GLOBAL 2000 warnt vor Weichmacher Diethylphthalat in Parfum und Rasierwasser!

Diethylphthalat (DEP) durchdringt Haut und landet im Körper. Schwangere besonders gefährdet.

Wien (OTS) - GLOBAL 2000 ließ rund 50 marktübliche Parfums und Rasierwasser vom Prüflabor Chemcon daraufhin untersuchen, ob zur steuerschonenden Vergällung* von Alkohol das hormonell wirksame Diethylphthalat (DEP) eingesetzt wurde.

Betroffen: Davidoff, David Beckham, Faubourg, Denim, Gammon und Cuore d'Oro

Große Mengen der hormonell wirksamen Chemikalie fanden sich in den hochpreisigen Luxusparfums "Davidoff, Cool Water" (7.200 mg DEP/Liter), "David Beckham, Homme" (2.720 mg DEP/Liter) und "24, Faubourg" (465 mg DEP/Liter) sowie in den preisgünstigeren Aftershaves "Denim, Black" (3.000 mg DEP/Liter), dem Aftershave/Eau de Toilette "Gammon, Magic Musk" (5.100 mg DEP/Liter) des Nivea-Herstellers Beiersdorf und in dem vom Diskonter Hofer vertriebenen Parfum "Cuore d' Óro" (4.800 mg DEP/Liter). Alle anderen untersuchten Parfums sowie alle stichprobenartig mituntersuchten Körperpflegeprodukte enthielten keine nachweisbaren Mengen bzw. nur Spuren von DEP (zwischen 0,1 mg/Liter und 8 mg/Liter). Alle Analysenresultate finden Sie auf: http://global2000.at/parfumcheck

Das Ergebnis ist zwiespältig. So erfreulich einerseits die Abwesenheit von DEP in der überwiegenden Zahl der untersuchten Parfums und Rasierwasser sowie in den stichprobenartig untersuchten Hautcremes, Duschgels, Zahnpasten etc. ist, so unerfreulich sind die überaus hohen Belastungen, die wir in den oben genannten Produkten vorfanden.

DEP wird über die Haut aufgenommen

Professor Dr. med. Andreas Lischka kommentiert die Befunde so: "Diese DEP-Belastungen sind bedenklich. Denn aktuelle Untersuchungen zeigen, dass DEP aus Parfums über die Haut aufgenommen wird und in relevanten Mengen in den menschlichen Körper gelangt. Kosmetika, insbesondere Parfums, gelten als Hauptursache für die in zahlreichen Studien gefundenen DEP-Belastungen beim Menschen", so Lischka. "Das Fatale daran ist, dass DEP zu jenen hormonell wirksamen Chemikalien zählt, die im Verdacht stehen, sensible Entwicklungsprozesse beim heranreifenden Organismus irreversibel zu beeinträchtigen. Dadurch könnten bereits im Mutterleib Krankheiten, die im späteren Erwachsenenleben auftreten, gleichsam vorprogrammiert werden."

Gefahr: Krebs, ADHS, verfrühte Pubertät, Fruchtbarkeitsstörungen und Diabetes

Professor Lischka, der sich als langjähriger Vorstand der Kinderklinik Glanzing mit den Auswirkungen von PVC-Phthalat-Weichmachern auf die gesundheitliche Entwicklung von Föten und Säuglingen auseinandersetzte und Glanzing zur ersten phthalatfreien Kinderklinik Europas machte, verweist auf den 2012 von der Weltgesundheitsorganisation WHO publizierten Bericht über Gesundheitsrisiken durch hormonell wirksame Chemikalien. Diese werden von der WHO als mögliche Ursache für den massiven Anstieg von Brustkrebs, Hodenkrebs und anderen hormon-assoziierten Entwicklungsstörungen und Erkrankungen wie ADHS, verfrühte Pubertät, Fruchtbarkeitsstörungen und Diabetes in den Industrieländern diskutiert.

Russisches Roulette: 10 Prozent der Parfums beinhalten DEP

DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000, stimmt dem zu. "Zwar ist es erfreulich, dass in Europa, anders als in den USA, mittlerweile neun von zehn Parfums DEP-frei sind. Dass aber die KonsumentInnen bei der Wahl ihres Parfums oder Rasierwassers ungewollt und unwissentlich Russisches Roulette spielen, mit einem zehnprozentigen Risiko, sich permanent einer erhöhten DEP-Belastung auszusetzen, ist nicht akzeptabel., so Burtscher: "Dabei ist der Verzicht auf DEP völlig problemlos möglich. Alles, was die Kosmetikhersteller tun müssen, ist, den Alkohol, den sie zur Produktion verwenden, nicht mehr mit DEP zu vergällen. Die paar Cent Alkoholsteuer, die für die Kosmetikindustrie dadurch anfallen, stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen gesundheitlichen Folgen für die KundInnen.

WHO: Hormonell wirksame Chemikalien sind eine globale Bedrohung

"Die WHO nennt hormonell wirksame Chemikalien eine globale Bedrohung. Das Mindeste, was wir zum Schutz von Umwelt und Gesundheit tun müssen, ist in einem ersten Schritt auf diese Chemikalien dort zu verzichten, wo es ohne Probleme möglich ist", fordert Burtscher die Politik und die Kosmetikindustrie zum Handeln auf.

Handel reagiert

Manche haben damit schon begonnen. So verzichten die Drogerieketten dm und Müller bei ihren Eigenmarken bereits zur Gänze auf DEP-vergällten Alkohol. Auch finden sich in ihrem Eigenmarkensortiment deutlich weniger Artikel mit hormonell wirksamen Parabenen und UV-Filtern als dies etwa bei Nivea oder L'Oreal der Fall ist. Noch einen Schritt weiter geht die österreichische Drogeriekette BIPA, die mit ihrer Eigenmarke MY bis Jahresende zur Gänze aus hormonell wirksamen Inhaltsstoffen aussteigen wird.

*Vergällung: das Verfahren, in dem der Alkohol, der in Parfums verwendet wird, als Lebensmittel ungenießbar gemacht wird.

Ein Hintergundpapier zum Thema hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetika finden Sie unter:
https://www.global2000.at/sites/global/files/kosmetik-hintergrund-web
.pdf

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