R) Trendexpert lieferte auch heuer wieder brandaktuelle Zahlen zum Thema "Investitionen in den Gemeinden 2014". Mit Spannung verfolgten die über 200 Teilnehmer die Angaben zur finanziellen Situation der Gemeinden und ihre geplanten Investitionstätigkeiten. 91 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Lebensqualität in ihrer Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren erhöht hat. Gleichzeitig glauben jedoch 86 Prozent, dass die derzeitige Situation der öffentlichen Finanzen in Österreich neue Investitionen erschwere. Auf Gemeindeebene sind zwei Drittel überzeugt, dass sich angesichts ihrer finanziellen Lage kaum neue Investitionen durchführen lassen. 13 Prozent glauben an eine Verbesserung in den Jahren 2014 und 2015, 26 Prozent gehen von einer Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr aus. Rund 60 Prozent rechnen damit, dass ihre finanzielle Lage unverändert bleibt.

Knackpunkt Sozialbereich

Während die Ausgaben in den vergangenen Jahren vor allem im Sozialbereich (Pflege und Betreuung älterer bzw. kranker Menschen) gestiegen sind, werden in diesem Bereich von den Gemeinden nur noch zu 29 Prozent Projekte geplant oder beschlossen. Am häufigsten (92 Prozent) werden Infrastrukturprojekte zum Erhalt bzw. Bau von Straßen und öffentlichen Plätzen sowie zur Verkehrssicherheit geplant oder beschlossen. Auf den weiteren Plätzen folgen Vorhaben in den Bereichen EDV (Computer/IT, E-Government, Hard- und Software), Energie und Personal.

Die nominal höchsten Mittel werden für den Erhalt bzw. Bau von neuen Bildungseinrichtungen veranschlagt. Österreichs Gemeinden planen, mit rund 2,1 Milliarden Euro in Projekte zum Erhalt und Bau von Bildungseinrichtungen zu investieren. An zweiter Stelle stehen Projekte im Zusammenhang mit Wasser/Abwasser und Abfallwirtschaft. Hier sind Investitionen in der Höhe zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro vorgesehen.

Die erfolgreiche Umsetzung von kommunaler Infrastruktur stand im Zentrum des sehr gut besuchten ersten Workshops. Reges Interesse gab es auch für den zweiten Workshop, der sich mit nachhaltigen Modellen für Gesundheits- und Bildungsbauten auseinandersetzte. Laut Umfrage von Pitters sind den Gemeinden alternative Modell noch wenig bekannt und daher mit hohem Entwicklungspotenzial verbunden. Lösungen über Betreibergesellschaften (24 Prozent), Lebenszyklusmodelle (22 Prozent) und Contracting-Modelle (20 Prozent), sind noch eher Neuland. Dementsprechend intensiv war der Diskurs in diesem Workshop. Im dritten Workshop diskutierten die Teilnehmer wie denn die erfolgreiche Führung und Zusammenarbeit einer Gemeinde gelingen kann - illustriert mit zahlreichen Praxisbeispielen und Fragen, die aus unmittelbaren Projekten stammten.

An der Exkursion, exklusiv nur für KWF-Teilnehmer, zum Campus WU, nahmen über 30 Teilnehmer teil. Nach einer durch Vasko+Partner fachlich kompetenten Führung durch den Campus, verriet WU-Rektor Christoph Badelt einiges über vereinzelt schwierige Entscheidungsfindungsphasen, bis das Projekt letztendlich geboren war.

Lebensqualität als Erfolgsfaktor

Vor allem Lebenszyklusmodellen soll nach Einschätzung der Diskussionsteilnehmer künftig besondere Bedeutung zukommen. Diese gesamthaften Modelle haben nicht die bloße Finanzierung der Anschaffungskosten im Fokus, sondern berücksichtigen auch die laufenden Betriebskosten über die Dauer der tatsächlichen Nutzung, die Kosten für mögliche nachfolgende Um- und Erweiterungsbauten, Anpassungen und Sanierungen sowie eine etwaige Änderung der Nutzung zu einem späteren Zeitpunkt. Wesentlich ist außerdem das Zusammenwirken von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft. Letzten Endes geht es um Lebensqualität - denn nur wenn sich die Menschen in ihrer Gemeinde wohlfühlen, bleiben sie gerne.

Neue Schlüsselkompetenzen der Kommunen

Wirtschaftlich erfolgreiche Gemeinden und Kommunen sind die Basis für ein lebenswertes Österreich. Der Lebenswandel in vielen Gemeinden steht vor herausfordernden Zeiten und benötigt neue Antworten auf Fragen wie: "was bedeuten neue Arbeitswelten für meine Gemeinde", "wie kann ich durch neue Mobilitätsformen meine Infrastruktur verbessern", "wo macht die Zusammenarbeit mit anderen aus Kostengründen Sinn", "wie können sich Investitionen demografisch rechnen". "Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, benötigen wir Public Leader, die mit einem Kompass durch Schlüsselkompetenzen wie Gemeindeperformance, Gemeindebilanz, Gemeindesteuern und klassischer ergebnisorientierter Führungsarbeit navigieren", fasst Alexander Hohendanner, Partner Deloitte Österreich, die Notwendigkeit der interkommunalen Zusammenarbeit und Gemeindeberatung zusammen. Gesellschaftliche Veränderungen müssen erkannt werden - aktiv sein ist gefragt, so das klare Fazit des KWF. Michael Landau brachte in seinem Festvortrag und zugleich dem fachlichen Abschluss des ersten KWF-Tages, die gehörten und kontroversiell diskutierten Themen auf den Punkt: "Public Leadership als Aufforderung, das Heft nun selbst in die Hand zu nehmen und Kommunen wie Unternehmen zu führen, hat einen Haken: Leistungen der Daseinsvorsorge sind nur in begrenztem Ausmaß der Marktlogik zu unterwerfen. Die Gefahr, dass dabei wesentliche Qualitätskriterien nicht eingehalten werden können, ist gegeben. Public Leadership braucht deshalb einige leitende Prinzipien, damit die Daseinsvorsorge und andere maßgebliche kommunale Leistungen nicht unter die Räder der Vermarktung und Gewinnmaximierung gelangen: Gemeinwohlorientierung, soziale Verantwortung und Wert-Schöpfung. Public Leadership muss auch seinem Namen gerecht werden und die Öffentlichkeit zur Mitgestaltung einladen. Es wird darauf ankommen, ob sich Public Leadership als eine Strategie bewährt, die der Ermöglichung des guten Lebens, dem Zuwachs an Chancengerechtigkeit und dem sozialökologischen Ausgleich dient." Mit Erhard Busek wurde ein würdiger Redner für den zweiten KWF-Tag gefunden, der unumwunden die Finger in die Wunden legte - mehr miteinander reden, mehr sich miteinander gemeinsam anpacken trauen und mehr gegen den Wind zu kämpfen, lautete seine Botschaft, denn dann seien regionale Entwicklungen an der Schnittstelle zwischen privat und öffentlich mit Sicherheit ein Erfolg.
Edgar Hauer, Sprecher des KWF, freut sich über die zahlreichen Teilnehmer, die hohe Qualität des Publikums wie auch die gelungene Auswahl der Redner: "Das sind zum Teil heftige Diskussionen, bis sich alle über die einzelnen Vortragenden einig sind. Doch wir wir sehen, die Mühe hat sich gelohnt - ich bin davon überzeugt, dass wir auch für das kommende Jahr ein unter den Nägeln brennendes Thema für das fünfte KWF finden werden. Anregungen haben wir ja nun genug erhalten."

Weitere Informationen, alle Vorträge, Informationen zu den Referenten wie auch Fotos unter: www.kommunalwirtschaftsforum.at

Rückfragen & Kontakt:

Kontakt und Organisation:
Karin Auer
Tel: +43 1 409 79 36-66
karin.auer@sympos.at
www.kommunalwirtschaftsforum.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KOP0001