ÖGB: Sprachgebrauch politisch, nicht technisch regeln

Sichtbarmachung von Frauen und Männern auf allen Ebenen nötig

Wien (OTS/ÖGB) - Äußerst empört hat sich der ÖGB-Vorstand in seiner heutigen Sitzung über den Entwurf des Austrian Standard Instituts zum Thema geschlechtergerechte Sprache gezeigt. Das Institut hatte sinngemäß vorgeschlagen, in geschriebenen Texten auf weibliche Formen zu verzichten, da mit männlichen Formen ohnehin alle gemeint seien. "Wir sind über diesen Ansatz erschüttert und teilen die Kritik vieler Organisationen und Vereine", sagt ÖGB-Präsident Erich Foglar. "Derart rückschrittliche Ideen gehören ins vorvorige Jahrhundert, in den Normen eines modernen Staates haben sie nichts zu suchen." Der ÖGB werde seine Kritik auch den Verantwortlichen für den Entwurf zukommen lassen.

"Geschlechtergerecht heißt für uns, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in allen Bereichen des Lebens vorkommen müssen", so Foglar. "Das betrifft alle Politikbereiche, aber auch die textliche und bildhafte Darstellung in gedruckten, elektronischen und audiovisuellen Medien, genauso wie Formulierungen in Schulbüchern, Gesetzestexten und allen anderen Arten von geschriebener Sprache." Geschlechtergerechtigkeit bedeutet für den ÖGB weiters, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit weiblicher und männlicher Lebenswirklichkeiten sichtbar zu machen und als gleichwertig anzuerkennen.

"Uns ist schon klar, dass ein Binnen-I allein noch lange nicht zur Gleichstellung von Männern und Frauen führen wird", sagt ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende Sabine Oberhauser. "Natürlich braucht es vor allem die passenden rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, damit Chancengleichheit erreicht wird. Es geht aber sehr wohl auch darum, über das Instrument der Sprache Bewusstsein zu schärfen, traditionelle Rollenbilder infrage zu stellen, Klischees aufzuzeigen und zu überwinden." Beim geschlechtergerechten Sprachgebrauch sei ein ganz wesentlicher Aspekt gerade die Sichtbarmachung von Frauen. Oberhauser: "Wer von Frauen nicht spricht, wer die Frauen aus der Alltagssprache oder der sogenannten normierten Amtssprache des Landes verbannt, macht viele Fortschritte, die in der Gleichstellungspolitik bereits erreicht wurden, mit einem Schlag zunichte." Oberhauser verlangt daher, die im Entwurf geplanten diesbezüglichen Änderungen nicht vorzunehmen. "Welche Rolle Frauen in diesem Land spielen, auch in der Sprache, das haben wir politisch zu diskutieren, nicht technisch."

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