Pendlerrechner endlich online: Chaos bleibt - AK-Kalliauer fordert gerechte Pendlerförderung

Linz (OTS) - Am Mittwoch der Vorwoche ist der Pendlerrechner des Finanzministeriums mit einer Verspätung von eineinhalb Monaten freigeschaltet worden. Doch die Ergebnisse, die er liefert, sind zum Teil abenteuerlich und völlig realitätsfremd. "Dieses Chaos ist eine Zumutung für die Pendlerinnen und Pendler!", stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. "Wir fordern eine rasche Bereinigung dieser Situation, aber auch die baldige Umstellung der Pendlerförderung auf eine sozial gerechte, entfernungsabhängige Vergütung."

Geradezu haarsträubend sind manche Ergebnisse des Pendlerrechners:
Einer Arbeitnehmerin aus dem Umkreis von St. Valentin empfiehlt der Pendlerrechner zum Beispiel, mit dem Auto bis zum Bahnhof St. Valentin zu fahren. Dort solle sie in den Zug einsteigen und knapp 35 Tarifkilometer nach Linz zurücklegen, dort in den Bus umsteigen und rund 17 Kilometer in die entgegengesetzte Richtung nach Enns-Kristein fahren!

Pendlerrechner empfiehlt statt 13 Minuten Fahrt 90 Minuten

In Summe mutet der Pendlerrechner dieser Frau für den Arbeitsweg von St. Valentin nach Enns eine Fahrtdauer mit öffentlichen Verkehrsmitteln von mehr als eineinhalb Stunden und eine Wegstrecke von 55 Kilometer zu. Dabei beträgt laut dem Routenplaner einer großen Suchmaschine dieser Arbeitsweg mit dem Auto nur 11,6 Kilometer und ist in 13 Minuten bewältigbar.

Die vom Pendlerrechner herangezogenen Fahrtrouten sind nicht nachvollziehbar und nicht überprüfbar. Einer Arbeitnehmerin aus Suben gesteht der Pendlerrechner zwar auch weiterhin das große Pendlerpauschale zu, da in ihrem Fall die Benützung von öffentlichen Verkehrsmittel nicht zumutbar ist. Bloß unterschlägt der Pendlerrechner dieser Frau zehn Kilometer pro Fahrt, sodass sie nur mehr das große Pendlerpauschale zwischen 40 und 60 Kilometer bekommen würde, obwohl der von ihr mit dem Auto zurückgelegte Arbeitsweg tatsächlich 69 Kilometer pro Fahrt beträgt und auch der Routenplaner zu diesem Ergebnis gelangt.

Lärmsparende Ortsumfahrungen werden nicht akzeptiert

Bei diesem Beispiel ermittelt der Pendlerrechner auch verschiedene Distanzen für die Hin- und Rückfahrt (59 bzw. 62 Kilometer). Warum er - entgegen den geltenden Lohnsteuerrichtlinien - die kürzere Fahrtstrecke als relevant erachtet, bleibt unerklärlich.

Der Pendlerrechner geht immer stur von der kürzesten Straßenverbindung aus. Ortsumfahrungen, die auch die Lärmbeeinträchtigung der Bevölkerung hintanhalten sollen und oft zeitlich günstiger sind, aber eine längere Distanz haben, werden somit nicht berücksichtigt.

Außerdem unterstellt der Pendlerrechner, dass Beschäftigte fixe Dienstzeiten haben, also immer zur selben Zeit ihren Dienst beginnen und beenden. Aufgrund einer Abfrage zu einem bestimmten Tag wird die Pendlerpauschale für das gesamte Jahr errechnet. Das ist einfach realitätsfremd. Tatsächlich führen andere Dienstzeiten oft zu anderen Verkehrsverbindungen.

Faire Pendlerförderung darf Geringverdiener nicht benachteiligen

"Die Pendlerinnen und Pendler sind schon genug belastet. Diese Pflanzerei durch das Finanzministerium haben sie nicht verdient", zeigt sich AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer verärgert. "Wir verlangen aber nicht nur Sofortmaßnahmen des Ministeriums beim Pendlerrechner. Das ganze bisherige System hat sich als absurd erwiesen. Künftig soll sich die Pendlerentschädigung nur mehr nach der Entfernung richten und nicht nach dem Einkommen, damit Geringverdiener nicht benachteiligt werden."

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