Wien darf nicht Moskau werden

Russische Homophobie beeinflusst österreichische Personalbesetzungspolitik. Klage wegen Diskriminierung nach dem Gleichbehandlungsgesetz.

Wien (OTS) - Russlands Politik beschäftigt indirekt die österreichischen Gerichte: Vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien wird morgen der Fall Blake Sclanders verhandelt. Der - mittlerweile ehemalige - Commercial Director von Swissport Südafrika erhielt das Angebot, nach einem privat motivierten Umzug nach Österreich bei Swissport Cargo Services Austria GmbH unter Vertrag genommen zu werden. Beabsichtigt war, dass Sclanders von hier aus, in Kooperation mit einem russischen Franchise-Partner, den Einstieg Swissports bei einem Moskauer Flughafen vorantreibt. Doch der russische Partner will nicht mit einem Homosexuellen zusammen arbeiten und Swissport hat in der Folge nun keine weitere Verwendung für seinen langjährigen und erfolgreichen Manager.

"Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vom Erwerbsleben auszuschließen, ist wirtschaftsfeindlich und menschenverachtend", zeigt sich Markus Knopp, Präsident der agpro - austrian gay professionals, betroffen. Swissport verfügt über einen Code of Conduct. Darin referenziert das Unternehmen, das mehr als 50.000 Mitarbeiter beschäftigt und weltweit das größte Unternehmen im Bereich Flughafen Logistik ist, auf international proklamierte Menschenrechte. "Wenn Mitarbeiter aber dann so behandelt werden, ist der Verhaltenscodex das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht", so Knopp. Die agpro verwehrt sich entschieden gegen eine solche Vorgehensweise und unterstützt Herrn Sclanders in seinem Kampf für Gleichbehandlung und Gerechtigkeit.

Sclanders zur Haltung seines ehemaligen Arbeitgebers: "Ich bin zutiefst enttäuscht darüber, dass die völlig irrationalen und verachtenden Vorurteile eines Geschäftspartners vor den Schutz der Mitarbeiter gestellt werden. Dadurch vermittelt Swissport den Eindruck der Mittäterschaft. Die homophobe Politik Russlands wird als hinzunehmendes Faktum gesehen, an dem nicht gerüttelt werden kann und an dem sogar ein europäisches Unternehmen scheinbar auch gar nichts ändern will."

In Russland darf offiziell die sexuelle Orientierung keine Auswirkung auf die Tätigkeit eines Mitarbeiters eines ausländischen Unternehmens haben. Die tägliche Praxis spricht aber augenscheinlich eine andere Sprache.

Sclanders hat nun Klage vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien wegen Diskriminierung nach dem Gleichbehandlungsgesetz eingebracht. Die erste Hauptverhandlung findet morgen, Mittwoch, 19.3. von 9.00 bis 13.00 in der Wickenburggasse 8, 1082 Wien, Saal H statt.

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agpro - austrian gay professionals - ist das Netzwerk schwuler und bisexueller Unternehmer, Fach- & Führungskräfte. Es wurde gegründet, um die Akzeptanz und Gleichstellung gleichgeschlechtlich liebender Menschen speziell im beruflichen Umfeld zu erhöhen. Die agpro existiert seit 1998 und ist überparteilich, aber politisch engagiert.

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