TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 14. März 2014 von Alois Vahrner "Harte Strafe für Hoeneß mit Folgen"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Dreieinhalb Jahre Gefängnis für 28,5 Millionen hinterzogene Steuer: Das Urteil gegen Uli Hoeneß fiel hart aus, war aber letztlich so zu erwarten. Und es garantiert abschreckende Wirkung auf andere Steuersünder.

Für Hoeneß habe gesprochen, dass er ein Geständnis abgelegt habe, nicht vorbestraft sei und unter einer großen psychischen Belastung stand, räumte selbst der Staatsanwalt ein. Aber auch Hoeneß Lebensleistung, sein großes soziales Engagement und die - letztlich verunglückte - Selbstanzeige konnten den Noch-Bayern-Boss nicht vor einer Gefängnisstrafe bewahren. Hoeneß Hoffnungen auf eine Bewährungsstrafe sind (zumindest in erster Instanz, zumal Hoeneß sicher und die Staatsanwaltschaft vielleicht berufen wird) geplatzt. Das Gericht blieb unter der vom Staatsanwalt geforderten Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren, aber auch die verbliebenen dreieinhalb Jahre sind ein hartes Urteil.
Viel war im Vorfeld darüber spekuliert worden, ob es einen gerichtlichen Promi-Bonus für den Zampano des auf der Erfolgswelle surfenden FC Bayern geben könnte. Oder doch einen Nachteil wegen des gewaltigen medialen und öffentlichen Wirbels um den zockenden und stets streitbaren Hoeneß. Beides ist wohl nicht eingetreten: Es wurde ein hartes Urteil für einen sehr schweren Fall von Steuerhinterziehung. Eines, das nach der von zunächst 3,5 auf mittlerweile auf 28,5 Millionen Euro hochgeschnellten Summe der Steuerhinterziehung keineswegs überraschend kam.
Für Hoeneß, der reinen Tisch machen wollte, wie er zum Prozessauftakt sagte, kommt neben der Haftstrafe eine wohl mindestens ebenso harte Strafe dazu: der unabwendbare Verlust des so geliebten Präsidentenamts bei Bayern München. Des Vereins, den er sportlich und wirtschaftlich zur derzeitigen weltweiten Nummer 1 gemacht hat und den er ausgerechnet jetzt am Höhepunkt des Erfolgslaufs verlassen muss. Das Lebenswerk so abgeben zu müssen, wiegt wohl um einiges schwerer als der öffentliche Imageverlust.
Das Urteil gegen Uli Hoeneß und auch andere Fälle wie jüngst die Affäre um Frauen-Kämpferin Alice Schwarzer werden ihre Wirkung hoffentlich nicht verfehlen. Die Zahl der Selbstanzeigen dürfte mit Blick auf das harte Urteil gegen Hoeneß steigen. In welchem Ausmaß auch andere Steuersünder reinen Tisch machen wollen, muss sich freilich erst herausstellen. So sollen laut Schätzungen allein deutsche Steuerflüchtlinge mindestens 250 Milliarden Euro an Schwarzgeld in der Schweiz oder anderswo gebunkert haben. Das System der strafbefreienden Selbstanzeigen, das auch in Österreich gilt, mag Sinn haben. Besonders wirkungsvoll wäre es aber, wenn es mit einer zeitlichen Ablauffrist versehen würde.

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