MAK DESIGN LABOR

Von der Kunst zum Alltag und zu neuer Lebensqualität: Zum 150-Jahr-Jubiläum des MAK wird die Studiensammlung komplett neuinterpretiert

Wien (OTS) - Das MAK positioniert sich zu seinem 150-Jahr-Jubiläum deutlicher denn je als Museum für Kunst und Alltag: Das MAK DESIGN LABOR, das exakt zum 150. Geburtstag am 12. Mai 2014 eröffnet wird, rückt die weltberühmte MAK-Sammlung stärker in Lebensnähe und gibt einen Einblick in den Facettenreichtum der angewandten Kunst. Auf 1.900 Quadratmetern Schaufläche erwarten das Publikum knapp 2.000 neu aufbereitete, nach gesellschaftlich relevanten Themen arrangierte Exponate. Partizipative Vermittlungsansätze vertiefen die Auseinandersetzung mit künstlerisch gestalteten Alltagsobjekten und der Schlüsselrolle von Design als zentrale Kraft für eine neue Lebensqualität.

"Unser erklärtes Ziel ist, über den künstlerisch gestalteten Gebrauchsgegenstand in den Alltag der Menschen zu treten. Mit dem MAK DESIGN LABOR wollen wir abseits der bisher von vielen Museen angewandter Kunst angestrebten Opulenz mit einem klaren Alltagsanspruch neue Besuchergruppen für die angewandte Kunst gewinnen", so MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein. Ein dem MAK DESIGN LABOR zugrunde gelegter, umfassender Designbegriff bezieht weite Teile der angewandten Kunst quer durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart ein und definiert Design als Motor für einen positiven Wandel.

Das MAK DESIGN LABOR, mit dem eine radikale Neupositionierung der ehemaligen MAK-Studiensammlung vorgenommen wurde, versteht sich als bewusster Gegenentwurf zur MAK-Schausammlung. In Anlehnung an Andy Warhols Zitat "When you think about it, department stores are kind of like museums" orientiert es sich an der Dramaturgie eines Supermarkts. In Zusammenarbeit mit dem renommierten österreichischen Designteam EOOS und unter kuratorischer Begleitung des IDRV -Institute of Design Research Vienna entstand ein dynamisches Konzept, in dem Sammlungsobjekte kontrastiert oder in Bezug gesetzt werden können. Kunsthistorische und interdisziplinäre Querverbindungen werden unmittelbar erlebbar.

Während die über 20 Jahre unveränderte MAK-Studiensammlung materialspezifisch geordnet war, fließen im MAK DESIGN LABOR Themen und Räume ineinander über. Neu geschaffene Durchgänge und die Umfunktionierung von Teilen des ehemaligen Flurs zu Ausstellungsflächen führen zu einem neuen Raumerleben. Mit dem MAK FORUM steht ein innovativer, flexibel nutzbarer Raum zur Verfügung, der als Begegnungsort ebenso wie als Experimentierfläche für Ausstellungen, Präsentationen und Vermittlungsformate genutzt werden kann. Die MAK-Galerie wurde in die Raumfolge integriert, am 12. Mai 2014 eröffnet dort im Rahmen der in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst entwickelten Reihe ANGEWANDTE KUNST. HEUTE eine Einzelausstellung des Wiener ArchitektInnenteams soma architecture.

Schon das Mobiliar schafft Nähe zu den BesucherInnen: So präsentieren etwa tischhohe Podeste die Objekte in Augenhöhe oder bieten die Möglichkeit zur aktiven Forschung an "Arbeitsplätzen". Eine modulare Programmierung der Ausstellungsräume ermöglicht maximale Flexibilität. Das MAK DESIGN LABOR kann spontan Initiativen setzen oder aktuellen Entwicklungen und Themen angepasst werden. Formate wie Carte Blanches, Crowdsourcing und partizipative Projekte unterziehen es zukünftig einem permanenten Wandel. Das IDRV kontextualisiert die einzelnen Bereiche mit alltagsnahen Interventionen zum positiven Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Ge-sellschaft. Mit Themen wie Ökologischer Fußabdruck, Offenes Archiv, Kreislaufwirtschaft oder 3D-Druck soll eine Brücke zu wichtigen Zukunftsthemen wie Arbeit, Produktion, Nachhaltigkeit und offenes Lernen geschaffen werden. Das MAK DESIGN LABOR präsentiert sich damit als Ort, der sich relevanter Themen für einen positiven Wandel annimmt.

Eingebettet in diese vernetzte Konzeption erwarten die BesucherInnen miteinander interagierende Themeninseln zu Kochen, Tischkultur, Sitzen, künstlerischer Produktion, Industrial Design, alternativen Produktionsweisen, Schrift und Ornament, aber auch zum generationenübergreifend inspirierenden Allgestalter Josef Hoffmann oder zum Modedesigner Helmut Lang.

DICHTER THEMEN-PARCOURS
Nicht zufällig startet der Parcours durch das MAK DESIGN LABOR mit einem Überblick über unterschiedliche Produktionsweisen. Während ausgewählte, mit dem Österreichischen Staatspreis für Design ausgezeichnete Alltagsgegenstände und Technologieprodukte wie Ernst W. Beraneks "Automatic Toastgrill" (1967) oder der "Camcopter" von Gerhard Heufler (2005) eine Erzählung über "Produzieren: Industriell" und Marktdogmen eröffnen, zeigt der Bereich "Produzieren: Alternativ" neue Wege im Design, die ein verändertes Konsumverhalten, neue Formen des Wirtschaftens und der Ressourcennutzung sowie einen sozialen Wandel implizieren. Materialexperimente wie von Studio Formafantasma oder Tomás Libertiny sind dort ebenso zu sehen wie prototypische DIY-Haushaltsgeräte im 3D-Druck von Jesse Howards. Demgegenüber beleuchten im Themenbereich P"roduzieren: Künstlerisch" elf künstlerische Positionen aus der MAK-Sammlung Gegenwartskunst, wie von Herbert Bayer, Birgit Jürgenssen, Gerwald Rockenschaub oder Jenni Tischer, unterschiedliche Fragestellungen zur Ästhetik und zum Verarbeitungswert von Materialien im Kontext von Geschichte, ideo-logischen Vorzeichen, kultureller Patina, Gender oder sozialen Praktiken.

Rund um die 1926 von der Wiener Architektin Margarethe Schütte-Lihotzky entworfene, weltberühmte "Frankfurter Küche", die als Prototyp der modernen Einbauküche und Meilenstein der Küchenentwicklung gilt, spannt der Themenbereich "Kochen" einen dichten Bogen von Entwürfen von Josef Hoffmann und Edmund Moiret, die den Auftakt der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Küche markieren, über standardisierte Modelle und überraschende Designlösungen, etwa auch aus dem südostasiatischen Raum, bis hin zu absoluten Utopie-Objekten, unter anderem von Ettore Sottsass oder Jerszy Seymour.

Auf eine eindrucksvolle Zeitreise zum gedeckten Tisch in unterschiedlichen Epochen lädt der Bereich "Essen und Trinken". Beginnend mit dem Mittelalter, als der Tisch noch keinen fixen Platz im Raum hatte, über die Renaissance und dem einsetzenden Interesse an der Dekoration des Essplatzes, das Barock mit der Erfindung des einheitlichen Services bis hin zur Demokratisierung der Essensaufnahme in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden alle Varianten der Tafeldeckung im europäischen Raum durchgespielt. Sakrale Gefäße oder Schalen des japanischen Teezeremoniells verdichten das Thema ebenso wie Tischtücher, Servietten oder Menükarten. Positionen unter anderem von Nina Levitt und den Eat Artists Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter diskutieren Tischkultur als Inspirationsquelle für die zeitgenössische Kunst.

Im Laborbereich zur dominierenden Haltung des Alltagslebens, "Sitzen", geben ausgewählte Sessel und Hocker exemplarisch Einblick in die vielfältige Typologie der Sitzmöbel und stellen unterschiedliche Materialien, Funktionsweisen und Entwicklungsstufen gegenüber. Gezeigt werden auch Sitzhaltungen, die der amerikanische Anthropologe Gordon W. Hughes in den 1950er Jahren gesammelt und gezeichnet hat: Sie verweisen auf die kauernden und hockenden Stellungen in Gesellschaften, die auf Sitzmöbel bislang weitgehend verzichtet haben.

Dem Höhepunkt im Schaffen von Josef Hoffmann und der Wiener Werkstätte ist der mittlere Raum, "Hoffmann Geometrisch", im MAK DESIGN LABOR gewidmet. In einer konzentrierten Schau wird die sogenannte geometrische Phase Hoffmanns, des einflussreichsten angewandten Künstlers in der Epoche Wien um 1900, präsentiert und verständlich gemacht, warum die geometrischen Entwürfe als der künstlerisch revolutionärste und spannendste Beitrag der angewandten Kunst der Wiener Moderne gelten. Wie kein zweiter steht Hoffmann -Gründungsmitglied von Secession, Wiener Werkstätte und Österreichischem Werkbund sowie Architekt, Ausstellungsgestalter und Designer von Möbeln, Glas, Porzellan, Keramik, Textilien und Metall -für die Idee des Gesamtkunstwerks, für die Beschäftigung mit unterschiedlichen Disziplinen und für Internationalität. Durch die Beschränkung auf seine wichtigste Schaffensphase soll die Bedeutung Hoffmanns und seines Umfelds einem breiten Publikum vermittelt werden. Im Dialog mit Hoffmann widmet sich der anschließende Raum "Dekorieren" Stoffen aus den Produktionen der Wiener Werkstätte, von Backhausen & Söhne und Philipp Haas. Gezeigt werden charakteristische Beispiele namhafter Entwerfer wie Josef Hoffmann, Dagobert Peche oder Koloman Moser, die den Facettenreichtum der textilen Produktion im Wiener Kontext vor Augen führen.

Ein eigener Bereich ist Modedesigner Helmut Lang gewidmet, der die 1990er Jahre mit seinem experimentellen und minimalistischen Stil prägte. Ausgewählte Entwürfe für Kleider und Accessoires dokumentieren im Raum "Helmut Lang Archiv" die Bedeutung des konzeptionellen und skulpturalen Entwurfs in seinem Modeschaffen. Lang, der seit 2006 als Künstler arbeitet, entwarf neben Kleidung den gesamten Markenauftritt seines Labels. Dem Thema Textil, einem der Kernbereiche des MAK, widmet sich auch die Präsentation des Archivs des Technologischen Gewerbemuseums TGM im Raum "Sammeln". Die 1914 ans MAK übergebene, einzigartige Stoffmustersammlung des TGM dokumentiert nahezu flächendeckend die ungemein reichhaltige industrielle Textilproduktion (ca. 20.000 Stoffbeispiele) des Habsburgerreichs in der Biedermeier-Zeit (zirka 1820 bis 1840). Mit unterschiedlichsten Textilien bestückte Kartontafeln zeigen die beeindruckende Fülle und Innovationskraft der Produktionen.

Um angewandte Kunst für Hand und Fuß geht es beim Thema "Schützen und Schmücken". Vielfach erstmals gezeigte Objekte aus Europa, Amerika und Asien, vom Mittelalter bis zur Gegenwart, thematisieren die körperlichen Extremitäten als Inspirationsquellen für Körperschmuck, schützende Accessoires oder künstlerische Produktionen. Von Schuhen und Handschuhen, Schmuck, Taschen, Tabatieren, Fächern über Türschnallen, ergometrische Werkzeuge bis hin zu Kunst- und Designobjekten, darunter Walter Pichlers berühmter "Fingerspanner" (1967), reicht das Spektrum der Exponate.

Kunstvolle Behälter für alle erdenklichen Objekte aus allen Zeiten und verschiedenen Kulturen - vom Abfalleimer über Kästen, Kassetten, Truhen, über Möbelgepäckstücke bis zu (Juwelen-)Schatullen - zeigt der Bereich "Transportieren". Neben Containern sind hier auch Taschen aus Europa, Amerika, der islamischen Welt und China, vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert sowie Beispiele für Verpackungen zu sehen. Demgegenüber wird das "Ornament" als gewichtiges Kommunikationsmittel betrachtet. Facettenreichtum, Bedeutung und Alltäglichkeit von ornamentaler Gestaltung und Schmuck werden thematisiert, BesucherInnen eingeladen, ihre Vorstellungen von Ornament beizusteuern.

Der daran anschließende Bereich Kommunizieren erzählt die Entwicklung der Schrift von der klösterlichen Tradition der Skriptorien zum Zweck der internen Vervielfältigung religiöser Schriften über individuelle Neuinterpretationen durch Schriftgestalter und Drucker wie Aldus Manutius, Johann Neudörffer, Giambattista Bodoni oder Francois Didot bis zu den Reformkunstbewegungen eines William Morris und Rudolf von Larisch. Thematisiert wir auch die Emanzipation der Schrift zum Mittel der Kunst, wie Beispiele von Lawrence Weiner, Jenny Holzer oder Betty Leirner zeigen. Plakate dokumentieren in diesem Kontext den weiten angewandten Kunstbereich Grafik.

Interaktion mit den BesucherInnen
Ein wesentliches Augenmerk des MAK DESIGN LABORs liegt auf partizipativen Vermittlungsformaten. BesucherInnen sollen vor Ort durch relevante Alltagsbezüge inspiriert werden. Umgekehrt lässt sich das MAK DESIGN LABOR von seinen BesucherInnen inspirieren: sie sind eingeladen, Meinungen und Anregungen zu hinterlassen. Das Museum wird zu einem öffentlichen Ort der Vielstimmigkeit. Es gibt auch etwas mitzunehmen: Der OPEN DATA-Strategie entsprechend werden etwa Stoffmuster aus dem TGM-Archiv zum freien Download zur Verfügung gestellt. Museumsbestände werden damit zum interkreativen Allgemeingut. Eine zentrale Rolle im Vermittlungsangebot nimmt das neu geschaffene MAK FORUM ein, in dem innovative Zugänge zu ausgewählten Themen des MAK DESIGN LABORS entwickelt werden. Geplant ist unter anderem eine regelmäßige Zusammenarbeit mit verschiedenen "Kreativen". Ziel ist, mittels Experimentierens verschiedene Produktionstechniken greif- und erfahrbar zu machen.

Auch in der Fertigstellungsphase des MAK DESIGN LABORs können BesucherInnen partizipieren: Ab Ende März werden sich EOOS/IDRV als MAK-Designers-in-Residence 2014 temporär im MAK DESIGN SPACE einmieten und unter Einbeziehung interessierter BesucherInnen an der Finalisierung des Projekts arbeiten. Während die Umbauarbeiten noch in Gang sind, wird hier geforscht, probiert, diskutiert und angepasst. Das MAK lädt zum Betatest.

Vertiefende Texte zu den einzelnen Themenkomplexen sowie Bildmaterial zum MAK DESIGN LABOR werden unter MAK.at/presse zum Download bereitgestellt.

PRESSEDATEN:

Pressekonferenz: Montag, 12. Mai 2014, 10:30 Uhr
Eröffnung: Montag, 12. Mai 2014, 18:30 Uhr
Ausstellungsort: MAK DESIGN LABOR, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien Ausstellungsdauer: permanent
Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr
Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei
Gestaltung: EOOS
Kuratorische Beratung: IDRV - Institute of Design Research Vienna MAK-Eintritt: Euro 7,90 / ermäßigt Euro 5,50 / Familienkarte Euro 11 Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19

Rückfragen & Kontakt:

Presse MAK
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
Sandra Hell-Ghignone, Veronika Träger, Lara Steinhäußer
Tel.: T: +43 1 711 36-233, 229, 212, F: +43 1 711 36 22
presse@MAK.at
http://www.mak.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MAK0001