IGB: Zwangsarbeit in Katar geht weiter

Neue Arbeitsstandards sind nichts als leere Versprechungen - FIFA muss Druck machen

Wien (OTS/ÖGB) - Die neuen Arbeitsstandards in Katar sichern keineswegs die Grundrechte der Bauarbeiter auf den WM-Baustellen in Katar. Das Kafala-System, das den Arbeitgebern volle Kontrolle über deren Beschäftigte ermöglicht, wird sogar noch verstärkt, warnt der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB). Generalsekretärin Sharan Burrow: "Die Zwangsarbeit in Katar geht weiter. Die ausländischen Arbeiter in Katar sind rechtlos. Sicherheitsstandards bieten keinen Schutz, solange die Arbeiter nicht das Recht haben, kollektiv über Löhne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln." Im so genannten Kafala-System sind die Arbeiter an ihre Arbeitgeber gefesselt, denn ohne deren Erlaubnis dürfen sie weder das Land verlassen noch den Arbeitgeber wechseln. ++++

Gewerkschaften verboten

"Es hat sich überhaupt nichts an der Lage geändert: Das katarische Gesetz nimmt den Arbeitern ihre grundlegenden Rechte, zum Beispiel das Recht, ihre eigenen Vertreter demokratisch zu wählen. Und ein vom Arbeitgeber ernannter Beauftragter ("welfare officer") ist dafür überhaupt kein Ersatz. Diese Standards bauen auf dem alten System der auf, in dem sich die Unternehmen selbst kontrollieren, und das schon in Bangladesch und in anderen Ländern versagt hat, wo Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter zu Tode gekommen sind. Es braucht eine rechtliche Kontrollinstanz, zum Beispiel ein Tribunal, damit wenigstens die bestehenden schwachen Regelungen auch durchgesetzt werden können", verlangt Burrow.

Einige der neuen "Arbeitsrechte" in Katar

  • Ein Sozialarbeiter für 3.500 Beschäftigte - der hätte dann 41 Sekunden pro Woche Zeit für jeden Beschäftigten.
  • Zwar soll eine Telefonhotline eingerichtet werden, aber weder ist bekannt, wer dort abhebt, noch wie die dort vorgebrachten Anliegen der ArbeiterInnen behandelt werden. Eine schon bisher bestehende Hotline war jedenfalls ein einziger Reinfall.
  • Über tödliche Arbeitsunfälle wird weiterhin nicht Buch geführt, und es ist nicht sichergestellt, dass Autopsien durchgeführt werden.
  • Baufirmen, die sich nicht an die wenigen Regeln halten, werden nicht einmal verfolgt; stattdessen werden die betroffenen ArbeiterInnen ausgewiesen.

"Wenn die FIFA weiterhin an Katar als Austragungsort der Weltmeisterschaft 2022 festhält, muss sie auf Koalitionsfreiheit drängen, damit die ArbeiterInnen von ihren gewählten Vertretern vertreten werden. Sie müssen Sofortmaßnahmen verlangen, die dem Kafala-System ein Ende setzen. Die Arbeiter müssen Löhne und Arbeitsbedingungen verhandeln dürfen, und es muss Gerichte geben, wo die Verstöße gegen Arbeitsrechte verhandelt werden", fordert Burrow. Das, was in Katar jetzt beschlossen wurde, ist nur die Fortsetzung der Zwangsarbeit.

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