Salon A - "Monetik darf nicht vor Ethik gehen"

Wien (OTS) - Am 12. Februar luden die Vertreter der Gesellschaft der österreichischen Apotheker zum ersten Salon A im Jahr 2014 in die Servitengasse. Unter dem Motto "Daten, Statistik & Sicherheit" diskutierten diese im Rahmen eines interdisziplinären Meinungsaustausches mit hochkarätigen Vertretern aus Industrie und Forschung. Zum gemeinsamen Get-together geladen wurden Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs und Mag. Erika Sander von IMS Health Österreich.

Was bedeutet Sicherheit im Hinblick auf patientenbezogene Daten? Welche Vorteile ergeben sich durch die Sammlung von Datenmaterial für die Patienten? Welche Rolle kommt der Apothekerschaft im Hinblick auf die Erfassung von Patientendaten zu? Diese Fragen erörterten die Ehrengäste Dr. Gerald Bachinger und Mag. Erika Sander gemeinsam mit den anwesenden Apothekern beim gestrigen Salon A.

IMS Health, als eines der weltweit größten Markforschungsinstitute im Gesundheitswesen, ist darauf spezialisiert, Statistiken und Analysen auf Basis von Daten aus Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern und weiteren Leistungserbringern zu erstellen. Diese dienen in erster Linie der Information für öffentliche Einrichtungen wie Arzneimittelzulassungsbehörden wie z.B. die EMA, Krankenkassen, Ministerien und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch Leistungserbringern, kassenärztlichen Vereinigungen, Pharma-unternehmen und Forschungsinstituten werden die Studien zur Verfügung gestellt - also all jenen, die für unsere Gesundheitsversorgung verantwortlich sind. Insbesondere in den Bereichen Diagnose und medikamentöse Therapie ist die Ärzteschaft für diese Studien ein wichtiger Partner zur Sammlung von Daten. "Die Teilnahme an unseren Studien ermöglicht eine unabhängige Auswertung von Informationen unter anderem zur Versorgungsforschung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von Krankheitsverläufen und der Wirkung bestimmter Therapien. Oberstes Ziel ist dabei immer eine optimierte Gesundheitsversorgung der Patienten", erläuterte Mag. Erika Sander von IMS Health Österreich.

Verbesserung der Versorgungsforschung durch die Erfassung von Patientendaten

Adäquate Datenerfassung ist für das Gesundheitssystem von großer Bedeutung und leistet einen wichtigen Beitrag für die Versorgungsforschung. "Alle Stakeholder im Gesundheitswesen benötigen Einblicke in den Gesundheitsmarkt. Dieser wird, wie andere Märkte auch, von Marktforschungsunternehmen bedient. Der wissenschaftliche Aspekt jedes Projekts steht im Vordergrund und ist in der Regel mit der Erhebung von Daten verbunden. Die Ergebnisse von Erhebungen dienen allen Stakeholdern - im Mittelpunkt steht das Wohl der Patienten", so Mag. Sander. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs, stellte fest, dass die Allokation von Gesundheitsressourcen in Österreich sehr unstrukturiert, geradezu zufällig und chaotisch erfolgt: "Es ist äußerst wichtig, dass Datenerhebungen evidenzbasiert stattfinden und strategisch sowohl als auch zielgerichtet sind. Bei der Erhebung von Patientendaten muss mehr Transparenz geschaffen werden." Salon A-Obfrau Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr erläuterte die Sichtweise der Apothekerschaft zu diesem Thema: "Erhebungen sind keineswegs nur ein lukrativer Wirtschaftszweig. Im Gegenteil, Datenerfassung unterstützt auch aus Sicht der Apothekerschaft die Verbesserung der Versorgungsforschung. In weiterer Folge ist diese ein wichtiges Instrument zur tatsächlich besseren Versorgung der Patienten. Insbesondere aus Daten zu Compliance und Adherence können Rückschlüsse zum Umgang mit den Patienten generiert werden, die im Rahmen einer Therapie besonders wertvoll sind. Dies könnte ein enormer Vorteil für alle Beteiligten im Gesundheitswesen sein."

Bachinger: "Monetik darf nicht vor Ethik gehen"

Die Experten hinterfragten einen gewerbemäßigen Verkauf von Arzneimitteln durch die Ärzteschaft. Der Patient ist in hohem Maße auf das Wissen und die Empfehlung des Arztes als Experte für Erkrankungen und Anbieter medizinischer Leistungen angewiesen. Dem Apotheker vertraut er als Experte für Arzneimittel. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs, erläuterte:
"Ethische Reflexionen und Überlegungen sind bei allen individuellen Behandlungsentscheidungen von grundlegender Bedeutung. Die Empfehlungen des Arztes müssen sich neben der fachlichen Einschätzung am Patientenwohl orientieren. Verdient ein Arzt am Verkauf von Medikamenten mit, können leicht falsche finanzielle Anreize in Richtung der Verschreibung unnötiger oder zu teurer Medikamente entstehen. Monetik darf nicht vor Ethik gehen!" Die deutsche Berufsordnung verbietet, dass Ärzte Medikamentenempfehlungen aussprechen, damit für Patienten die für sie bestmögliche Therapie sichergestellt werden kann und zugleich die Unabhängigkeit von Ärzten erhalten bleibt. "Wir Apotheker erhalten von vielen Patienten Beschwerden, dass Ärzte Arzneimittelempfehlungen aussprechen und die Patienten sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Monetäre Interessen dürfen nicht auf dem Rücken unserer Patienten ausgetragen werden. Das Wohl unserer Patienten muss oberste Priorität sein", so Obfrau-Stellvertreter Mag.pharm. Corinna Prinz-Stremitzer.

Die in dieser Presseinformation verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

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Salon A - Gesellschaft der österreichischen Apotheker
Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Obfrau
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