TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 6. Februar 2014, von Peter Nindler: "Aus dem Paradies geflogen"

Innsbruck (OTS) - Für Betreiber von Rettungshubschraubern ist Tirol ein Dorado. Weil einige trotzdem rotierten, musste das Land Tirol sie auf den Boden der Realität holen. Die Ausschreibung der Flugrettung ist ein Risiko, aber letztlich notwendig.

Die Ausschreibung der Flugrettung war nicht das erklärte Ziel der Tiroler Landesregierung. Noch zu frisch sind die Erinnerungen an die Vergabe der Rettung am Boden. Sie holperte gehörig, für den politischen Preis musste das Land Tirol in den vergangenen zweieinhalb Jahren rund 11,2 Millionen Euro nachschießen. Deshalb konnte die Politik mit der Vereinbarung über die Grundversorgung aus der Luft gut leben. Zwar kreisen nach wie vor zu viele Rettungshubschrauber in Tirol, aber diese kamen sich zumindest bis Dezember nicht in die Quere.
Denn die Verrechnungsvereinbarung über 1,6 Mio. Euro für die Grundversorgung wirkte wie ein Gebietsschutz für den lukrativeren Transport von Verletzten nach Freizeitunfällen. Im Tourismusland Tirol lassen sich damit geschätzte 17 bis 25 Millionen Euro verdienen. Als Roy Knaus mit seinen Hubschraubern plötzlich im Zillertal rotierte, begann das System zu bröckeln.
Dem Land blieb am Mittwoch gar nichts anderes übrig, als mit einer europaweiten Ausschreibung auf die Kompromisslosigkeit von Knaus zu reagieren. Damit geht allerdings nicht nur die Landesregierung ein Risiko ein, sondern für alle Heli-Betreiber neigen sich die paradiesischen Zeiten dem Ende zu. Zum einen wird die Anzahl der Rettungshubschrauber deutlich reduziert, was die Flugretter finanziell nicht gerade freuen wird. Andererseits steht das Land unter gehörigem Druck. Die Ausschreibung muss diesmal perfekt vorbereitet werden und die Vorgaben klar sein. Die Zeitspanne von knapp zwei Jahren ist nicht groß, Einsprüche sind zu erwarten. Vor allem, wenn man Roy Knaus kennt. Mit dem ÖAMTC verbindet den Desperado der Lüfte eine tiefe Feindschaft, höchstgerichtliche Auseinandersetzungen sind programmiert.
Der Rechnungshof oder eine bekannte Studie des Landes geben jedoch den Rahmen für die Vergabe vor: Rund fünf Hubschrauber sind zu viel in Tirol. Sollten die Touristiker mehr Rettungs-Helis fordern, dann sind sie am Zug und müssen selbst in die Tasche greifen. Trotz möglicher Unwägbarkeiten dürfte eine Ausschreibung jedoch endlich für klare Luftverhältnisse sorgen. Eines muss der Politik jedoch klar sein: Politischen Preis darf es diesmal keinen geben. Dass die Flugrettung billiger wird, ist ebenfalls nicht zu erwarten. Und wer die künftigen Retter aus der Luft sind, kann der Landesregierung egal sein - ob es nun Unternehmen aus Österreich oder einem anderen EU-Land sind. Qualität und Professionalität markieren die einzigen Kriterien für die Vergabe. Und nichts anderes.

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