Die Fakten zum Kurier Artikel von Andrea Hodoschek über Ernest Gabmann

Wien (OTS) - Vor kurzem wurde in der Tageszeitung Kurier(Red. Hodoschek) lanciert, die Flughafen Wien AG hätte ihr ehemaliges Vorstandsmitglied Ernest Gabmann "auf Schadenersatz in Millionenhöhe geklagt". Das ist nicht richtig: eine solche Klage gibt es nicht. Vielmehr hat Gabmann den Flughafen mittlerweile zweifach klagen müssen: in einem Verfahren geht es um den vorzeitigen Ausstieg Gabmanns aus dem Vorstand der Flughafen Wien AG. In dem anderen der beiden Verfahren wendet der Flughafen nun aufrechnungsweise Gegenforderungen ein, die aber bei genauem Hinsehen dem Reich der Phantasie zuzuordnen sind. Gabmann, der während seiner Vorstandstätigkeit für den Flughafen einigen Mächtigen auf die Füße getreten ist, soll dafür nun offenbar büßen.

Rückblick Nr 1

Keine Verantwortung für Kostenexplosion bei Skylink

Zur Erinnerung: Ernest Gabmann wurde vom AR ab 1. März 2009 einstimmig zum Mitglied des Vorstands bestellt und übernahm das krisengebeutelte "Skylink-Ressort" just zu dem Zeitpunkt, als die Krise auf ihrem Höhepunkt war: Damals (März/April 2009) gingen die Prognosen von Errichtungskosten in Höhe von 830 bis 894 Millionen Euro aus.

Dass Gabmann für diese explosionsartige Entwicklung der Kosten vor seinem Eintritts in das Unternehmen im März 2009 nicht verantwortlich sein kann, ist nur logisch, wird aber (zumindest von der Flughafen Wien AG bewusst) immer verschwiegen.

Im Gegenteil zu der im Unternehmen herrschenden Ohnmacht setzte Gabmann unmittelbar nach seinem Amtsantritt wichtige Schritte zur Kostenreduktion und "zog beim Skylink die Reißleine". Er eliminierte die völlig glücklose Raiffeisen-Tochter "Raiffeisen Evolution" von der Projektleitung und setzte dafür eine eigene interne Projektleitung ein. Er verfügte außerdem im Alleingang einen Baustopp, durch den erst eine Beweissicherung durchgeführt werden konnte, die sich für die nunmehr anhängigen Gewährleistungs- und Schadenersatzprozesse gegen Bauunternehmen als essentiell erweist. Laut einer Presseaussendung der Flughafen Wien AG vom 23. Dezember 2013 hat das Unternehmen in diesen Verfahren bis dato sogar mehr als 30 Mio Euro zurückgeholt.

Der von Gabmann verfügte Baustopp verhinderte außerdem zusätzlichen Schaden, weil dadurch neue und billigere Ausführungsverträge abgeschlossen werden konnten. All diese Maßnahmen trugen dazu bei, das Projekt auf Schiene zu bringen. Die damit erreichte Kostenreduktion auf derzeit 725 Millionen Euro und die rechtzeitige Eröffnung des Skylink Mitte 2012 begründen übrigens auch den Anspruch Gabmanns auf die vereinbarte Bonuszahlung.

Gabmann als Einziger für RH-Prüfung des Skylinkt-Debakels

Weder durch die drastischen Eingriffe in die Bau- und Projektleitung des Skylinks, noch mit dem bedingungslosen Einsatz für eine RH-Prüfung des Skylink-Desasters, die schließlich auch erfolgte, machte sich Gabmann bei den damaligen Protagonisten des Flughafens Freunde. Dort herrschte vielmehr ein Geist der Verdrängung, der seinesgleichen sucht.

Anhängige Gerichtsverfahren

Offene Zahlungen aus dem Anstellungsvertrag - Flughafen hält entscheidendes Protokoll ein Jahr lang zurück

Ende 2010 sah sich der Aufsichtsrat der Flughafen Wien AG gezwungen, den Vorstand auf massiven öffentlichen Druck hin komplett zu erneuern, wobei zwischen den langjährigen Vorstandsmitgliedern Schmid und Kaufmann einerseits und dem erst nach Eintritt des Skylink-Debakels ins Amt gekommenen Gabmann öffentlich nicht mehr unterschieden wurde. Einen Unterschied machte hingegen der Aufsichtsrat in der Art und Weise, wie er die Vorstandsmitglieder anlässlich ihrer vorzeitigen Beendigung behandelte. Während Schmid und Kaufmann, gegen die nach wie vor unter anderem ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Untreue (§ 153 StGB) aufgrund ihrer Tätigkeit für den Flughafen läuft, jeweils knapp über 1 Million Euro (!) zur Abgeltung ihrer vertraglichen Restlaufzeit erhielten, weigert sich der Flughafen bis heute beharrlich, Gabmann auch nur einen Cent in Erfüllung des rechtlich niemals beendeten Anstellungsvertrages zu zahlen. Der Prozess zieht sich mittlerweile seit ziemlich genau zwei Jahren, nicht zuletzt weil sich der Flughafen trotz gerichtlichen Auftrags über ein Jahr lang aus unerklärlichen Gründen mit Nachdruck weigerte, das aufklärende Dokument (Auszug aus dem O-Ton Protokoll der entscheidenden AR-Sitzung und das dazu passende Transskript) dem Gericht vorzulegen.

Offene Bonuszahlung und aufgerechnete Schadenersatzansprüche

Zwischenzeitig musste Gabmann noch eine zweite Klage einbringen, weil der Flughafen trotz Erfüllung aller vereinbarten Kriterien ausständige Boni für die Jahre 2009 - 2011 nicht auszahlt. Nunmehr -knapp zwei Jahre nach Beginn des ersten Prozesses - wendet der Flughafen in diesem Prozess Schadenersatzansprüche gegen den Kläger aufrechnungsweise ein, wobei deren angeblicher Ursprung weit zurückliegt: es geht um die Vergabe von Mietflächen des Flughafens an Retail- und Duty-Free-Anbieter, wobei der Flughafen behauptet, Gabmann hätte seinen Bekannten Rakesh Sardana bei der Vergabe dieser Flächen "bevorzugt". So falsch der Vorwurf ist - er ist nicht neu:
auf Grund einer anonymen Anzeige wurde die Staatsanwaltschaft damit befasst, und stellte das Verfahren gegen Gabmann am 27. Juni 2011 ein, weil kein strafbares Verhalten vorlag.

Rückblick Nr 2

Flächenvergabe für Skylink bereits vor Eintritt Gabmanns abgeschlossen

Nun zum zentralen Vorwurf des Kurier-Artikels, wonach Gabmann den Unternehmer Sardana bei der Vergabe von Mietflächen bevorzugt habe:

Was in diesem Artikel unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, dass die Auswahl der Bestbieter für die Geschäftsflächen im Skylink bereits am 14. Mai 2008, also ein Jahr vor dem Einzug Gabmanns in den Vorstand des Flughafens, abgeschlossen war! Damals verkündete der Flughafen, wie für ein börsennotiertes Unternehmen notwendig, in einer offiziellen, international verbreiteten Pressemitteilung:
"Skylink-Flächenvergabe für Retail und Gastronomie abgeschlossen" [...], "Das sich über zwei Ebenen erstreckende Konzept "Best of Austria" wird von der Firma Artifacts (Sardana) betrieben werden." Die jeweiligen Bestbieter wurden von der Flughafen Wien AG im Mai 2008 auch offiziell per Brief informiert, so auch Herrn Sardana mit Schreiben vom 19. Mai 2008: "[...] freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie in dem Vergabeprozess nach gründlicher Prüfung aller Angebote für die oben angegebenen Flächen erstgereiht wurden. Wir werden in den nächsten Wochen auf Sie zukommen, um mit Ihnen in die Detailgespräche für einen Vertragsabschluss einzutreten.".

Bewusste Enthaltung Gabmanns bei Verhandlungen und Vertragsabschluss mit Sardana-Unternehmen

Bei seinem Eintritt 2009 übernahm Gabmann die Betreuung der bestehenden Mietflächen einerseits und die Flächenvergabe für den Skylink andererseits nach der Liste der Erstgereihten, die von seinem Vorgänger, Mag. Christian Domany, erstellt worden war.

Beim Skylink waren bedingt durch den Baustopp und die damit verbundenen geringfügigen Flächenveränderungen Nachverhandlungen nötig, bei denen Gabmann jedoch insgesamt ein Verhandlungsergebnis erzielen konnte, das weit über dem noch unter Domany erwarteten Erlös lag. Das allein schließt einen "Schaden" des Flughafens durch das Verhalten Gabmanns wohl aus.

Sardana war dabei einer unter vielen Anbietern, wobei die konkreten Einzelverhandlungen auf Wunsch von Gabmann ab 2011 vom damaligen Kurzzeit-Vorstandsvorsitzenden (und ehemaligen AR-Präsidenten) des Flughafens, Dr. Christoph Herbst, mit Herrn Sardana geführt wurden. Das so erzielte Verhandlungsergebnis wurde dann im Vorstand von Dr. Herbst und Ing Schmid auch entsprechend beschlossen. Gabmann enthielt sich in allen betreffenden Vorstandssitzungen in der Causa "Vergabe Sardana" aufgrund seiner Bekanntschaft zu Herrn Sardana der Stimme und hat auch keinen Vertag unterschrieben. Sollten die ausverhandelten Konditionen tatsächlich nachteilig für den Flughafen gewesen sein, was sich aus den Unterlagen nicht erschließt, wären die beiden anderen damaligen Vorstände, Herbst und Schmid, dafür wohl die Hauptverantwortlichen und keinesfalls Gabmann, der sich der Stimme enthielt. Gerade beim damaligen Vorstandsvorsitzenden Herbst wird man wohl nicht davon ausgehen können, dass er weder wusste noch sich informiert hatte, was er mit Sardana verhandelt und später beschlossen hat.

Zwei Gutachten bestätigen korrekte Vorgangsweise des Vorstandes

Ein beim Retail-Guru Univ Prof Dr. Schnedlitz in Auftrag gegebenes Gutachten aus Juni 2011 zur Prüfung der erzielten Mietpreise bei der Vergabe der Skylink-Flächen kommt zu dem Schluss, dass das Verhandlungsergebnis im Vergleich zu den 2008 erzielten Konditionen ein Erfolg sei. Mindestmieten und Umsatzabgaben seien gegenüber dem Verhandlungsstand 2008 unter Mag Domany gestiegen, was insbesondere unter den schwierigen Bedingungen (Baustopp und Verzögerungen) beim Skylink beachtenswert sei.

Auch ein weiteres Gutachten der Kanzlei Wolf Theiss Rechtsanwälte GmbH aus Oktober 2011 bestätigte die Rechtskonformität des Vergabeverfahrens und der Mietverträge.

Rückfragen & Kontakt:

Dr Katharina Körber-Risak
(Kanzlei Kunz Schima Wallentin)
Tel.: 0664/8559684

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