GLOBAL 2000 kritisiert Unentschlossenheit der EU-Staatschefs in Sachen Klima- und Energiepaket

Unabhängige Energieversorgung von Russland, Einsparungen von 239 Mrd. Euro und 400.000 Arbeitsplätze in Europa nur mit verbindlichen Energieeffizienzzielen möglich

Wien/Brüssel (OTS) - am 21.3.2014: Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zeigt sich enttäuscht, dass sich die Staats- und Regierungschefs beim EU-Rat zum Thema Klima und Energie heute so mutlos und unentschlossen präsentierten: 58 % des in Österreich verbrauchten Gases stammt derzeit aus Russland. Anstatt ein klares Signal in Richtung Unabhängigkeit, Verantwortung, Klimaschutz und sauberer Energieversorgung zu setzen, geben die EU-Staatschefs dreckigen Energieformen wie Kohle, Atomenergie und Schiefergas weiten Raum.

"Die aktuelle Krise in der Ukraine macht klar, wie stark wir von Gasimporten aus Russland abhängig sind, nur mit drei verbindlichen Zielen - für Treibhausgasreduktionen, den Ausbau erneuerbarer Energie sowie die Steigerung der Energieeffizienz - kann eine unabhängige und saubere Energieversorgung in Europa sichergestellt werden. Die politische Unentschlossenheit muss jetzt rasch beendet werden! Wir fordern Bundeskanzler Werner Faymann auf, Flagge zu zeigen und sich engagiert für ein ambitioniertes Klimapaket - und damit für die Schaffung tausender Arbeitsplätze sowie einen sauberen und unabhängigen europäischen Weg - einzusetzen", so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Am Gipfel konnten sich die EU-Staatschefs lediglich auf Grundsatzprinzipien verständigen, wichtige Entscheidungen wurden auf später vertagt, erst im Herbst 2014 könnte es eine Entscheidung über das genaue Paket geben. Im Vorfeld hatten grenzübergreifend KlimaaktivistInnen - unter anderem auch von GLOBAL 2000 - gegen diese unentschlossene Politik protestiert und die EU-Pläne deshalb als "dirty, dangerous and unfair" bezeichnet. Fotos von der Aktion sind unter http://www.flickr.com/photos/global2000/with/13294885884/ verfügbar.

GLOBAL 2000 fordert: 60 % Treibhausgasreduktion, 45 % erneuerbare Energie und 50 % Effizienzsteigerung bis 2030

GLOBAL 2000 sieht die derzeitigen Vorschläge der EU-Kommission als völlig inadäquat an: Zur Diskussion steht ein europaweites Treibhausgas-Einsparziel von 40 % und ein Ausbau erneuerbarer Energie auf einen Anteil von 27 %, der aber nicht für die Nationalstaaten verbindlich sein soll. Und: Ein verbindliches Energieeffizienzziel fehlt völlig. Wahlmüller: "Die EU-Staatschefs müssen der EU-Kommission klarmachen, dass hier noch deutliche Verbesserungen notwendig sind. Die geringen Ambitionen bei der Einsparung von Treibhausgasen sind völlig inakzeptabel. Wir brauchen klare Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energie und Energieeffizienz, sonst wird sich auch in Zukunft nicht viel in die positive Richtung bewegen."

239 Milliarden Euro Entlastung der europäischen Energierechnung für KonsumentInnen und Wirtschaft sowie 400.000 Arbeitsplätze durch Klimaschutz möglich

Konkret kann ein EU-weites Treibhausgas-Reduktionsziel auf nachhaltige Weise nur mit dem Ausbau erneuerbarer Energie und der Steigerung der Energieeffizienz erreicht werden. Studien belegen, dass ein ambitioniertes Ziel von 60 % Einsparung an Treibhausgasen mit kosteneffizienten Maßnahmen erreichbar ist. Verschiedene Pfade können dabei zum Erfolg führen: So hat das renommierte Forschungsinstitut Fraunhofer-Isi* mit umfangreichen Analysen ein kosteneffizientes Einsparpotenzial beim Endenergieverbrauch von 41 % bis 2030 errechnet. Das entspricht in etwa einer Primärenergie-Einsparung, der Energieeinsparung inklusive der Einsparung bei den Erzeugern wie z.B. den Kraftwerken, von etwa 50% -am Weg zum Endverbraucher geht nämlich Energie verloren. Kombiniert mit einem Ausbau erneuerbarer Energie würden dann bis 2030 zwischen 49 und 61 % an Treibhausgasen eingespart. KonsumentInnen und Industrie würden ihre Energierechnung laut der Studie dann um 239 Milliarden Euro jährlich entlasten, 400.000 Arbeitsplätze in Europa allein bis 2020 entstehen.

Wichtigste Maßnahmen: Thermische Sanierung, effizientere Fahrzeuge, Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Nutzung der Effizienzpotenziale in der Industrie

Thermische Sanierung, effizientere Fahrzeuge, ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Nutzung noch vorhandener Effizienzpotenziale in der Industrie sind dabei die wichtigsten modellierten Maßnahmen.* "Wir wollen nicht, dass mit einem mutlosen, völlig inadäquatem Paket unsere Zukunft aufs Spiel gesetzt wird. Unkontrollierbarer Klimawandel kann weltweit Millionen von Menschen zu Klimaflüchtlingen machen und ihr Hab und Gut zerstören", so Wahlmüller abschließend.

*Fraunhofer-Isi (2012): Contribution of Energy Efficiency Measures to Climate Protection within the European Union until 2050, Link zu Kurzfassung:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/x/projekte/2030-target-system.php

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GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher Johannes Wahlmüller, 0699 142 000 41 bzw. johannes.wahlmueller@global2000.at

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