TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 3. März 2014 von Florian Madl "Und jährlich grüßt das Murmeltier"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Der FC Wacker Innsbruck stellt die Leidensfähigkeit seiner Anhänger auf eine harte Probe. Sportliche und finanzielle Unzulänglichkeiten, gepaart mit zwiespältiger Außenwirkung, lassen die Akzeptanz sinken. Nicht aber die Hoffnung.

Es gehört zum Tiroler Sportjahr wie Bergiselspringen und Hahnenkammwochenende: Dem FC Wacker Innsbruck steht das Wasser in der zweiten Saisonhälfte sportlich wie wirtschaftlich regelmäßig bis zum Hals, treuherzige Beteuerungen lösen sich plötzlich in Luft auf. Der Kreditschutzverband stufte den Verein kürzlich mit dem Faktor 437 ein - "ausschließlich auf Fremdmittel angewiesen". Und auch in der Bundesliga-Tabelle ist der Verein mittlerweile auf fremde Hilfe angewiesen - jene der Ligakonkurrenten, die Abstiegsrivalen tunlichst Punkte wegnehmen sollten. Seit Jahren springt die öffentliche Hand finanziell in die Bresche, deren Budgetdeckung je nach Rechenart bei 70 Prozent oder höher liegt. Die Art des Handaufhaltens konnte in den vergangenen Jahren zumindest kultiviert werden, die Bitte um Zuschüsse wird mittlerweile nicht mehr in Forderungen verpackt. Sportlich entspannten zuletzt Juristen die Situation: mit einem Punkteabzug für die finanziell ebenfalls marode Admira, Schlusslicht bleiben die Tiroler dennoch. Ein Mensch, dem das Wohl des Vereins am Herzen liegt, muss also in vielerlei Hinsicht masochistisch veranlagt sein. Dennoch bleibt der Verein eine Herzensangelegenheit vieler, und das aus gutem Grund: 40.000 Mitglieder zählt der Landesfußballverband, eine Arbeit ohne den FC Wacker würde viele von ihnen einer Vision berauben. Der Verein eignet sich als gesellschaftlicher Fixpunkt, "Wacker-Schaugn" bewegt Zuschauermengen und bisweilen sogar -massen. Das allwöchentliche Motto des Tiroler Integrationsprojekts: Tradition trifft auf Moderne, auch wenn der FC Wacker dort seit seiner Pleite zur Jahrtausendwende noch nicht angekommen ist. Und der FC Wacker erfüllt auch als Mieter der größten Sportimmobilie Tirols seinen Zweck, ein ohnehin nicht multifunktionales Tivolistadion bedarf zumindest eines Hausherren. Es fiele also schwer, bei einem Abstieg in Liga zwei "situationselastisch" zu reagieren, dort stünde das Projekt Wacker auf besonders wackligen Beinen. Mit 4,5 Millionen Euro pro Saison immer noch teuer, aber für Sponsoren und Zuschauer mit Gegnern wie Parndorf ungleich weniger attraktiv.
Der FC Wacker schafft es seit einem Jahrzehnt nicht, sich in Österreichs oberster Spielklasse zu etablieren. Das gelingt Vereinen wie Ried, darüber sollte man nachdenken: ab dem 11. Mai, dem Tag des letzten Saisonspiels und hoffentlich nicht dem letzten in der Bundesliga.

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