Gewerkschaft vida zu Gigaliner: "Gigaliner-Lobby wurde in die Schranken verwiesen"

EU-Verkehrsausschuss entscheidet im Sinne von Sicherheit, Umwelt und Beschäftigten - Güterverkehrsverlagerung auf die Schiene jetzt beschleunigen

Wien (OTS/ÖGB) - "Die europäische Gigaliner-Lobby und die liberalisierungswütige EU-Kommission wurden in die Schranken verwiesen", zeigte sich Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Sektion Verkehr in der Gewerkschaft vida, über das ablehnende Abstimmungsergebnis zur Zulassung von Riesen-LKW, sogenannter Gigaliner, im grenzüberschreitenden europäischen Verkehr im heutigen Verkehrsausschuss des EU-Parlaments erfreut. "Die Abgeordneten haben damit ein Zeichen der Vernunft zugunsten von Umwelt, Sicherheit sowie im Sinne der Berufskraftfahrer und der Steuerzahler gesetzt", so Hebenstreit: "Der Schutz von Menschen und Umwelt hat Priorität." Das sei ein richtiges Signal, dass in Europa auch die BürgerInnen und ArbeitnehmerInnen Gehör fänden und nicht nur finanzstarke Wirtschaftslobbys.++++

Mit der Richtlinie wollte die EU-Kommission den grenzüberschreitenden Verkehr von Gigalinern mit einer Länge von 25,25 Metern und einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen erlauben. Die Gigaliner-Zulassung obliege nach der Abstimmung wie bisher den einzelnen EU-Mitgliedländern. "Das Diktat der EU-Kommission für die gesamte Union ist vom Tisch. Dies ist auch das Ergebnis des konsequenten Auftretens der österreichischen EU-Parlamentarierinnen und Parlamentarier - allen voran Jörg Leichtfried, dem Berichterstatter dieser Richtlinie", sagt Hebenstreit.

Für die Gewerkschaft vida bedeute das heutige Abstimmungsergebnis, das den bilateralen Verkehr von Gigalinern verbietet, eine Atempause im Kampf für eine faire und ökologische Güterverkehrspolitik. "Die Gigaliner-Lobby wird sich mit dem Ergebnis nicht abfinden. Die vorgeschlagene Richtlinie hatte nämlich wieder ein paar Elemente zum Inhalt, die den Wettbewerbsvorteil des Lkw gegenüber der Bahn erhöht hätte", erinnerte Hebenstreit daran, dass Österreichs EU-Kommissar, Johannes Hahn, noch im Vorjahr in Österreich pro Gigaliner-Zulassung Stimmung gemacht habe. "Wir müssen deshalb den jetzt neu entstandenen Schwung nutzen, um die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene weiter voranzutreiben", appelliert der Gewerkschafter an die EU-VerkehrsministerInnen.

Der Gewerkschafter begrüßt, dass durch die beabsichtigte neue Gestaltung der Lkw-Fahrerhäuser (Verbesserung der Sicht) sowohl für die FahrerInnen selbst als auch für die anderen VerkehrsteilnehmerInnen insgesamt die Sicherheit erhöht werde. Hebenstreit erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass laut vida-Berechnungen durch die EU-weite Zulassung von Gigalinern pro Jahr rund 100 zusätzliche Verkehrstote in Europa zu befürchten wären.

Die Berechnung gehe davon aus, dass durch die EU-weite Zulassung von Gigalinern zehn Prozent des Schienengüterverkehrs auf die Straße verlagert werden würden. Basierend auf bisherigen Unfallstatistiken und Erkenntnissen, ergäbe diese Zunahme des Lkw-Verkehrs in den EU-Mitgliedsländern bis zu 100 zusätzliche Verkehrstote pro Jahr. Bliebe der Gigaliner-Einsatz rein auf Autobahnen beschränkt, müssten noch immer 30 bis 40 Opfer mehr pro Jahr beklagt werden, erläutert Hebenstreit.

Die vida-Analyse basiere auf folgenden Fakten: Laut offizieller Statistik sterben EU-weit alljährlich rund 5.000 Menschen bei Unfällen mit Lastkraftwagen (Quelle: European Road Safety Observatory, 2012: Traffic Safety Basic Facts 2012 - Heavy Goods Vehicles and Busses). Der Güterverkehr auf der Straße sei ca. um den Faktor 20 unsicherer als jener auf der Schiene. Komplementär zur Bahn würde der Straßentransport EU-weit von 1.756 Milliarden Kilometertonnen (2010) um 2,2 Prozent steigen. Mit der Annahme, dass parallel dazu auch die Opferzahlen steigen, wäre dies ein Plus von 100 Unfalltoten pro Jahr.

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