- 21.02.2014, 14:26:01
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AK-Debatte: Mehr Güter auf die Schiene
Vertreter der Gewerkschaft vida, der Rail Cargo Austria, der Allianz pro Schiene, des Verkehrsministeriums und der WU Wien diskutierten in der AK
Utl.: Vertreter der Gewerkschaft vida, der Rail Cargo Austria, der
Allianz pro Schiene, des Verkehrsministeriums und der WU Wien
diskutierten in der AK =
Wien (OTS) - Mehr Güterverkehr auf die Schiene fordert die AK seit
Jahren. Derzeit werden etwa 32 Prozent der Güter auf der Schiene
transportiert. Ziel der österreichischen Verkehrspolitik ist es mit
einer konsequenten Verlagerungspolitik bis 2025 etwa 40 Prozent des
Güterverkehrs auf der Schiene abzuwickeln. Wie die Rahmenbedingungen
verbessert werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen, diskutierten
in der AK Wien Experten aus Gewerkschaft, Wirtschaft, Wissenschaft,
Bürgerinitiativen und Politik.
"Mehr Güter auf die Schiene bedeutet mehr Umweltschutz, mehr
Lärmschutz für die AnwohnerInnen von Straßen und mehr Sicherheit für
alle Verkehrsteilnehmerinnen", sagt die Leiterin der AK Abteilung
Umwelt und Verkehr, Sylvia Leodolter. "Dafür müssen jetzt die
richtigen Rahmenbedingungen gesetzt werden." Die AK fordert gezielte
Fördermaß-nahmen von Bund und Ländern für den Ausbau von
Güterterminals und Umschlagtech-nologien und die Bindung der
regionalen Wirtschaftsförderung an die Möglichkeit der
Schienennutzung. Weiters brauche es schärfere Kontrollen des
Lkw-Verkehrs, um Lohn- und Sozialdumping zu bekämpfen, verbesserte,
einheitliche Regelungen bei der Weiter-bildung von Lkw-Lenkern, die
eine Kostenentlastung für die Beschäftigten bringen, Nachtfahrverbote
in sensiblen Regionen für Lkw und eine Anpassung der Grenzwerte für
lärmarme Lkw an den aktuellen Stand der Technik.
"Die Probleme der Güterbahnen und ihrer Beschäftigten können nicht
auf der Schiene, sondern müssen vielmehr auf der Straße gelöst
werden", betont Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Sektion Verkehr
in der Gewerkschaft vida. Es bedürfe endlich gerechter europäischer
Wettbewerbsbedingungen. Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten
müssten verbessert werden. "Speziell auf den Straßen herrschen
Wildwest-Methoden. Osteuropäische Lkw-Fahrer erhalten bei einer 60
Stundenwoche einen Bruttolohn von 600 Euro. In der Folge geraten auch
bei der Bahn die Sozialstandards zunehmend unter Druck", kritisiert
Hebenstreit.
Eine Außensicht auf Österreich lieferte Dirk Flege, Geschäftsführer
des deutschen Ver-bands Allianz Pro Schiene: "Österreich steht aus
deutscher Sicht gut da, was den Marktanteil der Güterbahnen
anbelangt. Aber da geht noch mehr. Ein Schlüssel hierfür ist die
Kostenwahrheit im Verkehr, wodurch insbesondere der Lkw-Verkehr
teurer würde. Umwelt- und Unfallfolgeschäden müssen endlich
eingepreist werden."
Reinhard Bamberger, Vorstand der Rail Cargo Group erklärte:
"Ausgehend von unseren Heimmärkten Österreich und Ungarn sind wir als
Rail Cargo Group derzeit in 16 europäi-schen Ländern umweltfreundlich
auf der Schiene unterwegs. Um den Modalsplit-Anteil in Österreich,
wie von der AK gefordert, weiterhin zu erhöhen, muss die Schiene als
Ver-kehrsträger noch nachhaltiger und effizienter gestaltet werden.
Um dies umzusetzen, bedarf es jedoch einer Koalition aller Anbieter
(EVU), Lieferanten und Kunden am Markt."
DI Herbert Kasser, Generalsekretär des Bundesministeriums für
Verkehr, Innovation und Technologie sagte: "Österreich liegt im
Schienengüterverkehr an der Europaspitze: Trotz Wirtschaftskrise
halten wir bei einem Modalsplit von über 30 Prozent und nehmen eine
führende Rolle in der Frage der Kostenwahrheit ein. Diesen Weg wollen
wir fortsetzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene weiter
steigern. Das ist aber nur möglich, wenn wir es schaffen, vernetzte
Lösungen auf Basis des Gesamtverkehrsplans für Österreich zu
entwickeln und umzusetzen. Das bmvit wird auch weiterhin Maßnahmen
setzen, um z.B. über zielgerichtete Förderungen Wettbewerbsnachteile
der Schiene auszugleichen. Jedoch müssen auch die Stakeholder der
gesamten Transport- und Logistikkette ihren Beitrag leisten, damit
der Schienengüterverkehr effizienter und wettbewerbsfähiger wird."
Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand am Institut für
Transportwirtschaft und Logistik der WU Wien, dagegen meint: "Zu
lange haben in Europa die schützenden Hände der Staaten dazu
beigetragen, dass die Bahnen sich nicht marktorientiert aufgestellt
haben. Österreich hat gerade noch rechtzeitig den
Schienengüterwettbewerb etabliert. Nun müssen wir wegkommen von dem
Denken Straße gegen Schiene hin zu einer
Güterverkehrsgesamtsystembetrachtung."
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