Unterrichtsausschuss: Großteils Bedenken über Bildungstest-Stopp

Heinisch-Hosek weiterhin für Aussetzen von PISA und Co.

Wien (PK) - "Die Bildungstests werden nicht für immer gestoppt", versprach Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute dem Unterrichtsausschuss des Nationalrats. Für dieses Frühjahr angesetzte Bildungsstandards- und Feldtestungen an Schulen müssten allerdings ein Jahr lang auf Eis gelegt werden, bis die Datensicherheit beim Bildungsforschungsinstitut Bifie, das diese Erhebungen durchführt, überprüft und gewährleistet ist. Datensicherheit sei hier essentiell, so Heinisch-Hosek, schon da auch die Testbeispiele elektronisch erfasst seien. Das gelte nicht zuletzt für Aufgaben der Neuen Matura, die zumindest in einzelnen Fächern an den meisten österreichischen Schulen für dieses Jahr angesetzt ist. Sollten noch länger Unsicherheiten der Datenlagerung im Bifie bestehen, würden den LehrerInnen entsprechende Ersatzbeispiele durch das Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellt, erklärte die Ministerin.

Die BildungssprecherInnen der Parteien bewerteten den Test-Stopp allerdings sehr unterschiedlich. Walter Rosenkranz (F) befürwortete zwar, dass unter anderem der PISA-Test abgesagt wurde, vermutete aber als eigentliches Motiv dafür die Kosten der Überprüfungen. "Das Datenleck wird als Ausrede gebraucht, um den Budgetplänen nachzukommen", befand er. Bekrittelt wurde das Aussetzen der Erhebungen dagegen von Brigitte Jank (V), Harald Walser (G), Robert Lugar (T) und Matthias Strolz (N). Stark bezweifelt wurde, ob ein genereller Test-Stopp tatsächlich mit dem Datenproblem an einem bestimmten Server zu rechtfertigen sei. Immerhin, führte Walser ins Treffen, seien seines Wissens direkt am Bifie keine Datenunsicherheiten bekannt. Jank befürchtete, dass die Absage der kommenden PISA-Teilnahme eine Rückkehr zu diesen internationalen Messungen verunmöglicht. Lugar wiederum vermutete als eigentlichen Hintergrund für das Aussetzen der Testungen den Versuch des Unterrichtsministeriums, die schlechte Kompetenzlage von Österreichs SchülerInnen nicht publik werden zu lassen. Mit alternativen Abwicklungssystemen solle der Test-Stopp rückgängig gemacht werden, fand Strolz, denn speziell die PISA-Testungen seien wichtige Parameter zur Weiterentwicklung des heimischen Schulsystems.

Kalmierende Töne kamen indes von den Sozialdemokraten. "Die Testungen sollten gestoppt werden, bis Licht ins Dunkel der kriminellen Machenschaften gebracht ist", sagte SPÖ-Mandatar Erwin Preiner. Aufgegriffen wurden von der SPÖ außerdem die von Heinisch-Hosek angeführten Projekte der nächsten Jahre, nämlich der Ausbau ganztägiger Schulformen, die sanftere Gestaltung der Schuleingangsphase und eine Ausweitung der Schulautonomie.

Heinisch-Hosek: Datensicherheit im Bifie eingehend prüfen

Eingangs skizzierte die neue Unterrichtsministerin ihr Vorgehen nachdem sie letzten Dezember Informationen über das Problem der Datenunsicherheit erhalten hatte. Keineswegs sei sie untätig geblieben, hielt Heinisch-Hosek fest. Vielmehr habe sie sofort bei den beteiligten Stellen - dem Bifie und der IT-Firma, die den betroffenen Datenserver in Rumänien betrieb - Untersuchungen veranlasst. Diese hätten ergeben, dass nicht ein Datenleck, sondern ein Hacker-Angriff die unverschlüsselte Veröffentlichung von E-Mailadressen österreichischer LehrerInnen und von Testergebnissen von rund 400.000 SchülerInnen verursacht hat. Das Bifie hatte die betroffenen Daten im Rahmen der Informellen Kompetenzmessung 2011 und 2012 gesammelt. Auf Grund des Verdachts einer kriminellen Handlung habe man Anzeige erstattet, behördliche Ermittlungen dazu seien gerade am Laufen, schilderte die Ministerin die Ereignisse der letzten Monate.

Sämtliche über das Bifie laufende Tests lasse sie jetzt umfassend auf Datensicherheit prüfen, verdeutlichte Heinisch-Hosek und habe daher die Landesschulratspräsidenten über die für 2014 aus Datenschutzgründen notwendige Aussetzung der Testungen unterrichtet. Darunter fallen die Bildungsstandard-Erhebungen, die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) der OECD, die Mathematik- und Naturwissenschafts-Testung TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study), die Lesekompetenz-Erhebung PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study) und die dafür notwendigen Vortestungen. Nach derzeitigem Plan des Unterrichtsministeriums wird sich Österreich 2015 nicht an der PISA-Studie zur internationalen Schulleistungsmessung beteiligen. Die dafür notwendigen Feldtestungen seien nämlich unmöglich vor Ende des heurigen Schuljahres abzuschließen, da wohl kaum bis dahin die bestehende Datenunsicherheit ausgeräumt werden könne, erläuterte Heinisch-Hosek, auf den ursprünglichen Beginn dieser Testungen ab nächster Woche verweisend. Sehr wohl, betonte sie, sollten aber im nächsten Jahr die für heuer vorgesehenen Bildungsstandardtests in Deutsch stattfinden, überdies werde Österreich beim PISA-Test 2018 wieder dabei sein.

Ob der Aufsichtsrat des Bifie sich eigentlich schon vor dem aktuellen Vorfall mit der Gewährleistung von Datensicherheit ausreichend befasst habe, war für Harald Walser (G) und Asdin El Habassi (V) fraglich. Walter Rosenkranz (F) ortete ein generelles Problem beim Bildungsinstitut, seinem Aufbau, seinen Aufgaben und den im internationalen Vergleich hohen Kosten. Die Zukunft des Bifie sei im Moment ungewiss, erwiderte Heinisch-Hosek. Das Institut habe aber in den letzten Jahren wichtige Beiträge für die Weiterentwicklung des Bildungswesens geliefert. So böten die Bildungsstandarstests wichtige Hinweise auf Verbesserungsbedarf für die Schulstandorte. Doch werde die Ausgestaltung des Bifie eingehend geprüft, sagte die Unterrichtsministerin, "im Notfall" sei auch dessen Direktion in Frage zu stellen.

Die Auswahl der zuständigen Sicherheitsfirmen hinterfragten in diesem Zusammenhang Wendelin Mölzer (F) und Matthias Strolz (N), wobei Letzterer zur Suche nach alternativen Subdienstleistern für die diesjährigen Testungen aufrief. Mölzer bekrittelte speziell die Praxis, sensible Daten auf ausländischen Servern zu lagern. Heinisch-Hosek stellte klar, sie könne nicht übereilt eine beliebige Firma für die Sicherheitsprüfung der Speicherung sensibler Daten heranziehen. Die Feststellung Gerald Hausers (F), mit einem mehrjährigen Testungsausfall seien sämtliche Schulreformen in der Schwebe, da die nötigen Evaluierungen fehlten, wies die Ministerin entschieden zurück, Österreich werde jedenfalls auch an internationalen Kompetenzmessungen wieder teilnehmen. Bei dem temporären Aussetzen der Überprüfungen gehe es keinesfalls um Einsparungen, so Heinisch-Hosek weiter. Wie sie die 68 Mio. €, angesprochen von Julian Schmid (G), einsparen werde, darüber berate sie derzeit mit dem Finanzministerium.

Aussprache von Ganztagsschule bis Schulnoten

Neben der aktuellen Datensicherheitslage bei Bildungstests brachten die die SPÖ-Abgeordneten Marianne Gusenbauer-Jäger , Daniela Holzinger und Andrea Gessl-Ranftl sowie von der ÖVP Karlheinz-Töchterle und Franz-Joseph Huainigg von der Ganztagsschule bis zur pädagogischen Inklusion von SchülerInnen mit Behinderung zahlreiche andere Schulthemen zur Sprache. So versicherte Heinisch-Hosek auf Töchterles Nachfrage, alternative Leistungsbewertung zusätzlich zu den Noten und die Reform der Matura gingen immer mit wissenschaftlicher Begleitung einher. Für flächendeckenden pädagogisch inklusiven Unterricht, von Huainigg eingefordert, fehle es derzeit leider an den nötigen Geld- und Personalressourcen, gab die Ministerin zu verstehen. Sie verdeutlichte aber ihren Einsatz für die weitere Implementierung von Modellregionen zur schulischen Inklusion. Mit dem Gemeinde- und dem Städtebund befände sie sich in laufenden Gesprächen für mehr verschränkte und nicht-verschränkte Ganztagsschulen, erfuhr Holzinger. An Gessl-Ranftl gerichtet kündigte Heinisch-Hosek eine Datenbank mit sämtlichen Informationen über Initiativen an, durch die Frauen der Einstieg in technische Berufsfelder erleichtert werden soll. Persönliches Anliegen sei ihr außerdem, unterstich die Bundesministerin auf eine Frage Gusenbauer-Jägers, Kindern den Übergang vom Kindergarten in die Volksschule zu erleichtern. Sie strebe deswegen Übereinstimmung mit den Bundesländern an, in Modellprojekten Teile der Kindergartenpädagogik auch in die erste Volksschulklasse zu bringen bzw. verschiedene Jahrgänge der Grundstufe gemeinsam zu unterrichten. (Fortsetzung Unterrichtsausschuss) rei

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