AK Kaske fordert Respekt: Ausbeutung junger Menschen durch Scheinpraktika muss aufhören

Wien (OTS) - Praktika sollen dazu dienen, Menschen in Ausbildung oder kurz nachher im Rahmen eines Betriebes erste Erfahrungen als Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Ein Streifzug durch Jobbörsen im Internet zeigt allerdings rasch, dass das von manchen Unternehmen anders gesehen wird: Sie inserieren unverhohlen normale Arbeitsverhältnisse, in denen volle Arbeitsleistung gefordert wird, als "Praktikum" und das noch "zu einem Hungerlohn unter den Mindestgehaltsvorschriften", kritisiert AK Präsident Rudi Kaske. "Solche Ausbeutungsmodelle sind nicht hinzunehmen. Auch wenn das Etikett Praktikum darauf klebt, muss in diesen Fällen jedenfalls das kollektivvertragliche Mindestgehalt gezahlt werden." Jungen Menschen, denen in solchen Scheinpraktika harte Arbeit für wenig Geld abverlangt wurde, rät Kaske, sich von Gewerkschaft oder AK beim Eintreiben der Gehaltsdifferenz und anderer Ansprüche unterstützen zu lassen. "Liegt ein reguläres Arbeitsverhältnis vor, ist auch das Arbeitsrecht samt kollektivvertraglichen Entgeltvorschriften anzuwenden", fordert Kaske mehr Respekt von den Unternehmen für die Leistungen der ArbeitnehmerInnen.

Besonders anfällig für derartigen Missbrauch scheinen gewisse Bereiche der Kreativwirtschaft zu sein. So definiert etwa eine Werbe-und PR-Agentur ein "Praktikum" für Grafik als "definitiv kein Nine to five-Job für Kaffeeholer und Aktenableger" und bietet dafür nur deutlich unter kollektivvertragliche 800 Euro. Zwar werden hierbei entsprechende Kenntnisse in Computergrafik-Programmen gefordert, irgendein Zusammenhang mit einer noch laufenden oder schon abgeschlossenen Ausbildung wird aber nicht hergestellt.

Ein Unternehmen, das einen Online-Marktplatz für Weiterbildung betreibt, sucht einen Studenten - ohne Angabe der Studienrichtung -für die Bewältigung "herausfordernder Aufgaben" in 20 bis 30 Wochenstunden um 150 Euro monatlich. Ein Newcomer im Internetmarketing bietet für die gleiche Arbeitszeit ganze 200 Euro im Monat.

Aber auch große und renommierte Unternehmen können nicht widerstehen: Eine Hotelkette sucht eine/n PraktikantIn für Onlinemarketing und Content-Management, gesteht aber offen ein, dass es sich um einen "normalen Arbeitsvertrag" handelt und bietet für 40 Wochenstunden ein Monatsbrutto von 800 Euro.

"Solche Gepflogenheiten gehören abgestellt", sagt Kaske, "und auch für echte, wirklich der Ausbildung gewidmete Praktika brauchen wir klare Regeln." Hier wünscht sich der AK Präsident, dass - wie das bei im Schulrecht vorgeschriebenen Pflichtpraktika oft der Fall ist - die Kollektivvertragspartner die zustehende Abgeltung festschreiben.

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