Generaldirektorin Sabine Haag zum Ableben von Prof. Rudolf Strasser

Bedeutender Glassammler und Mäzen des Kunsthistorischen Museums 95-jährig verstorben

Wien (OTS) - Generaldirektorin Dr. Sabine Haag gibt im Namen des Kunsthistorischen Museums tief betroffen Nachricht, dass am Morgen des 10. März 2014 in Wien der bedeutende Glassammler und Mäzen des Museums Prof. Dkfm. Rudolf (von) Strasser im 95. Lebensjahr verstorben ist.

Rudolf Strasser von Gyorvar, 1919 in eine liberale Familie von Großgrundbesitzern und hohen k. k. Militärs in Preßburg geboren, hat in Wien Welthandel studiert und wurde als Mitglied der österreichischen Widerstandsbewegung 1940 von der Gestapo verhaftet. Es folgte Gefängnishaft bis zum Ende des Krieges. Nach seiner Befreiung durch die US-Armee hat er als Journalist für die "Salzburger Nachrichten" und die "APA" gearbeitet und war dann als Pressereferent unter Julius Raab in der Wirtschaftskammer tätig. 1954 übersiedelte er nach New York, wo er zuerst als Korrespondent österreichischer Medien wirkte und schließlich als Banker und Vize-Präsident einer amerikanischen Investmentgesellschaft Karriere machte. 1956 heiratete er Daisy Chorin, die aus Budapest nach New York gekommen war. Bald begann er mit dem Aufbau seiner Glassammlung und knüpfte auf seinen ausgedehnten Dienstreisen nach Europa Kontakte zu Sammlern, Händlern und Museen. Er investierte beträchtliche Teile seines Vermögens in den Ausbau seiner Sammlung. Als Präsident der Fellows des Corning Museum of Glass im Staat New York fand Rudolf Strasser Gleichgesinnte und eine Plattform für eigene Forschungen und Publikationen.

Mit seiner Rückkehr nach Wien im Jahr 1989 kamen auch die Gläser nach Österreich. Prof. Strasser hat sein bewegtes Leben in seinen Memoiren, die im Dezember 2011 bei Böhlau erschienen sind, ausführlich geschildert. Bereits 2003 publizierte er (ebenfalls bei Böhlau) seine Erinnerungen eines Glassammlers, in denen er kenntnisreich und amüsant über die Entstehung seiner großen Sammlung berichtet.

Als er 1999 der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums einen mit Emailfarben und Gold bemalten Glasbecher, der um 1480 in Venedig entstand und in der Fachliteratur als "Petroneller Willkhumb" bekannt ist, zum Geschenk machte, wurde die Idee geboren, seine bedeutende Glassammlung mit Objekten aus der Zeit von der Renaissance bis zum Biedermeier im Kunsthistorischen Museum in Form einer Sonderausstellung zu präsentieren und den 1980 in München erschienenen Catalogue raisonné der Sammlung Strasser neu und ergänzt aufzulegen. Unter dem Titel "Licht und Farbe. Dekoriertes Glas. Renaissance, Barock und Biedermeier" präsentierte der enthusiastische Glassammler seine umfangreiche Sammlung 2002 in den Räumen der Kunstkammer erstmals der Öffentlichkeit. Ein umfangreicher Sammlungskatalog ist damals in der Schriftenreihe des Kunsthistorischen Museums erschienen.

Prof. Strasser und seine Frau Daisy haben sich nach dem Ende dieser Ausstellung entschlossen, dem Kunsthistorischen Museum unter dem damaligen Generaldirektor Wilfried Seipel die bedeutende Sammlung von Gläsern aus der Renaissance und dem Barock (insgesamt 310 Objekte) zu übereignen. Damit war die Absicht des Sammlers verbunden, diese bedeutende Sammlung der Republik Österreich zu erhalten.

Ein kleinerer Teil dieser Glassammlung ist seit 1. März 2013 in der wiedereröffneten Wiener Kunstkammer zu sehen. Der weitaus größere Teil der Sammlung hat seit 21. März 2013 in vier eigens adaptierten Räumen im Hochschloss von Ambras als neu eingerichtete Dauerausstellung seine endgültige Heimstatt gefunden. Prof. Strasser selbst war intensiv in die Aufstellung seiner Sammlung in Schloss Ambras eingebunden und es war ihm noch vergönnt, an der Eröffnung teilzunehmen.

Die Kollektion an Biedermeiergläsern- und porzellanen wurde schließlich von den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein erworben und soll im Stadtpalais in der Bankgasse in Kürze ihre dauerhafte Aufstellung finden.

Damit hat sich der Traum erfüllt, eine bedeutende, über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung der Nachwelt als Ensemble zu hinterlassen und sie in eine ehemals kaiserliche und fürstliche Sammlung zu integrieren. Wir verneigen uns in Respekt vor der bedeutenden Persönlichkeit, dem Sammler und Mäzen. Das Kunsthistorische Museum wird Prof. Rudolf Strasser stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.

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