Gender Pay Gap: Großteil des Einkommensunterschieds objektiv erklärbar

WKÖ-Gleitsmann: Rahmenbedingungen für Frauen verbessern, keine Quotenbrechstange

Wien (OTS/PWK168) - "Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern haben sich in den vergangenen Jahren zusehends verringert. Dies zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Um diesen weiter zu gehen, müssen wir uns aber an Realitäten orientieren und an den richtigen Punkten ansetzen", betont Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Anlässlich des Equal Pay Day wird immer wieder auf Statistiken verwiesen, die den Einkommensunterschied zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern in Österreich mit mehr als 20 Prozent ausweisen. "Eine genaue Analyse der Daten zeigt jedoch nicht nur auf, dass dies zu weit gegriffen ist, sondern in der Folge auch, wo die wichtigsten Ansatzpunkte für mehr Einkommensgerechtigkeit liegen", so Gleitsmann.

Die OECD-Studie Closing the Gender Pay Gap 2012 weist für Österreich einen Einkommensunterschied von 18,6% aus. Die Studie berücksichtigt im Gegensatz zu anderen Erhebungen auch, wie viel von diesem Unterschied mit objektiven Faktoren erklärt werden kann, wie etwa Arbeitszeit, Alter, Berufserfahrung, Ausbildung, Tätigkeit, Branche, Erwerbsunterbrechungen oder frühes Pensionsantrittsalter. Demnach sind 71% des heimischen Einkommensunterschieds von 18,6%, also 13,2%, durch diese objektiven Faktoren erklärbar. Somit verbleibt eine Restdifferenz bei den Einkommen von nur 5,4%, die nicht objektiv erklärbar ist. Im internationalen Vergleich steht Österreich damit relativ gut da: In 19 OECD-Ländern ist dieser Unterschied größer als in Österreich, in 9 Ländern niedriger. Auch die Einkommensberichte, die größere Unternehmen erstellen müssen, zeigen keine Einkommensunterschiede bei gleicher Tätigkeit.

Gleitsmann: "Wir müssen somit bei den objektiven Faktoren ansetzen: Ein wesentlicher objektiver Faktor, der in anderen Ländern nicht wirkt, ist in Österreich etwa das frühe Pensionsantrittsalter, durch das Frauen ihre einkommensbesten Jahre verlieren. Aber auch die Berufswahl, die bei Frauen immer noch deutlich häufiger auf weniger gut entlohnte Branchen fällt, ist ausschlaggebend." Die Wirtschaft fordert daher eine möglichst frühzeitige Berufsinformation von Mädchen und ihren Eltern, um die Chancen etwa in technischen Berufszeigen aufzuzeigen.

Neben diesem Bewusstseinswandel braucht es vor allem die richtigen Rahmenbedingungen für Frauen. Zu begrüßen ist aus der Sicht der Wirtschaft daher der angekündigte Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, "hier muss jedoch weiterhin noch viel getan werden, um ein qualitativ hochwertiges, flächendeckendes und flexibles Betreuungsnetz zu bilden", unterstreicht Gleitsmann.

Zwangsmaßnahmen wie Quoten bei der Besetzung der Führungsgremien privater Unternehmen seien hingegen ungerechtfertigte Eingriffe, die ins Leere gehen, solange Frauen nicht alle Chancen und Wahlfreiheiten für ihre Karriere- und Lebensplanung geboten werden.

"Die Wirtschaft ist bereit und aktiv, um Frauen in der Arbeitswelt zu fördern. Sie sind unsere Schlüsselkräfte der Zukunft. Wir brauchen realitätsorientierte Lösungen, damit Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie freie Wahlmöglichkeiten bekommen", so Gleitsmann zusammenfassend. (PM)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Dr. Martin Gleitsmann
Tel.: T:+43 (0)5 90 900 4286, F:+43 (0)5 90 900 3588

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005