SOS-Kinderdorf in der Ukraine: Angst vor Gewalt oder gar Krieg.

"Bei vielen unserer Kinder brechen alte Traumata wieder auf."

Kiew/Innsbruck/Wien (OTS) - Die politische Lage in der Ukraine ist seit mehr als zwei Monaten instabil. Anfangs gab es schwere Unruhen mit Toten in Kiew, nun das Referendum auf der Halbinsel Krim. "Die Lage ist angespannt, die Menschen spüren die Angst vor Gewalt oder gar Krieg", sagt SOS-Kinderdorf-Mutter Valya. Sie lebt im SOS-Kinderdorf Brovary, knapp 20 Kilometer von Kiew entfernt.

Kinder sind laut Valya besonders betroffen: "Kinder leben nicht im Vakuum, sie gehen in die Schule, sehen fern, hören von der Situation im Land, fragen, warum Menschen getötet werden. Viele unserer Kinder waren in ihrer Ursprungsfamilie enormen emotionalen Belastungen ausgesetzt. In stressigen Situationen erinnern sich Kinder an alte Gefühle, vor allem an Angst", sagt die SOS-Kinderdorf-Mutter. "Jetzt brechen alte Traumata wieder auf, die Kinder haben Probleme zu schlafen. Wir baten sie, sich selbst zu zeichnen, sie zeichneten sich als winzige Kinder. Es ist, als versuchten sie sich zu verstecken."

SOS-Kinderdorf hat für die Kinder zusätzliche Therapien organisiert. Auch Dorfleiterin Olena Bilyk bestätigt die Belastung für die Kinder: "Mein eigener Sohn (5) schläft nicht mehr, er weint viel häufiger", erzählt sie. "Wir können uns nur vorstellen, wie Kinder, die in der eigenen Familie Schlimmes erlebt haben, sich fühlen, wenn sie von Toten hören und erschütterte Mütter und Mitarbeiter/innen sehen."

Politische Instabilität verursacht Panik, es kommt zu Hamsterkäufen. Täglich ändern sich die Preise, stündlich verliert das Geld an Wert. Der Benzinpreis ist um mindestens 30 Prozent gestiegen, der Preis für manche Lebensmittel hat sich verdoppelt. Die Armutsrate im Land beträgt 35 Prozent, das ist ein Prozent weniger als in Afghanistan. Ein weiterer Anstieg ist wahrscheinlich: Der Durchschnittslohn beträgt 250 Euro, die Lebenshaltungskosten sind aber mit denen in Ländern Westeuropas zu vergleichen.

SOS-Kinderdorf-Mütter: Wir rücken noch enger zusammen!

Auch die SOS-Kinderdorf-Mütter haben Nahrungsmittel auf Vorrat eingekauft und achten nun noch mehr aufeinander als vorher. "Schon bevor all das passiert ist, waren wir Freundinnen, nun sind wir noch enger", erzählt SOS-Kinderdorf-Mutter Valya. "Die Kinder sind in den letzten Monaten reifer geworden. Wir hoffen das Beste. Wenn es im Land friedlich ist, bedeutet das, dass es auch in meiner Familie friedlich ist. Wir sind alle am Leben und ziehen weiterhin unsere Kinder groß." Und so hofft SOS-Kinderdorf in der Ukraine auf eine friedliche Lösung und appelliert an alle Konfliktparteien, abseits der politischen Dimension die Probleme der Kinder und ihrer Familien im Auge zu haben!

SOS-Kinderdorf Ukraine: 2 SOS-Kinderdörfer und 3 Sozialzentren

SOS-Kinderdorf Brovary (bei Kiew): 13 Familien, 78 Kinder, seit 2006 Sozialzentrum Brovary: 61 Familien, 136 betreute Personen, seit 2008 Sozialzentrum Kiew: 105 Familien, 238 Kinder, seit 2003 SOS-Kinderdorf Lugansk (Ostukraine): 4 Familien, 16 Kinder (volle Auslastung 7 Familien, 476 Kinder), seit 2012
Sozialzentrum Lugansk: 137 Familien, 267 betreute Personen (volle Auslastung 350 Kinder), seit 2012

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Viktor Trager, SOS-Kinderdorf/Presse (Innsbruck),
Tel. 0676/88144201, viktor.trager@sos-kd.org
Martina Stemmer, SOS-Kinderdorf/Presse (Wien),
Tel. 0699/11153246, martina.stemmer@sos-kinderdorf.at

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