E-Control: Energiemarkt ist in Bewegung gekommen

Rekordwechselzahlen von 2013 könnten heuer nochmals übertroffen werden - Potenzial für Preissenkungen - Mehr Wettbewerb durch Entflechtung

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0122 vom 12.03

Mit rund 148.000 Haushalten und Unternehmen haben in
Österreich im vergangenen Jahr so viele Kunden wie noch nie ihren Strom- und Gaslieferanten gewechselt. "In den heimischen Energiemarkt ist im vergangenen Jahr deutlich Bewegung gekommen.", sagt Martin Graf, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control. Im heurigen Jahr werde sich der Trend fortsetzen, betont Graf und verweist auf die mehr als 260.000 Registrierungen bei der VKI-Energiekostenaktion. "Über fünf Prozent der österreichischen Haushalte haben bereits klar ihr Interesse an einem Lieferantenwechsel deponiert. Wir hoffen, dass möglichst viele auch tatsächlich wechseln." Die E-Control rechnet damit, dass die Rekordwechselzahlen 2013 heuer nochmals übertroffen werden. "Hält das derzeitige Interesse am Anbieterwechsel an, ist eine Steigerung der Wechselraten von mindestens 30 bis 40 Prozent im heurigen Jahr möglich.", meint Graf. Das würde Wechselraten von bis zu 2,5 Prozent bei Strom und 3,6 Prozent bei Gas entsprechen. Im europäischen Vergleich wären aber auch dann die heimischen Wechselzahlen nach wie vor bescheiden. In Deutschland etwa wechselten 2012 5,7 Prozent ihren Strom- und 5,5 Prozent ihren Gasanbieter. In Tschechien suchten sich im selben Jahr 7,5 Prozent einen neuen Strom-und 11,9 Prozent einen neuen Gaslieferanten.

Graf: "Wettbewerb hat zugenommen"

Seit Herbst haben einige Stromlieferanten wie Verbund, EnergieAllianz (Wien Energie, EVN, Energie Burgenland) und Salzburg AG ihre Energiepreise für Strom gesenkt. Auch bei Gas haben nach dem Ende der Preiserhöhungswelle zu Beginn des Vorjahres seit Herbst einige Gaslieferanten ihre Energiepreise gesenkt. Zuletzt versuchten einige Lieferanten die Angebote der VKI-Aktion "Energiekosten Stop" mit günstigeren Rabatten und Tarifen zu unterbieten. "Es ist zu erkennen, dass der Wettbewerb zugenommen hat. Das Potenzial bei Preissenkungen ist aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft - sowohl was Anzahl als auch Ausmaß der Senkungen betrifft.", sagt Graf. Von Preissenkungen profitiert haben bisher ca. 60 Prozent aller Stromhaushalte und etwas mehr als 80 Prozent aller Gashaushalte.

Luft für weitere Preissenkungen vorhanden

Vorstand Martin Graf sieht bei den Energieunternehmen insbesondere bei Strom Luft für weitere Preissenkungen. "Tatsache ist, dass die Großhandelspreise für Strom seit 2008 im Jahresdurchschnitt um mehr als 44 Prozent gesunken sind - an die Haushalte wurden diese Preissenkungen aber kaum weitergegeben." Auch bei Gas besteht eine deutliche Lücke zwischen den höheren Haushaltspreisen und den seit Jahren niedrigeren Großhandelspreisen. Höhere Belastungen tragen die Haushalte zudem durch die mit Anfang 2014 gestiegenen Ökostromkosten. Diese erhöhen sich für einen Musterhaushalt von rund 65 Euro jährlich im Jahr 2013 auf heuer rund 83 Euro (inkl. MWSt). In liegen die Ökostromkosten für einen Durchschnittshaushalt heuer bei rund 250 Euro (inkl. MWSt).

Wie geht es mit den Preisen weiter?

Die E-Control geht aufgrund der gegenwärtigen Marktsituation davon aus, dass die Großhandelspreise für Strom heuer weiter sinken werden. 2013 kostete eine Megawattstunde Strom an der Börse im Durchschnitt zwischen 38 und 42 Euro. "Heuer werden sich die Stromgroßhandelspreise weiter nach unten bewegen", glaubt Vorstand Walter Boltz. Bei Gas ist mit stabilen bzw. sinkenden Großhandelspreisen zu rechnen. Aufgrund des geringen Gasverbrauchs in diesem Winter sind die Gasspeicher nach wie vor gut gefüllt, sodass die Nachfrage nach Gas für die Einspeicherung in den Sommermonaten geringer ausfallen wird. "Dies könnte - zusammen mit dem anhaltenden Verbrauchsrückgang im Kraftwerksbereich - auch zu sinkenden Großhandelspreisen führen", so Boltz. Abzuwarten bleibe aber, wie sich die politische Krise in der Ukraine entwickelt und ob es zu Lieferkürzungen der Gazprom Export für die ukrainische Naftogaz kommt, die im vergangenen Jahr 29 Milliarden Kubikmeter Gas von Gazprom bezogen hat. "In einem solchen Fall könnten die Preise steigen.", so Walter Boltz.

Es gibt noch viel zu tun

Generell hat sich bei der Dynamik des Wettbewerbs im vergangenen Jahr einiges bewegt. "Es ist sehr erfreulich, dass es hier erstmals seit Langem Positives zu berichten gibt. Die heimischen Strom- und Gaskunden haben sich im Jahr 2013 intensiver als viele Jahre zuvor mit den Thema Strom- und Gas beschäftigt, die Unternehmen haben darauf mit Aktionen oder Werbeaktivitäten reagiert - in Summe ist also durchaus Bewegung in den Markt gekommen.", zieht Walter Boltz insgesamt ein positives Resumee des Jahres 2013. "Allerdings ist weiterhin viel zu tun, noch ist bei Weitem kein perfekter Marktzustand erreicht.", so Boltz weiter. "Ziel der E-Control ist, dass der Wettbewerb dafür sorgt, dass die Kunden automatisch mit günstiger Energie versorgt werden. Das ist leider noch nicht der Fall. Deshalb wird es notwendig sein, weiter daran zu arbeiten, Prozesse zu optimieren, die Transparenz im Markt zu erhöhen, um mehr aktive Wettbewerber zu bekommen.", so Walter Boltz.

Entflechtung soll für mehr Wettbewerb sorgen

Ein wichtiger Baustein für mehr Wettbewerb ist die klare Trennung zwischen Energielieferant und Netzbetreiber. Seit Ende dieses Jahres sind die Außenauftritte aller heimischen Netzbetreiber, deren Mutterunternehmen auch als Lieferant tätig ist, neu gestaltet. So heißt etwa der Netzbetreiber in Niederösterreich seither "Netz Niederösterreich" und nicht mehr "EVN Netz". "Für den Energiekunden ist damit klarer, dass Lieferant und Netzbetreiber zwei unterschiedliche Unternehmen sind. Der eine ist derjenige der Strom oder Gas liefert - diesen kann ich wechseln. Der andere, der Netzbetreiber, ist für Betrieb und Instandhaltung des Netzes zuständig - den kann ich nicht wechseln, der bleibt abhängig vom Wohnort immer derselbe." Bisher habe es häufig Verwechslungen gegeben, erläutert Vorstand Walter Boltz. "Viele Menschen glaubten, Lieferanten und Netzbetreiber sind dasselbe - diese Unterscheidung ist nun klarer." Boltz erhofft sich dadurch eine weitere Erhöhung des Wettbewerbs und mehr Lieferantenwechsel. Die Anpassung der Außenauftritte der Unternehmen wurde aufgrund von EU-Vorgaben notwendig - im Zuge der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte ist es nicht erlaubt, dass der Verkauf von Energie und der Betrieb des Netzes von ein und demselben Unternehmen durchgeführt wird.

Entflechtung hilft wenig, wenn sie nicht gelebt wird

"Theoretisch wurde das Unbundling mittlerweile ja von allen Unternehmen umgesetzt. Die neuen Logos sind auch gut unterscheidbar und klar ersichtlich, welches Logo nun für den Lieferanten und welches für den Netzbetreiber gilt. Das nützt nur leider wenig, wenn die Trennung nicht gelebt und in der Praxis auch umgesetzt wird. Hier haben wir in der Schlichtungsstelle auch immer wieder mit Fällen, die zu Problemen führen, zu tun.", erläutert Walter Boltz. So ist es beispielsweise keine Seltenheit, dass Kunden, die neu irgendwo einziehen und sich neben dem obligatorischen Netzvertrag gleich von Beginn an von einem alternativen Lieferanten versorgen lassen möchten, mit diesem Wunsch scheitern. "Immer wieder wenden sich verärgerte Kunden an uns, denen vom Netzbetreiber der Liefervertrag vom lokalen Anbieter, also vom Schwesterunternehmen, zur Unterschrift vorgelegt wird. Eine Praxis, die wir aufs Schärfste kritisieren und die nicht rechtskonform ist.", berichtet Walter Boltz. Auch der Außenauftritt der Unternehmen (wie beispielsweise die Beschriftungen auf Autos, Trafostationen usw) ist bei Weitem noch nicht da, wo er sein sollte und selbst in Schreiben an die Kunden wird noch immer nicht klar dargestellt, wer denn eigentlich der Absender - also der Lieferant oder der Netzbetreiber - ist. "Fälle, denen die E-Control nun vermehrt nachgehen und die Unternehmen zur Änderung und korrekten Darstellung auffordern wird.", so Walter Boltz.

Audiostatements von dem Pressegespräch stehen demnächst auf www.o-ton.at zur Verfügung.

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Mag. Bettina Ometzberger
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