- 02.03.2014, 21:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 3. März 2014 von Florian Madl "Und jährlich grüßt das Murmeltier"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Der FC Wacker Innsbruck stellt die
Leidensfähigkeit seiner Anhänger auf eine harte Probe. Sportliche und
finanzielle Unzulänglichkeiten, gepaart mit zwiespältiger
Außenwirkung, lassen die Akzeptanz sinken. Nicht aber die Hoffnung.
Es gehört zum Tiroler Sportjahr wie Bergiselspringen und
Hahnenkammwochenende: Dem FC Wacker Innsbruck steht das Wasser in der
zweiten Saisonhälfte sportlich wie wirtschaftlich regelmäßig bis zum
Hals, treuherzige Beteuerungen lösen sich plötzlich in Luft auf. Der
Kreditschutzverband stufte den Verein kürzlich mit dem Faktor 437 ein
- "ausschließlich auf Fremdmittel angewiesen". Und auch in der
Bundesliga-Tabelle ist der Verein mittlerweile auf fremde Hilfe
angewiesen - jene der Ligakonkurrenten, die Abstiegsrivalen tunlichst
Punkte wegnehmen sollten. Seit Jahren springt die öffentliche Hand
finanziell in die Bresche, deren Budgetdeckung je nach Rechenart bei
70 Prozent oder höher liegt. Die Art des Handaufhaltens konnte in den
vergangenen Jahren zumindest kultiviert werden, die Bitte um
Zuschüsse wird mittlerweile nicht mehr in Forderungen verpackt.
Sportlich entspannten zuletzt Juristen die Situation: mit einem
Punkteabzug für die finanziell ebenfalls marode Admira, Schlusslicht
bleiben die Tiroler dennoch. Ein Mensch, dem das Wohl des Vereins am
Herzen liegt, muss also in vielerlei Hinsicht masochistisch veranlagt
sein. Dennoch bleibt der Verein eine Herzensangelegenheit vieler, und
das aus gutem Grund: 40.000 Mitglieder zählt der
Landesfußballverband, eine Arbeit ohne den FC Wacker würde viele von
ihnen einer Vision berauben. Der Verein eignet sich als
gesellschaftlicher Fixpunkt, "Wacker-Schaugn" bewegt Zuschauermengen
und bisweilen sogar -massen. Das allwöchentliche Motto des Tiroler
Integrationsprojekts: Tradition trifft auf Moderne, auch wenn der FC
Wacker dort seit seiner Pleite zur Jahrtausendwende noch nicht
angekommen ist. Und der FC Wacker erfüllt auch als Mieter der größten
Sportimmobilie Tirols seinen Zweck, ein ohnehin nicht
multifunktionales Tivolistadion bedarf zumindest eines Hausherren.
Es fiele also schwer, bei einem Abstieg in Liga zwei
"situationselastisch" zu reagieren, dort stünde das Projekt Wacker
auf besonders wackligen Beinen. Mit 4,5 Millionen Euro pro Saison
immer noch teuer, aber für Sponsoren und Zuschauer mit Gegnern wie
Parndorf ungleich weniger attraktiv.
Der FC Wacker schafft es seit einem Jahrzehnt nicht, sich in
Österreichs oberster Spielklasse zu etablieren. Das gelingt Vereinen
wie Ried, darüber sollte man nachdenken: ab dem 11. Mai, dem Tag des
letzten Saisonspiels und hoffentlich nicht dem letzten in der
Bundesliga.
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