AK Analyse: Finanzierungen der anderen Art am Prüfstand 1

AK nahm Crowdfunding-Plattformen unter die Lupe

Wien (OTS) - Crowdfunding ist nicht gleich Crowdfunding. Das zeigt eine AK Analyse von 18 Crowdfunding-Plattformen im Internet aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Die Online-Anbieter preisen sehr unterschiedliche Modelle an - das geht von Spenden über Investing, also verschiedene Formen von Veranlagungen, bis hin zu Krediten. Es gibt auch Mischformen, also Plattformen, die Spenden vermitteln und Anlagemöglichkeiten anbieten. Ergebnis der Analyse: Es gibt keine einheitlichen Informationsstandards zu Risikodarstellungen, Kosten, Geschäftsbedingungen und Rücktrittsrechten für KonsumentInnen.

Das Ergebnis der 18 analysierten Plattformen zeigt: Es fehlen einheitliche Standards für die prägnante Risikodarstellung, die Darstellung von Kosten und Veranlagungsprodukten, die Angabe von Rücktrittsrechten und Kündigungsmodalitäten. Auch ist es nicht selbstverständlich, Geschäftsbedingungen oder Impressen samt Gewerbeberechtigungen vorzufinden. In vielen Fällen tragen die Projektnutznießer die Kosten, aber nicht nur: AnlegerInnen haben bisweilen hohe Transaktions- oder Zahlungsverkehrsgebühren zu zahlen.

Die AK hat sechs Crowdfunding-Plattformen in Österreich sowie jeweils vier in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien untersucht. Es ging darum, wie private AnlegerInnen etwa über Risiko, Kosten oder Rücktrittsrechte und Kündigungsmodalitäten informiert werden.Geprüft wurde auch, ob Geschäftsbedingungen im Impressum vorhanden waren.

Eine Detail-Analyse der sechs österreichischen Crowdfunding-Plattformen zeigt:

Drei (respekt.net, inject power.at, querk.at) sind reine Spenden-Plattformen, drei (conda.at, 1000x1000.at, greenrocket.com) bieten Anlegern Veranlagungen in Form von Genussrechten (Investing-Plattformen) an. "Diese Veranlagungsprodukte sind durchaus riskant", sagt AK Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. "Das sind Beteiligungen an Unternehmen, die aktienähnlichen Charakter haben. Die Erträge für Anleger sind somit ungewiss."

Bei den Investing-Plattformen waren durchwegs Risikoangaben zu finden, aber in unterschiedlicher Qualität. Nicht überall sind Risiken prägnant dargestellt. Die Angaben über Kosten reichten von "völlig kostenlos" (greenrocket.com) bis "sechs Euro beim Verkauf eines Anteils" (conda.at). Für AnlegerInnen ist die Bindung bzw. Kündbarkeit des Investments interessant: Klare Hinweise zum Rücktrittsrecht (14 Tage nach Vertragsabschluss, da Internetgeschäft) enthält nur conda.at.

Alle sechs Plattformen enthielten auf der Homepage Links zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Die Überprüfung der vorliegenden Gewerbeberechtigungen ergab: Nur eine (conda.at) der drei Investing-Plattformen verfügt über eine Gewerbeberechtigung der Vermögensberatung. "Das ist verwunderlich, weil die Plattformen zwar darauf hinweisen, keine Anlageberatung durchzuführen, aber trotzdem als Vermittler eines Veranlagungsproduktes auftreten", so Zgubic. "Dafür ist nach unserer Ansicht eine Gewerbeberechtigung für die Vermögensberatung gemäß Gewerbeordnung nötig." (Forts.)

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