TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Die Rettung waren Millionen", von Peter Nindler

Ausgabe vom 3. Februar 2014

Innsbruck (OTS) - Nach zweieinhalb Jahren Rettung neu steht eines fest: Die Reform zum Nulltarif hat es nicht gegeben. Erst die Millionen-spritze des Landes von 11,2 Mio. Euro konnte die Bilanzverluste 2013 erstmals verhindern. Was bleibt, sind die Schulden.

Die Reform des bodengebundenen Rettungswesens in Tirol hat eines deutlich gezeigt: Reformen kosten. Das ambitionierte Ziel, die Rettung ab 2011 effizienter und transparenter zu machen sowie Strukturreformen durchzuführen, ohne dass es für die öffentliche Hand teurer wird, wurde nur teilweise erreicht. Denn die Politik hat das System des Roten Kreuzes mit seinen Bezirksstellen unterschätzt. Der Landesverband ist nämlich das schwächste Rettungsglied, die Bezirke geben innerhalb des Roten Kreuzes den Ton an. Und sie haben schließlich die Mehrheit in der neuen Rettungsdienstgesellschaft. Die notwendigen Reformen bei den Abläufen, Fuhrparks oder in der Verwaltung wurden zwar zwischen dem Landesverband und dem Land Tirol abgesteckt, doch die Umsetzung bis in die Bezirke ging nur schleppend voran. So konnten Einsparungspotenziale kaum ausgeschöpft werden, gleichzeitig tappte die Rettungsdienstgesellschaft in die Schuldenfalle. Auch die politischen Preisvorstellungen der Landesregierung beim Angebotszuschlag von 27,5 Mio. Euro an die Tiroler Bietergemeinschaft im Jahr 2010 waren wohl weit von der Realität entfernt. Der dänische Rettungsmulti Falck, der inzwischen die Ausschreibung bei den Höchstgerichten kippen will, sah dies mit seinem angebotenen 37,5-Millionen-Euro-Paket deutlich realistischer. 11,2 Millionen Euro musste das Land mit einer Leistungsadaptierung in den vergangenen drei Jahren zuschießen, um die Pleite bei der Rettung abzuwenden. Die Ausschreibungssumme wurde um 4,8 Mio. Euro aufgestockt. Das relativiert wiederum die schwarze Null im Betriebsergebnis des Vorjahres. Zwar gibt es erstmals kein Defizit, doch bisher ist es nicht gelungen, die Anfangsverluste auszugleichen. Ist das ohne Qualitätsverlust überhaupt möglich? Diese Frage müssen die Rot-Kreuz-Spitzen heuer endgültig beantworten, möglicherweise benötigt es einen Schuldenschnitt. Denn bis 2017 sollten laut Fortbestandsprognose die 3,8 Millionen Euro deutlich reduziert werden.
Vielleicht schafft die Rettung ja von selbst den finanziellen Turnaround. Mit der Ausschreibung der Notfallrettung und des qualifizierten Krankentransports ist Tirol sicher ein Risiko eingegangen, war aber auch Vorreiter. Auf die politische Argumentation, dass es dadurch billiger wird, sollte man in Zukunft aber tunlichst verzichten. Da hilft der Politik dann nicht einmal mehr die Rettungs-Notrufnummer 144.

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