WKÖ-Schwarzer: "Vorschläge des EU-Parlaments zu Klimazielen schaden Europas und Österreichs Wettbewerbsfähigkeit"

Industrie stößt bereits jetzt an ihre Grenzen - Betriebe in Europa halten statt Betriebsverlegungen und Arbeitsplatzverlust riskieren

Wien (OTS/PWK067) - Mit großem Unverständnis reagiert Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), auf den heutigen Beschluss des Europäischen Parlaments, wonach die ambitionierten Vorschläge der EU-Kommission zum klima- und energiepolitischen Rahmen bis 2030 sogar verschärft werden sollen. "Sollten auch noch die Staats- und Regierungschefs beim Europäischen Rat im März das überambitionierte Treibhausgasreduktionsziel von minus 40 Prozent akzeptieren, dann verabschiedet sich Europa auf lange Zeit vom eigentlich angestrebten Wachstumspfad. Damit riskieren wir Betriebsabwanderungen und Arbeitslosigkeit in Europa", warnt Schwarzer.

Laut dem WKÖ-Klimaexperten stößt die energieintensive Industrie in Österreich bereits jetzt an ihre technischen Grenzen. Schwarzer befürchtet, dass durch neue, einseitige Verschärfungen der Klimaziele in Europa die Wettbewerbsfähigkeit bisher erfolgreicher Wirtschaftszweige massiv gefährdet wird. "Wir stehen vor dem Horrorszenario: Zuerst gehen dringend notwendige Investitionen verloren, dann ganze Betriebsstandorte und mit ihnen zehntausende Arbeitsplätze."

Schwarzer verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine aktuelle Prognose der Internationalen Energieagentur: Laut dem jüngsten World Energy Outlook wird Europa wegen der steigenden Energiekosten ein Drittel seiner aktuellen Weltmarktanteile verlieren. Daher sei es unverständlich, dass Entscheidungsträger gerade jetzt und vor diesem Hintergrund die Schrauben weiter anziehen möchten.

Internationales Klimaschutzabkommen dringend notwendig
Während negative Konsequenzen für Wachstum und Beschäftigung in Europa abzusehen seien, würden positive Effekte auf das Weltklima durch das nun anvisierte Reduktionsziel in der EU ausbleiben, gibt Schwarzer zu bedenken: "Die bei uns durch Klimaschutzkosten zu teuer gewordenen, energietechnisch ausgereizten Produktionsbetriebe müssten in andere Weltgegenden ausweichen und würden dort gleich große oder sogar größere Mengen an Treibhausgase emittieren". Deshalb müsse alles unternommen werden, um bei der Klimakonferenz 2015 in Paris ein internationales Abkommen zu erreichen, das auch die größten Emittenten USA und China einbezieht, betont Schwarzer: "Ein Gleichziehen anderer Wirtschaftsräume ist unabdingbar, aber derzeit leider nicht absehbar".

Bis zu einem Klimaschutzabkommen braucht die europäische energieintensive Wirtschaft Schutz vor weiteren Kostenbelastungen. Denn die Abwanderung europäischer und auch österreichischer Unternehmen findet bereits statt, eine weitere Eskalation dieses Trends ist zu befürchten. "Wenn Unternehmen in Österreich bleiben und hier auch vermehrt investieren sollen, brauchen wir Rahmenbedingungen, die ihre Innovations- und Investitionskraft in Österreich stärken. Leider ist das heutige Votum ein Schritt in die Gegenrichtung", so Schwarzer. (PM)

Rückfragen & Kontakt:

Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik
Univ.Doz.Dr.Mag. Stephan Schwarzer
Telefon: +43 (0)5 90 900 4195
stephan.schwarzer@wko.at
Internet: http://wko.at/up/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0003