Engagement von MigrantInnen in Entwicklungszusammenarbeit stärken

Frauenberger: "Wir brauchen Menschen, die Brücken bauen!"

Wien (OTS) - MigrantInnen sind in den professionellen Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit und bei der Durchführung von offiziellen und staatlich geförderten Entwicklungsprojekten in Österreich unterrepräsentiert. Vor diesem Hintergrund eröffnete die Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger gestern, Dienstag, eine Podiumsdiskussion zum Engagement von MigrantInnen in der Entwicklungszusammenarbeit im Wiener Rathaus. ExpertInnen aus dem In-und Ausland diskutierten dabei über kommunale und nationale Handlungsmöglichkeiten für Migration und Entwicklung. "Das Engagement von Migrantinnen und Migranten in allen gesellschaftlichen Bereichen muss anerkannt werden. Das gilt auch für die Entwicklungszusammenarbeit. Dass sich Menschen für die positive soziale Entwicklung in ihren Herkunftsländern, oder deren ihrer Eltern, engagieren ist nicht selbstverständlich. Wir brauchen Menschen, die Brücken bauen und Solidarität leben", betont Frauenberger in ihrer Eröffnung.

Best-Practice-Projekte in der Schweiz und Bologna

Grundlage für die Diskussion boten erfolgreiche Beispiele für die Mobilisierung von Diaspora-Engagement in der Schweiz und der Stadt Bologna. Die Gesamtinvestitionen der schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im Bereich Migration und Entwicklung belaufen sich auf umgerechnet 54,8 Mio Euro. "Das Globalprogramm Migration und Entwicklung setzt sich in Herkunfts-, Transit- und Aufnahmeländern für die Schaffung von Rahmenbedingungen ein, welche dem Diaspora-Engagement förderlich sind, und erarbeitet mit ausgewählten Diaspora-Organisationen innovative Projekte", erklärte Martina Schlapbach von der DEZA.

Lucia Fresa von der Stadt Bologna berichtete von ihren Erfahrungen aus der Kommunalpolitik: "Die Einbindung von Migrantinnen und Migranten und ihren Communities und Organisationen als Akteure und nicht als Objekte ist für den nachhaltigen Erfolg von kommunalen Initiativen von entscheidender Bedeutung". Diesen Gedanken nahm auch Alexis Nshimyimana Neuberg von der Afrika Vernetzungsplattform in Österreich (AVP) auf: "In Österreich leben mehr als 45.000 Menschen afrikanischer Abstammung. Deren fachliches und regionales Know How sowie Engagement soll als Ressource genutzt werden, um Projekte bzw. Unternehmen sowohl in Afrika als auch in Österreich zu entwickeln und umzusetzen".

Bedingungen in Entwicklungszusammenarbeit schaffen

"Das gemeinsame Potential der in Österreich lebenden Migrantinnen und Migranten und der entwicklungspolitischen NGOs sollte mehr als bisher dazu genutzt werden, die Wirksamkeit von Entwicklungsprojekten zu erhöhen. Um dieses wichtige Ziel zu erreichen, benötigt es allerdings auch die notwendige finanzielle Grundausstattung", bestätigte auch Annelies Vilim von der Arbeitsgemeinschaft Globale Verantwortung für Entwicklung und Humanitäre Hilfe.

Helmuth Hartmeyer von der Austrian Development Agency sprach sich für mehr Engagement von MigrantInnen in der EZA aus: "Für ein nachhaltiges Diaspora Engagement in der Entwicklungspolitik braucht es offene Diskussionen, was wir jeweils unter Entwicklung verstehen und welche Interessen die Mehrheitsgesellschaft und die Diaspora verbinden".

Abschließend wies Michael Fanizadeh, Projektleiter von CoMiDe (VIDC) auf die Notwendigkeit von Förderstrukturen hin: "Es fehlt an geeigneten Förderstrukturen und Weiterbildungsmaßnahmen, außerdem behindern rechtliche Barrieren das Engagement von migrantischen Gruppen in der EZA. In diesem Sinne fordern wir die Anerkennung von Diaspora-Organisationen als wichtige Akteure und eigene Förderstrukturen für diese in der EZA".

Das Projekt CoMiDe

Das Projekt CoMiDe wurde im April 2011 gestartet und ist ein dreijähriges Projekt, welches von der Europäischen Kommission und der OEZA gefördert wird. Im Rahmen dieses Projektes steht die Frage der Herstellung einer kohärenten Migrations- und Entwicklungspolitik auf staatlicher und europäischer Ebene im Vordergrund. Des Weiteren sollen Kooperationen zwischen entwicklungspolitischen NGOs und migrantischen Organisationen und Communities in Italien, Slowenien, Slowakei und Österreich initiiert werden. Mehr Informationen zum Projekt unter: www.CoMiDe.net (Schluss)

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