Lunacek: "Faymann und Spindelegger sollen in Regierung und auf EU-Ebene Männerallianz gegen Gewalt an Frauen bilden"

Grüne: Eigenständiges Aufenthaltsrecht für Migrantinnen in allen EU-Mitgliedsstaaten einführen

Wien (OTS) - "Die Ergebnisse der neuen EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen sind mit einem Wort: erschreckend! Und sie sind auch und vor allem ein Alarmsignal an die Politik. Die Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedsstaaten sind massiv. Umso mehr ist die EU-Kommission gefordert, die Verantwortung nicht weiterhin an die Mitgliedsstaaten zu delegieren, sondern einen europäischen Gesetzesvorschlag auf den Weg zu bringen, der Prävention sowie Bekämpfung von Gewalt an Frauen ins Zentrum stellt. Um die Bewusstseinsbildung unter Männern voranzutreiben fordere ich Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger auf, bis zu den Aktionstagen gegen Gewalt gegen Frauen im November eine breite Allianz von Männern in der österreichischen Regierung als auch unter den EU-Staats- und Regierungschefs zu initiieren, um als Männer gegen Gewalt von Männern an Frauen aufzutreten - und sich so der White Ribbon-Kampagne anzuschließen", erklärte Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin der Grünen und Mitglied des Frauenausschusses im Europaparlament, bei der heutigen Präsentation der neuen Studie der europäischen Grundrechtsagentur zu Gewalt gegen Frauen im Haus der Europäischen Union.

Lunacek: "Vor 35 Jahren war ich beim Aufbau des Frauenhauses in Innsbruck aktiv beteiligt. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass sich mehr als drei Jahrzehnte später immer noch jede dritte Frau in der EU und jede fünfte Frau in Österreich körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt sieht, hätte ich das nicht glauben wollen. Jetzt haben mich die Fakten dieser Studie leider eines besseren belehrt. Umso mehr ist es jetzt geboten, dass die "Istanbul Konvention" des Europarates gegen Gewalt an Frauen so schnell wie möglich von weiteren sieben Staaten ratifiziert wird, damit sie endlich in Kraft treten kann. Auch die EU sollte der Konvention beitreten.
Daneben unterstütze ich die Idee, innerhalb der nächsten drei Jahre ein europaweites "Jahr gegen Gewalt an Frauen" auszurufen, wie dies im vergangene Woche im EP beschlossenen Bericht gegen Gewalt gegen Frauen gefordert wird. Und ein besonderes Anliegen muss es sein, die schwächsten Gruppierungen unter Frauen zu schützen. Da denke ich vor allem an Migrantinnen, die aus Angst ihren Aufenthaltstitel zu verlieren, an ihre gewalttätigen Ehemänner gefesselt sind. Hier gehört schnellstens ein eigenständiges Aufenthaltsrecht für diese Frauen in allen EU-Mitgliedsstaaten eingeführt. In Österreich sind in dieser Frage in den letzten Jahren Schritte in die richtige Richtung gesetzt worden, doch nach wie vor ist dieser Gewaltkerker für Migrantinnen noch immer nicht völlig aufgesperrt."

Organisiert vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser AÖF und der Wiener Interventionsstelle wurden bei der heutigen Präsentation in Wien vor allem die Ergebnisse für Österreich thematisiert. Österreich schneidet teilweise im EU-Vergleich besser ab, trotzdem zeigen die Ergebnisse, dass auch in Österreich noch vieles für einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt getan werden muss. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie für Österreich lauten: 20 Prozent der Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren; 15 Prozent der Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr Stalking erlebt und 35 Prozent der Frauen waren seit ihrem 15. Lebensjahr einer Form der sexuellen Belästigung ausgesetzt.

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