OÖNachrichten-Leitartikel: "Das Aus für PISA - eine Panikattacke", von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 13. März 2014

Linz (OTS) - Dass Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) Österreichs Teilnahme am internationalen Bildungsvergleichstest PISA abgesagt hat, kann mit rationalen Argumenten nicht erklärt werden. Es ist ein Hüftschuss. Oder noch treffender: Es ist eine Panikattacke. Die offizielle Begründung, man könne derzeit nicht für die Sicherheit der Daten garantieren, ist ein schwacher Vorwand für eine Entscheidung dieses Ausmaßes. Offensichtlich ist man im Unterrichtsministerium nach den jahrelangen Querschüssen und Grabenkämpfen um PISA so dünnhäutig und mürbe geworden, dass man sich zu dieser Überreaktion hat hinreißen lassen.
Aber darf uns das überraschen?
PISA wurde bei uns immer irrational debattiert. Der Vergleichstest, an dem alle Staaten der OECD und damit die führenden Industrienationen der Welt teilnehmen, geriet zwischen die Fronten der heimischen Bildungspolitik.
PISA wurde instrumentalisiert, vor allem im rot-schwarzen Streit über die Gesamtschule. PISA wurde überhöht und andererseits verteufelt. Letzteres übrigens von vielen, die jetzt plötzlich scharfe Kritik daran üben, dass Heinisch-Hosek Österreich von PISA abgemeldet hat. PISA war immer schon eine Spielwiese für parteipolitischen Opportunismus.
Vielleicht ist die jüngste Eskalation auch eine Chance, endlich einen klaren Blick auf PISA zu werfen. Dieser Bildungsvergleich mit anderen OECD-Staaten und Bildungssystemen ist grundsätzlich gut und notwendig. Die Ergebnisse sind selbstverständlich nicht das Evangelium, aber sie liefern uns Orientierung. Wenn manche Länder, etwa in Skandinavien, kontinuierlich besser abschneiden als wir, dann sollte man das zumindest als Anregung verstehen und den Ursachen auf den Grund gehen.
Österreich gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Bildung legt die Basis dafür, dass das so bleiben kann. Darum dürfen wir uns nicht zufriedengeben, wenn wir in internationalen Vergleichstests wie bei PISA bestenfalls guter Durchschnitt sind. Vor allem wäre es unverantwortlich, auf diese Standortbestimmung gänzlich zu verzichten - eine ordentliche Blamage wäre das obendrein.
Gabriele Heinisch-Hosek hat bisher stets solide agiert. Man möchte ihr raten: Frau Minister, atmen Sie durch - und revidieren Sie Ihre unglückliche Entscheidung.

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