Kärntens Handel im Wandel: Eine Branche stellt sich vor

Der Kärntner Handel steht unter Druck, macht Eigenwerbung und fordert ein Förderprogramm: 3000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Klagenfurt (OTS) - Die Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 7000 Betriebe machen mit 3,8 Milliarden Euro Jahresumsatz den Handel zu einer der stärksten Branchen im Land. Trotz der überwiegend kleinbetrieblichen Struktur - fast neunzig Prozent der Handelsunternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter - ist der Handel mit mehr als 41.000 Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber in Kärnten. "Aber am wichtigsten sind die Kärntnerinnen und Kärntner:
Sie treffen als Konsumenten jeden Tag die Entscheidung, vor Ort einzukaufen - und sichern damit Arbeitsplätze, Einkommen und Wohlstand im Land", mahnte Spartenobmann Jürgen Mandl.

Handel ist Wandel
Weil der Handel immer im direkten Kontakt mit den Menschen steht, ist er dem gesellschaftlichen Wandel besonders ausgesetzt. Die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation verringert Kaufkraft und -freude, Konzentrationsprozesse machen dem Einzelhandel zu schaffen, Politik und Immobilienentwickler planen immer neue Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Mandl: "Für die heimischen Handelsbetriebe wird es also immer schwieriger, als multifunktionale Nahversorger die Lebensqualität in den Städten und Regionen aufrechtzuerhalten. Oder jene Lehrlinge auszubilden, die später als geschulte Verkäufer ihre Kunden fachkundig beraten sollen. Oder jene Umsätze zu erzielen, die für Investitionen in neue Technologien wie etwa Kassensysteme oder neue Vertriebsformen wie Web-Shops nötig sind."

Gefordert: Förderung für Web-Shops
Denn schon heute macht der Handel im Internet etwa acht Prozent des Gesamtumsatzes aus - Tendenz: stark steigend. Das bedeutet allein in Kärnten 330 Millionen Euro, die derzeit großteils ins Ausland abfließen; mittelfristig könnten 3000 Arbeitsplätze im Kärntner Handel verloren gehen. Hier setzt Mandls Forderung an: Denn dadurch würden auch der öffentlichen Hand Umsatzsteuern in Höhe von 50 Millionen Euro jährlich entgehen. "Wenn man nur einen Bruchteil davon in die Hand nimmt, um den Händlern den Einstieg in den E-Commerce zu erleichtern, ist allen geholfen: Dem Staat, der mehr Steuern kassiert; dem Händler, der seine Mitarbeiter in schwächeren Zeiten mit dem Web-Shop beschäftigen kann; und dem Konsumenten, der die Vorteile eines lokalen Händlers hinsichtlich Lieferung und Reparatur mit dem bequemen Internet-Einkauf verbinden kann", erklärte Mandl.

"Stadtvernichtung" ist in vollem Gang
Ein weiteres ganz großes Thema des Handels ist seit Jahrzehnten der Wildwuchs an neuen Verkaufsflächen an den Stadt- und Ortsrändern, der ungebremst weitergeht. Dabei weist Kärnten mit fast zwei Quadratmetern schon heute die größte Verkaufsfläche pro Einwohner in ganz Österreich auf - und die geringste Kaufkraft im Bundesländervergleich. Im Österreich-Schnitt sind es nur etwa 1,5 Quadratmeter, in Deutschland 1,2, in Italien gar nur 0,9. Die Folge sind ausgestorbene Stadtzentren, verwaiste Einkaufsstraßen, leere Schaufenster. Anonyme Konsumtempel an der Peripherie entziehen den Innenstädten und Talschaften Kunden und Kaufkraft - die Citys veröden, die Regionen verlieren Arbeitsplätze, Infrastruktur und letztlich ihre Bewohner. "Die Citys stehen am Scheideweg zwischen einer lebendigen, bunten Innenstadt oder einem ausgestorbenen Stadtkern. Was seitens der Politik hier betrieben wird, ist gezielte Stadtvernichtung - und sie ist in vollem Gang. Jetzt muss Stopp sein", verlangt der Klagenfurter Unternehmersprecher und stellvertretende Handelsspartenobmann Max Habenicht. Auch Mandl unterstützt diese Forderung vehement: "Schon heute hängt das positive Image von Städten und Orten ganz entscheidend davon ab, ob sich die Handelsbetriebe vor allem im Zentrum durch einen ausgewogenen und qualitätsvollen Mix der Sortimente auszeichnen. Dann - und nur dann -bietet der Handel gemeinsam mit Kultur und Gastronomie auch weiterhin jene Attraktivität, die die Touristen zum Kommen und die Wohnbevölkerung zum Bleiben anregt."

Handelskampagne "Setzen Sie auf Gold"
Mit einem der ältesten Symbole für Reichtum und Glück, nämlich Gold, will der Kärntner Handel in den kommenden Wochen auf seine vielfältigen Leistungen für Land und Leute aufmerksam machen: "Setzen Sie auf Gold!" ist der Titel einer groß angelegten Werbekampagne, die im Feber die Kunden des Handels ansprechen und für seine Anliegen sensibilisieren soll. Im Zentrum der gemeinsamen Werbeinitiative steht ein Gewinnspiel, für das die Handelsbetriebe zahlreiche Preise im Gesamtwert von 50.000 Euro zur Verfügung gestellt haben: Dem glücklichen Gewinner des Hauptpreises winkt sogar ein Auto. Mandl:
"Der Handel in Kärnten ist nicht nur ein Wirtschaftszweig, er versorgt die Menschen und trägt zum Wohlstand und zur besonderen Kärntner Identität bei. Das wollen wir anhand einiger Beispiele mit unserer goldigen Kampagne erzählen."

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Mag. Nikolaus Gstättner
Tel.: 05/90 90 4-300
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