WKÖ: Wirtschaftspolitische Gespräche zur "Zukunft Europas"

Leitl: EU braucht neue Positionsausrichtung - Europa kann nur in einem Wettbewerb der Talente und Innovation erfolgreich sein

Wien (OTS/PWK158) - Die "Wirtschaftspolitischen Gespräche" der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Haus der Wirtschaft in Wien standen heute unter dem Motto "Zukunft der Europäischen Union". Über Problemfelder und Zukunftsoptionen der Union diskutierten unter der Leitung von Christian Keuschnigg (IHS-Direktor und Professor an der Universität St. Gallen), Ursula Plassnik (österreichische Botschafterin in Frankreich), Daniel Gros (Direktor des Centre for European Policy Studies CEPS) und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

WKÖ-Präsident Leitl betonte in seiner Eröffnungsrede, dass Europa in Hinblick auf sein "Standing" in der globalen Welt eine neue Positionsausrichtung und Orientierung nötig habe. Leitl: "Die Union stellt nur 7% der Weltbevölkerung, erbringt 25% der Weltwirtschaftsleistung, kommt aber gleichzeitig für über 50% der weltweiten Sozialleistungen auf." Das, verbunden mit der demographisch problematischen Entwicklung innerhalb Europas, bringe die Frage mit sich, was Europa unternehmen müsse, um langfristig im globalen Wettbewerb leistungsfähig zu bleiben? "Europa kann keinen Kostenwettbewerb gewinnen, aber in einem Wettbewerb der Talente und Innovation kann es erfolgreich sein. Das aber nur, wenn Europa als Einheit auftritt. Denn bis 2030 wird kein einzelnes Land der EU mehr unter den Top-10 der globalen Wirtschaftsnationen stehen. Als gemeinsame starke Union, die an einem Strang zieht, werden wir jedoch unter den Top-3 bleiben!", so Leitl. Ein wichtiger Schritt dafür seien mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung innerhalb Europas sowie eine effektive Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Leitl: "Wir müssen der Jugend Zukunftsperspektiven vermitteln."

Daniel Gros ging in seinen Ausführungen auf den aktuellen wirtschaftlichen Zustand der Union ein: "Die letzten fünf Jahre waren von einer Wirtschaftskrise dominiert, in den kommenden fünf Jahren wird Europa mit den "Aufräumarbeiten" dieser Krise beschäftigt sein, mit relativer Stabilität aber wenig Wachstum. Erst danach wird es wieder mehr wirtschaftliche Dynamik innerhalb der Europäischen Union geben." In Bezug auf die europäische Finanz- und Eurokrise sieht Gros den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und die Bankenunion als wichtigste und richtige Schritte für die künftige Stabilisierung der europäischen Wirtschaft. Die ehemalige österreichische Außenministerin (2004-2008) und jetzige Botschafterin in Frankreich, Ursula Plassnik, attestierte in Anbetracht der bevorstehenden Europawahlen, dass "Europa leider zu einem schwer "verkaufbaren Produkt" geworden ist. Der schleichende Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Union ist ein ernstes Problem. Wir, die politisch Verantwortlichen, müssen mehr für das Image und zur "Erklärung" des europäischen Projekts tun." Die Information darüber müsse verstärkt "in die Tiefe gehen". Plassnik: "Wir müssen dafür in die Schulen, die Betriebe und die Gemeinden - also zu den Bürgern direkt - gehen." (BS)

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