TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 9. März 2014 von Alois Vahrner - Ein Spagat, der weh tut

Innsbruck (OTS) - Die ÖVP ist hin- und hergerissen: Konzentration auf die immer weniger werdenden Stammwähler oder inhaltliche Öffnung?

Der jüngste Eiertanz um ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare hat es erneut gezeigt: Die ÖVP weiß einfach nicht so recht, wohin sie eigentlich will.

Dass ÖVP-Bundesparteichef der wohl härteste Job in Österreich ist, erlebt Michael Spindel egger seit Monaten schmerzvoll am eigenen Leib. Die anderen Parteien spielen dabei maximal kleine Nebenrollen, die meisten Probleme verursacht sich die Volkspartei wie schon öfter in ihrer Vergangenheit vor allem selbst.
Dass Spindelegger auch eine Reihe von Fehlern etwa bei Postenbesetzungen begangen hat und damit etliche schwarze Granden gegen sich aufgebracht hat, ist das eine. Hauptproblem war und ist aber der Gemischtwarenladen an unterschiedlichsten Meinungen, Einstellungen und Interessen, allen voran die Bünde und Bundesländer. Eine mitunter große Spannbreite hat zwar auch der Koalitionspartner SPÖ zu bändigen, vielfach verläuft dies dann aber zumindest weit geräuschloser.
Dass beiden früheren Großparteien die Jungen davonlaufen (ob zu den Grünen, Blauen oder zu den NEOS) und die Pensionisten zur einzig verlässlichen Größe werden, muss in den Parteisekretariaten die Alarmglocken schrillen lassen.
Vor allem die ÖVP ist hin- und hergerissen, wie sie darauf reagieren soll. Inhaltliche Öffnung in Richtung junge und "urbane" Wählergruppen oder Stahlhelm auf und Konzentration auf die immer kleiner werdende Gruppe an Stammwählern und Kernschichten? Ein Spagat, der immer wieder weh tut. Mit der Bestellung von Meinungsforscherin Sophie Karmasin zur Familienministerin wollte Parteichef Spindelegger ein Öffnungssignal setzen. Ein Ministerium freilich mit wenig Kompetenzen, dem bisher keine "modernen" Ansagen der Partei, aber auch Karmasins folgten. Landwirtschaftsminis ter Andrä Rupprechter dachte laut über ein Adoptionsrecht für Homo-Paare nach - und wurde gleich gerüffelt. Der Stahlhelm dürfte sich durchsetzen.

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