"matinee" am 2. März im Zeichen starker Frauen: Dokus über Bertha von Suttner und Erika Pluhar zum 75. Geburtstag

Außerdem: "Die Kulturwoche"

Wien (OTS) - Anlässlich des Internationalen Tags der Frau (8. März) steht die "matinee" am Sonntag, dem 2. März 2014, ab 9.05 Uhr in ORF 2 ganz im Zeichen starker Österreicherinnen: Den Auftakt macht die Dokumentation "Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin aus Österreich", ein Porträt der ersten Frau, die 1905 die begehrte Auszeichnung erhielt, vor allem für ihr flammendes Engagement für die pazifistische Bewegung. Danach folgt um 9.55 Uhr die Dokumentation "Erika Pluhar - Trotzdem. Mein Leben" zum 75. Geburtstag der Wiener Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin und Regisseurin, die ihre Stimme nicht nur für die Kunst, sondern auch immer wieder in politischen Auseinandersetzungen erhoben hat und als Sinnbild für eine starke, selbstbewusste wie selbstständige Frau gilt. Abschließend wirft die "matinee", durch die Martin Traxl begleitet, um 10.40 Uhr in "Die Kulturwoche" einen Rückblick auf das Kulturgeschehen der vergangenen Tage.

"Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin aus Österreich" (9.05 Uhr)

Jeder weiß, wie sie aussieht, weil ihr Bild jahrelang den Tausend-Schilling-Schein zierte, aber die wenigsten wissen, wer eigentlich die Frau war, die 1905 mit dem ersten Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Erfolg und Weltruhm waren Bertha von Suttner nicht in die Wiege gelegt und ihre Lebensgeschichte liest sich wie ein Roman: Adeliger Vater heiratet Bürgerliche und stirbt vor der Geburt der Tochter, anschließend verspielt die Mutter das Erbe in den Casinos Europas. Nach unglücklichen Verlobungen ist Bertha mit 30 noch immer unverheiratet und muss als Gouvernante arbeiten. Sie verliebt sich in den jüngeren Sohn des Hauses Suttner und wird entlassen. Auf eine Annonce hin nimmt sie eine Stelle als Privatsekretärin bei einem Industriellen in Paris an - es handelt sich um den berühmten Alfred Nobel (1833-1896), den schwerreichen, aber menschenscheuen Erfinder des Dynamits. Doch die Liebe zu Arthur von Suttner (1850-1902) hält an und das Paar heiratet heimlich in Wien und flieht nach Georgien. Aus Geldnot beginnt Bertha von Suttner zu schreiben und wird Schriftstellerin.

"In ihren Memoiren beschreibt Bertha von Suttner selbst, dass sie als junges Mädchen eigentlich völlig naiv war, nichts von den politischen Bewegungen und Kriegen ihrer Zeit mitbekommen hatte", erzählt die Regisseurin der Dokumentation, Edith Stohl. "Im Kaukasus hat sie ums Überleben gekämpft, unter anderem indem sie sogenannte Frauenromane schrieb, die in der Heimat gerne gelesen wurden. Aber sie hat sich auch intensiv mit den geistigen Strömungen der Zeit auseinandergesetzt, etwas, das von einer Frau ihrer Zeit nicht erwartet wurde."
Als anerkannte Schriftstellerin kehrte Bertha von Suttner mit ihrem Mann nach fast zehn Jahren Abwesenheit aus dem Kaukasus nach Europa zurück. Zu etwas Geld gekommen, begann das Ehepaar Europa zu bereisen. In Paris traf Bertha wieder auf Alfred Nobel und hörte dort zum ersten Mal über die Londoner Friedensbewegung. Als glühende Anhängerin von Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, war sie überzeugt, dass letztendlich die menschliche Gesellschaft auch den Krieg überwinden werde. Der 1889 erschienene Roman "Die Waffen nieder", traf den Nerv der Zeit und machte Bertha von Suttner als Friedensaktivistin weltberühmt.
Das Porträt dieser Idealistin zeigt deren spannendes Leben und den schwierigen und endlosen Kampf, selbstbewusst einen eigenständigen Weg zu gehen.

"Erika Pluhar - Trotzdem. Mein Leben" (9.55 Uhr)

Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin, Regisseurin. Das und mehr ist Erika Pluhar. Mit 20 war sie Burgschauspielerin und der Traum der Männer, mit 30 vermeintliche Femme fatale, mit 40 Idol vieler Frauen und Männer, als sie sich politisch einmischte und nebenbei in Schönheit ergraute. Mit 60 sagte sie dem "Fremdtexttheater" Ade und wurde Bestsellerautorin. Sie überstand den Tod ihrer Tochter und zweier Lebenspartner.
Die Begegnungen mit Weggefährten und Gespräche im Hier und Jetzt sind es, die den Film von Sigrid Faltin so lebendig machen. Stationen des Bühnenlebens von Erika Pluhar ("Sommergäste"), legendäre Filmauftritte ("Bel Ami") oder Konzerte schaut sich die Protagonistin gemeinsam mit Regisseur Achim Benning oder Freund Werner Schneyder via Tablet an, das Assistentin Florentina immer dabei hat. Ex-Ehemann André Heller gibt im Wintergarten der Pluhar'schen Villa unumwunden zu: "Ich wollte sie besitzen." Dafür verjubelte er 1967 das Erbe aus der familiären Zuckerlfabrik gänzlich als Financier des Films "Moos auf den Steinen". Er wollte ja die Hauptdarstellerin kennenlernen. Die Ehe mit dem zehn Jahre Jüngeren hielt nicht lang, die Freundschaft zu ihm ein Leben. Erika Pluhars Offenheit führt die Zuschauerinnen und Zuschauer tief in das persönliche Leben einer sich immer wieder neu erfindenden Frau.
Über die tragischste Erfahrung ihres Lebens spricht Erika Pluhar nicht. In dem Moment, als sie ihre erst 37-jährige, schwer asthmakranke Tochter Anna tot im gemeinsamen Haus aufgefunden hatte, teilte sich ihr Leben in ein "Vorher" und ein "Danach". Geblieben ist ihr der Enkel- und Adoptivsohn Ignaz, mit dem sie lebt, der in ihren und anderen Filmen sowie im Theater seinem Beruf als Schauspieler nachgeht.
Über den Vater ihres einzigen Kindes, den wendigen und windigen, künstlerisch begabten Wiener Unternehmer Udo Proksch, der 1989 im Zusammenhang mit der Explosion des Frachtschiffs Lucona wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, spricht Erika Pluhar durchaus: mit dessen Schwester im traditionsreichen Café Demel, das Proksch damals gekauft hatte, um dem politischen Wiener Netzwerk einen Stammtisch zu geben. Die unglückliche frühe Ehe wurde nach nur sechs Jahren geschieden. "Er ist mehr und mehr in den Alkohol geglitten und hat mich auch geschlagen. Aber mein Plus war, dass ich immer meine schauspielerische Arbeit weiterverfolgt habe", resümiert die 75-Jährige. Auch ihre große Liebe, der Schauspieler Peter Vogel, war alkohol- und tablettenabhängig. Dennoch, mit ihm habe sie so etwas wie "ein glückliches Leben als Mann und Frau" hinbekommen. 1978, mit knapp 40 Jahren, ging ihr Geliebter freiwillig aus dem Leben.

Die "matinee" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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