WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine kurze Korrekturphase - von Andreas Wolf

Die Seitwärtsphase ist beendet, Rückschläge sind Einstiegschancen

Wien (OTS) - Erfahrenen Börsianern ist der Name Andre Kostolany sicher noch ein Begriff. Zum Ende der 90er-Jahre, also der letzten großen Hausse, wurde der gebürtige Ungar regelmäßig zu den Entwicklungen an der Börse befragt. Solche Marktphasen, wie wir sie aktuell an den Börsen sehen, erklärte er mit folgender Geschichte: An den Aktienmärkten, so konstatierte er, verhält es sich in starken Aufwärtszyklen so wie mit einem Hund mit seinem Besitzer beim Gassigehen - manchmal läuft der Hund etwas zu weit voraus, deshalb wird er dann mittels Leine oder verbal wieder ein Stück zurückbeordert. Das beschreibt im Wesentlichen die Situation, die wir gerade bei Dow Jones und DAX sehen. Seit Mitte vergangenen Jahres sind die Aktienkurse diesseits und jenseits des Atlantiks auf neue Rekordhöhen gestiegen, ohne dass es eine größere Korrektur gegeben hat. Mit dem Beginn der neuen Quartalssaison haben einige Investoren die Gelegenheit genutzt, um Gewinne mitzunehmen. Eine nachhaltige Trendumkehr hat das aber mittelfristig nicht bewirkt. Selbst wenn die Korrektur noch ein paar Wochen weitergeht, wird sich an den mittel-bis langfristig positiven Aussichten nichts ändern, denn die Alternativen zur Aktie im Anlageuniversum sind nach wie vor zu unattraktiv: Weder der Immobilienmarkt noch Anleihen können in Sachen Rendite mit Aktien mithalten.

Anleger, die bisher den Aktienzug ohne eigene Beteiligung abfahren sehen haben, bekommen daher in diesem Jahr sicher mehrere Chancen, um einzusteigen. Von einem Gedanken sollten sie sich aber besser nicht leiten lassen: Die "Schaukelbörsen" der Zeit zwischen 2000 und 2013 kehren für längere Zeit nicht zurück. Die von der Finanzindustrie so lange favorisierte Strategie des "Risk on" und "Risk off" (also das kurzfristige Ein- und Aussteigen an den Börsen) ist passé. Zurück ist hingegen die Phase des "Buy and hold", also das langsame Zukaufen bei Rückschlägen an den Aktienmärkten.

Dabei gilt jede Korrektur als Bestätigung des langfristigen Aufwärtstrends. Jedem sehr starken Börsenjahr folgt meist ein durchschnittliches und darauf ein noch stärkeres - ganz ähnlich einem Vulkanausbruch, der auch in mehreren Phasen abläuft und länger andauert, bevor es wieder eine sehr lange Ruheperiode gibt. Es dürfte sich also lohnen, den Blick wieder mittelfristiger auszurichten und die angstgetriebene Rein-raus-Strategie beiseitezulegen.

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