Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 30. Jänner; Leitartikel von Anita Heubacher: "Der Staat allein richtet es nicht"

Innsbruck (OTS) - Utl: Das Land steckt mehr Geld in die Pflege, aber es reicht nicht. Daran wird man sich gewöhnen müssen. Dementsprechend wichtig ist, die vorhandenen Mittel richtig einzusetzen. Alles wird der Staat nicht leisten können.

Mit dem Strukturplan Pflege hat das Land einen Grundstein gelegt. Eine Kritikern zu optimistische Annahme, wohin sich die Pflege entwickelt, wie viele Betten es braucht und wie die mobile Pflege auszubauen ist. Wir brauchen mehr, ein Mehr an Betten, mehr mobile Pflege, mehr Personal und mehr Geld. Die Argumentation, dass mehr Budgetmittel in die Pflege geflossen sind, ist daher nur folgerichtig, aber mehr nicht.
Die teuerste Form der Pflege findet dort statt, wo kaum einer hinwill, nämlich im Altenheim. Dennoch wird die Zahl der Bewohner steigen, wegen der Vergreisung der Gesellschaft, des Ansteigens der Singlehaushalte etc. pp. Das liegt an den Unwägbarkeiten, die auch der beste Strukturplan nur annehmen kann. 80 Prozent der Pflegegeldbezieher werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Zumeist wird diese Arbeit von Frauen über- und als zu selbstverständlich hingenommen. Nur 15 Prozent der pflegenden Angehörigen nehmen mobile Dienste in Anspruch, lassen sich also unter die Arme greifen. Mit verheerenden Folgen, das Risiko von pflegenden Angehörigen, selbst psychisch zu erkranken, liegt zwischen 15 und 50 Prozent. Das ist weit mehr als bei einem Krebspatienten. Als "die stillen Helden unserer Gesellschaft" hat sie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Budgetrede bezeichnet, "als Stiefkinder der Pflege" Caritas-Direktor Georg Schärmer.
Es wird also viel Geld brauchen, um ein Angebot zu schaffen, das die Angehörigen bei der Stange hält. Kippen die Angehörigen weg, herrscht Chaos, warnt die Caritas und setzt einen Schwerpunkt, um die Pflegenden zu pflegen. Fallen die Angehörigen weg, würde es noch mehr Pflegepersonal brauchen, das wir auch um viel Geld der Welt nicht ausreichend herankarren können.
Der Staat allein wird es nicht richten können. Es wird wohl ein Noch-Mehr an sozialem Engagement brauchen. Die Caritas formuliert in ihrem Leitbild folgende Ziele: kein Dorf ohne freiwillige soziale Feuerwehr, ein Kompetenz-Zentrum für Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe, ein freiwilliges Tiroler Jahr, nicht nur für die Jungen, sondern auch für die Generation 60 plus, sofern sie nicht ohnehin bereits die Pflege der Angehörigen übernommen hat. Die pflegenden Angehörigen werden selbst immer älter, weil ihre Pfleglinge älter werden. Umso dringlicher ist es, die Pfleger zu pflegen.

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